Was soll ich nur machen? (ca. 10 Pneus)

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tirreno13
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Was soll ich nur machen? (ca. 10 Pneus)

Beitragvon tirreno13 » Sonntag 8. März 2015, 18:05

Hallo liebe Mitleidende,
also gaanz kurz zu mir:
Mittlerweile 32 Jahre alt, schlank und bauchig da kein Sport mehr möglich ist.
2012 erster Krankenhausaufenthalt Pneu rechts, Drainage.
2 Wochen später wieder Pneu, also ?Thorakoskopie? endoskopisch operiert. Drainage.
Beim ziehen wider Pneu, dann 10 Tage später heim.
2 Wochen daheim, wieder Pneu, wieder endoskopisch operiert, Schlauch gezogen und wieder Pneu, das ganze ging dann 3 Monate so weiter. Schlauch raus, neuer Pneu am nächsten Tag, insgesamt 9 MAL!!! Also 9 mal aufm OP-Tisch mit Narkosen und allem drum und dran. Schmerzen und Schmerzempfinden wurde immer schlimmer.
Februrar ins KH und Mai war ich draußen, so ungefähr.
Alles wurde langsam besser bis 2014. Laaangsam angefangen mit Liegestütze und Fahrradfahren. Beim grillen gabs ein Stechen in der rechten Schulter ohne Bewegung oder sonstiges.
Pneu!!! Ab in die Notaufnahme. Jetzt große offene OP. Alles rechte Seite.
Jetzt ist 2015, also fast genau 1 Jahr ist das her und nun sitze ich jeden Feierabend, jedes Wochenende, jeden Tag zu Hause rum und will nix mehr wissen. Habe ständig Narbenziehen, Stechen, Missempfinden usw. Hab keine Lust auf Bars, Kneipen, Kino, Freunde, Spazieren, Sport sowieso nicht, gaaaar nix.
Was soll denn aus mir werden? Kann ich mal mit meinen Kindern spielen?? Ich war früher ein sportlicher Typ, habe sogar als Sportanimateur in Sporthotels gearbeitet usw. Und jetzt? Ich trau mich keine Bewegung mehr zu tun, in der Freizeit, auf Arbeit, egal bei was. Mach bei keinen Aktivitäten meiner Freunde mehr mit.
Ich muss doch mal wieder schmerzfrei werden und Lust und Mut zum Sport, Bewegung, Unternehmung zu bekommen?!

Bitte helft mir

:cry:

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eve
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Re: Was soll ich nur machen? (ca. 10 Pneus)

Beitragvon eve » Sonntag 8. März 2015, 22:07

Hallo tirreno13

Zuerst mal, willkommen im Club, bei dem niemand sein will :)

Da hast du ja eine ziemliche Tortur hinter dir... :( Ich werde nie verstehen, warum Aerzte nicht einsehen können, dass viele Operationen in kurzer Zeit den Körper überbelasten können. Kommt mir vor wie bei meinen Operationen. Anfangs brauchte ich noch kaum Medikamente, aber so nach 5-10 Operationen brauchte es immer mehr, bis ich halbwegs schmerzfrei war und es ging immer länger, bis mein Körper sich erholt hatte.

Mit dem gesagt, gibt es leider keine Wunderkur, die alles besser macht. Für die Narben würde ich mal mit Leuten von einer Apotheke reden; die wissen meistens, was da gemacht werden kann, wie z.B. Vitamin E in Salbenform. Oder hast du die Narben mal mit Spezialphysio und/oder Akupunkture behandeln lassen?

Ich habe auch eine grosse Narbe auf einer Seite und die ging lange, bis sie sich auch nur halbwegs erholt hatte. Das heisst aber nicht, dass du zuhause sitzen sollst, bis alles gut geht, weil bei Inaktivität, wie du sie jetzt praktizierst, nichts gut wird (genau dasselbe bin ich mir selber übrigens momentan auch am sagen). Mach Atemübungen fürs richtig Atmen und die richtige Haltung, dann fang wieder an, spazieren zu gehen und mit der Zeit dann auch wieder Fahrrad fahren und was da alles noch möglich wäre.

Im Gegensatz zu den früheren Operationen wird alles schwerer gehen und länger brauchen, aber es wird wieder besser werden. Deine letzte, offene OP hat das Rückfallrisiko auf weit unter 10% gesenkt, alles ist besser verwachsen, als es vorher war und 1 Jahr sollte auch genug sein, um die letzten Reste zusammenwachsen zu lassen.

Für die Schmerzen würde ich mal schauen, ob es keine Medikamente gibt, die mind. anfangs mithelfen, so dass du aktiver werden kannst. Wenn es denn mal besser geht, kannst du immer noch wieder damit aufhören. Sprich mal mit einem Arzt/einer Aerztin darüber, damit du das richtige bekommst.

Für die Psyche wäre evtl. eine Therapie ganz gut. Du schreibst, du hast Familie; ich nehme mal an, die finden das auch nicht so toll, dass du nichts mehr aktiv machst....eine Therapie, damit nicht die Familie noch mehr belastet wird als sie es jetzt wahrscheinlich schon ist.

lg
eve

aelita
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Re: Was soll ich nur machen? (ca. 10 Pneus)

Beitragvon aelita » Samstag 27. Juni 2015, 16:05

Hallo tirreno13,

diese Belastungen nach einem solchen Leidensweg sind nicht nur körperlich schwer weg zu stecken, sondern vorallem psychisch. Diese Hilflosigkeit wenn jede Bewegung und jeder Atemzug weh tut und man ans Bett gefesselt ist. Für Außenstehende schwer nach zu vollziehen dass atmen schmerzen kann. Wie du dich momentan fühlst ist eine normale Reaktion deines Körpers. Diese Angst vor dem nächsten "Riss" wird dich wohl täglich verfolgen. Und dass die Unternehmenslust schwindet und man sich fragt "was darf ich denn überhaupt noch machen?" dich zum Rückzug zwingen, ist mehr als verständlich.

Wenn ich dir einen Rat geben darf, dann würde ich dich dazu auffordern die Geschehnisse etwas genauer zu durchleuchten. Woran hindern dich die Pneus? Und wozu zwingen sie dich? Diese Pneu Sache ist ja so eine Art Krankheit die "aus dem Nichts" kommt. Das "aus dem Nichts" liegt aber tief in dir verborgen. Als mir mein Heilpraktiker genau das sagte, war ich total entsetzt. Wie kann der nur behaupten ich wäre selbst dafür verantwortich? Diese OPs und Schmerzen und die psychische Belastungen?

Heute denke ich anders. Ich hatte 8 Jahre lang mit dem sch... zu kämpfen. Auch in einem ähnlichen Ausmaß wie du. Zum Schluss bekam ich anti deppresiva verschrieben weil ich mich verkroch, nicht schlafen konnte, ständig Angst hatte... Die Tabletten nahm ich nicht und nutzte stattdessen die Zeit, die ich gezwungenermaßen absitzen musste um nach zu denken. Ich weiß nicht ob ich zu dem Zeitpunkt einen psychischen Knacks hatte, aber ich ging in mich, ganz tief, und fing an zu denken. Die Pneus zwangen mich schließlich dazu, da "darf" man ja nichts machen außer warten bis es wieder von alleine heilt. Ich hatte die Sprüche von den anderen satt: "Positiv denken" bla bla und ich wurde ein wenig ungeduldig und schrie sie oft an. Ich war ja immer ein gutmütiger Mensch, ein Ja-Sager der alles über sich ergehen ließ aus angst ich würde abgelehnt werden wenn ich sage: "Nein, ich will nicht" oder "Nein, das seh ich nicht so". Dann checkte ich erst dass wenn ich einen Pneu bekam, ich "nein" sagen musste. Als ich das endlich erkannt habe, nämlich wozu ich gezwungen, und worin ich gehindert wurde, krempelt ich meine Gedanken um.

Ich habe von heute auf morgen angefangen mich zu lieben. Im Sinne von: Ich sage nein wenn mir danach ist, ohne schlechtes Gewissen. Ich opfere mich nicht mehr auf - und ich habe keine Angst mehr. Ich redete mir ein dass meine Lunge jetzt gesund ist, und nie mehr einreisst. Heute, mit 30 Jahren, ist mir nie wieder etwas passiert. Ich bin seit 4 Jahren ohne Pneu. Das schockiert bestimmt viele, aber ich habe, als ich mein Leben umkrempelte mit dem Rauchen wieder angefangen, ging auch Konzerte, Tauchen, Fliegen - man könnte sagen ich habs drauf angelegt. Eigentlich hab ichs einfach akzeptiert und meine (Lungen)Flügel wieder ausgebreitet. Viele sagen man erkennt mich nicht mehr weil ich so direkt bin, im gegensatz zum verängstigten Mäuschen. Manche sind für immer aus meinem Leben verschwunden weil sie damit nicht klar kamen dass ich plötzlich sage was ich denke und gerne mal nein sage. Mein Leben ist jetzt endlich ausgeglichen, und zwar weil mich meine Krankheit mich dazu gezwungen hat. Einatmen und ausatmen - geben und nehmen. Das will der Pneu uns sagen. Ich bin überzeugt davon. Auch dir wird es wieder besser gehen, ich verspreche es dir.

Ich wünsche dir, und allen anderen Leidensgenossen dass allerbeste.


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