EB - Schicksal? ...

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Cali
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EB - Schicksal? ...

Beitragvon Cali » Dienstag 13. April 2010, 22:04

... woran soll man noch glauben? Ans Schicksal, an Gott oder an dumme Zufälle? Genau das habe ich mich gefragt als ich im Krankenhaus lag.

Erst einmal ein Hallo an alle Betroffenen bzw User, ich bin der Cali und heute 18 Jahre alt.

Mein EB beginnt am Abend des 15 April 2009. Ich hatte ungewöhnliche Hustenanfälle, dachte mir allerdings nichts dabei und ging schlafen. Am Nächsten Morgen hatte ich das bekannte Stechen in der Brust bzw Schulter der betroffenen Seite. Ich ging von einem eingeklemmten Nerv oder ähnlichem aus, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung was man unter einem Pneu versteht. Da der 18 April 2009 mein 18 Geburtstag sein sollte und es bis dahin bloß noch 2 Tage waren entschied ich mich gegen einen Arztbesuch und ging ganz normal zu meinem Praktikum (Bestandteil des Fachabiturs). Einen Tag später wachte ich auf und alles hatte sich verschlimmert. Ich war noch immer der festen Überzeugung das es nichts schlimmes sein konnte, meine Mutter jedoch ließ mich unter diesen Umständen nicht zum Praktikum und machte mir einen Termin beim Arzt klar. So legte ich mich wieder ins Bett und schaute zum "wieder einschlafen" Alien 2. Heute kann ich darüber zum Glück darüber lachen, damals allerdings machte ich den Film schnell wieder aus, mit starken Schmerzen in der Brust ist es nicht schön mit anzusehen wie die Aliens aus dem Brustkorb brechen. Ich schlief wieder ein, allerdings wurdei ch durch mein Handy geweckt. Ich hatte genau 10 min Zeit um zum Arzt zu kommen. Ihr könnt euch sicher vorstellen das ich mit dem Fahhrad nicht sehr schnell unterwegs war und nur am schnaufen war. Somit verpasste ich den Arzt und musste zum ärztlichen Notdienst. Nach einer Std Wartezeit durfte ich mit der Diagnose wieder gehen, das meine Mandeln nicht enzündet seien. Ich verpasste, wie könnte es an so einem Tag anders sein, den Bus und musste laufen. Als ich versuchte zu Rennen musste ich instinktiv nach 5 Schritten stehen bleiben und griff mir an die Brust. Ich hatte das Gefühl als würde etwas wackeln, so blöd das auch klingt. Jetzt wurde mir klar das ich nichts gewöhnliches habe. Nachdem ich nach einer gefühlten Ewigkeit und inzwischen einer ordentlichen Portion Angst zu Hause ankam, rief ich umgehend meinen Vater an, der etwa 400 km entfernt wohnt, allerdings Radiologe ist und mir bestimmt weiterhelfen kann. Er riet mir mich sofort ins Krankenhaus zu begeben und mich einmal Röntgen zu lassen. Meine Mutter fuhr mich dorthin und war ebenfalls der festen Überzeugung, mit mir auch wieder gehen zu dürfen. Ich habe das natürlich auch gehofft, schließlich waren es inzwischen nur noch etwa 9 Std bis zu meinem 18 Geburtstag. Was folgte war eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. Mit einem Spannungspneu auf der rechten Seite wurde ich sofort Operiert, allerdings nur unter örtlicher Betäubung. Schon ein mieses Gefühl, wenn man spürt wie einem die Rippen auseinandergedrückt werden. Es folgte ein Schockzustand, in dem ich kaum registrierte was passiert. Innerhalb einer Std war fast die gesamte Familie anwesend. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen meine Freunde anrufen zu dürfen und ihnen mitzuteilen, das die Geburtstagsfeier nicht stattfinden kann. Gegen Ende des Tages bat ich den Arzt zu mir, um mir unter 4 Augen sagen zu können was passiert wäre, hätte ich dennoch in meinen Geburtstag reingefeiert. Als Antwort durfte ich mir die Frage stellen, ob vor, oder nach Mitternacht...

Ich werde hier innerhalb der nächsten Tage weiterschreiben, es werden der 2 Pneu im KH sowie die Op folgen.

Was ich aber schon jetzt vorweg nehmen möchte...

Ich fahre leidenschaftlich gerne Kart, und hatte unheimlich Angst davor nicht mehr bzw nicht mehr auf meinem alten Niveau fahren zu können. Jetzt, ein Jahr später kann ich euch folgendes sagen:

Ich kann absolut wieder so fahren wie früher, vielleicht sogar etwas besser. Selbstverständlich hört man ein wenig genauer auf seinen Körper, aber ansonsten sind für mich nur das Rauchen, welches ich vorher nur sehr selten gemacht habe, sowie das Tauchen, was ich auch nie vorhatte, gestorben.

Ich möchte allen die davon betroffen, sowie denen deren Angehörige und Freunde davon betroffen waren oder sind, Mut zusprechen. Lasst euch nicht unterbuttern oder von der ständigen Angst vor einem erneuten Pneu verrückt machen, versucht einfach weiterzumachen wie zuvor und ihr werdet sehn ... es lebt sich mit einer positiven Einstellung direkt viel angenehmer.

Viele Grüße

Cali
Der schnellste Pneupatient der Welt =)

Laser
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Re: EB - Schicksal? ...

Beitragvon Laser » Dienstag 13. April 2010, 23:07

Hallo Cali,

willkommen im Club, :)
keine angenehme Geschichte.
Zum Glück wurde dein Spannungspenu noch rechtzeitig behandelt, damit ist nicht su Spaßen.
Das du ins KH gehst, starke Brustschmerzen und Hustenanfälle hast, schwer Atmen kannst und die dich dann Heim schicken mit der Diagnose - die Mandeln wären nicht entzündet - Unglaublich einfach !! Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Zum Glück ist dein Vater Radiologe und hat dich gleich zum Röntgen geschickt.
Er hatte sich wahrscheinlich schon gedacht was du vielleicht haben könntest.

Alles Gute
Gruß

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Cali
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Re: EB - Schicksal? ...

Beitragvon Cali » Freitag 28. Mai 2010, 01:09

... und weiter gehts, es ist inzwischen Nacht geworden und ich habe ordentlich Schmerzmittel bekommen. Ein Grund mehr niemals zu Drogen zu greifen, ich hatte noch nie so nen Rausch ... Ging dann soweit, das ich genau um 0 Uhr anfing "Happy Birthday" zu singen, weil hey, ich war ja grade 18 geworden ... Meine Zimmerkollegen fanden das allerdings nicht so lustig und informierten den Nachtdienst, welcher mich freundlich davon überzeugen konnte mit dem Singen aufzuhören. Die Schmerzen waren so gut wie weg, mir gings gut, wenn man mal davon absieht das ich die ganze Nacht lang Ärzte und Lichter im Zimmer gesehen hab, die eigentlich gar nicht da waren.

Immerhin holte Sebastian Vettel an meinem Geburtstag seine 2 Pole-Position, wenigstens etwas worüber man sich freuen konnte. Am Tag darauf folgte auch der Sieg, es ging auch mit der Beweglichkeit wieder bergauf, ich konnte sogar wieder das Essen schneiden.

Am 4 Tag gings ab ins CT, man konnte mir die gute Nachricht übermitteln, ich hätte keine "Lungenbläschen" und es werde in 2 Tagen die Drainage gezogen. Soweit so gut, oder auch nicht, den 2 Std ohne Drainage reichten aus um die Lunge erneut kollabieren zu lassen. Ich riss mich so gut es ging zusammen, ließ mich erneut operieren. Doch dannach hielt mich für die nächsten Minuten nichts mehr, da war ich mit den Nerven gaaaaaaaanz unten. 2 Tage flach, und das warten auf die nun unvermeidbare OP. Die dauerte deutlich länger als geplant, verlief aber dennoch gut. Ich dachte zwar im ersten Moment als ich aufwachte, ich sei im Leichenschauhaus gelandet, aber zum Glück kamen innerhalb von Sekunden alle Erinnerungen wieder zurück.

Ich find an das ganze immer positiver zu nehmen, mehr aus eigennutzen, aber immerhin, so schaute ich den ganzen Tag DVD's, futterte Pizza oder Cheesburger oder hatte spaßige Auseinandersetzungen mit den Krankenschwestern.

5 Tage später wird die Drainage gezogen, einen Tag zuvor abgeklemmt. Auf dem Weg in die Chirugie fuhren wir an einer Gruppe von Grundschülern vorbei, die etwas entsetzt aus der Wäsche schauten als sie mich sahen. Natürlich tat ich ganz glücklich und grinste "Ach, mir gehts gut, das sieht nur schlimm aus, tut aber gar nicht weh..." Ne, überhaupt nicht, beim ziehen der Drainage dachte ich mir wird gleich die gesamte Lunge mit hinausgezogen. Das war unerwartet und echt heftig, aber zum Glück hatte ich es hinter mir. Die letzten Kontrollen, ein paar Tage warten, Fäden ziehen ... und ich war endlich raus, raus aus dem Krankenhaus, raus aus diesem Alptraum. Nach 17 Tagen konnte ich wieder nach Hause.

Was ist geblieben?

Ich konnte das 77 Std Weltrekord Kartrennen nicht mitfahren, ich verlor eine Kartmeisterschaft, die ich zuvor souverän anführte, am Ende des Jahres mit lächerlichen 2 Pkt Abstand, bedingt durch den mehrmonatigen Ausfall. Meinen Führerschein erhielt ich stark zeitverzögert.

Allerdings habe ich auch gelernt, das positive aus den Dingen zu sehen, selbst wenn es noch so gering ist. Die Narben gehören nun einfach zu mir, gelegentlich zwickt es mal in der Brust, an einer Stelle ist sie etwas "taub" und ich bin sehr wetterfühlig geworden. Trotzdem hält es mich nicht davon ab, wieder so Kart zu fahren wie früher, mich beim Sport genauso reinzuhängen wie früher und so zu Leben wie früher.

Das wäre es, ich beantworte auch gerne alle Art von Fragen ;)

Schöne Grüße

Cali
Der schnellste Pneupatient der Welt =)

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Re: EB - Schicksal? ...

Beitragvon alexander_k » Samstag 29. Mai 2010, 11:51

Hi Cali,

deine Story hört sich auch net schön an. Kommt schon schwer an meiner ran :D:D:D

Ich habe den 18 Geburtstag von m. kl. Bruder verpasst da ich im Krankenhaus am Pneu operiert wurde. Ich geb zu, nicht soooo schlimm als sein eig. 18 im KH zu liegen. Mein Beileid an dieser Stelle :roll:

Bei Dir waren es keine bullae also Bläschen die deinen Spannungspneu ausgelöst haben ? Weiss man wodurch er bei dir hervorgeufen wurde der böse böse Pneu :shock:

Alles gute.


Liebe Grüsse
Alexander
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Re: EB - Schicksal? ...

Beitragvon Cali » Samstag 29. Mai 2010, 13:32

Hi Alex,

Nein, ich habe keine ahnung woher das bei mir kam. Ein Kartunfall oder ähnliche Erschütterungen kommen auch nicht in Frage, weil ich in der Woche davor nichts gemacht habe.

Der Arzt meinte, das es am wahrscheinlichsten ist, das ich durch mein schnelles Wachstum (war mi 15 1,50m groß, mit 18 1,80m) den Pneu verursacht habe, da kam die Lunge anscheinend nicht ganz mit. Ja, und wenn der Spontanpneu ne weile nicht behandelt wird, kann daraus ein Spannungspneu resultieren.

Das ist die, auch für mich, logischste Erklärung des ganzen.
Der schnellste Pneupatient der Welt =)

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Re: EB - Schicksal? ...

Beitragvon Bert » Sonntag 30. Mai 2010, 22:39

Hi Cali,

ja das mit dem Wachstum kenne ich auch, bin auch ziemlich schnell ziemlich gross geworden, allerdings hatte ich meinen Pneu erst mit 39.
Allerdings finde ich deine positive Einstellung sehr vorteilhaft, das schafft nicht jeder, also immer weiterhin positiv denken und gute Besserung(falls du das überhaupt brauchst :lol: )

LG bert :mrgreen:
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Re: EB - Schicksal? ...

Beitragvon Cali » Montag 31. Mai 2010, 00:41

Hi Bert,

ich denke ein Jahr später sollte alles soweit sein das es keiner Besserung mehr bedarf ;)

Und ich denke, wenn man genauer hinschaut erkennt man auch positive Seiten daran, auch wenn die negativen natürlich überwiegen.

Deshalb bin ich der Meinung es lässt sich auch jetzt noch prima leben, denn Krebs oder ähnliche Sachen schätze ich deutlich schlimmer ein als einen Pneu ;)

Viele Grüße

Cali
Der schnellste Pneupatient der Welt =)


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