EB - Und es kam völlig unerwartet..

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EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon dNx » Freitag 20. Januar 2012, 07:13

Hey Folks,

da mein Spontanpneumothorax exakt ein halbes Jahr her ist, möchte ich das hier mit Leuten, die das gleiche durchgemacht haben oder gerade dabei sind ( :/ ), aufarbeiten und hoffentlich abschließen können.

Fangen wir also an:

Mein Name ist Tobias, ich bin 22 Jahre alt, war bis dato starker Raucher und das ist meine Geschichte.

Mein Spontanpneumothorax ereignete sich am 18.06.2011 um ~1 Uhr. Ich war in meiner Lieblingskneipe bei einem Live-Konzert. Der Sound war ziemlich schlecht abgemischt und viel zu basslastig. Allzubald merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Ich bekam nur schwer Luft und hatte ein seltsames Ziehen in der linken Oberkörperhälfte. Ich ging also nach draußen, vielleicht war es nur temporär und schnell wieder vorbei, aber ich sollte mich täuschen.

Nachdem es sich nicht schnell wieder besserte, beschloss ich mit einer Freundin in ein nahe gelegenes Krankenhaus zu fahren (ja, ich bin auch noch selbst gefahren o0).

Die Nachtschwester schaute mich nur komisch an, als ich über einseitige Schmerzen und Atemnot klagte, und hätte mich auch fast wieder weggeschickt, wohl nur ein Nerv eingeklemmt. Letztendlich schickte sie mich doch zum Röntgen. Ergebnis: Pneu links.

So wurde mir schnellstmöglich bei vollem Bewusstsein eine "Drainage" gelegt (eigentlich nur eine Nadel mit Beutel dran). Die lokale Anästhäsie war die Hölle, weil der diensthabende Chirurg wohl nichts von der menschlichen Anatomie verstand, aber hauptsache er haut mir die Spritze voll in die Rippe (und ich meine auf den Knochen, nicht in das Gewebe!).

Zum Glück hab ich dann auch ein Schlafmittel bekommen und bin in der Hoffnung eingeschlafen, dass ich nach ein paar Tagen wieder rauskomme. Ich selbst hatte bis dahin nicht einmal zu Träumen gewagt, dass es so ein Krankheitsbild überhaupt gibt. Ich wurde eines besseren belehrt, und das auf ziemlich schlimme Weise.

So lag ich also ein paar Tage (fast eine Woche, bis 23.06.) in diesem ersten Krankenhaus, wo scheinbar alle wussten wie ein Pneu zu behandeln war, aber irgendwie es niemand richtig gemacht hat. Nachts konnte ich kaum schlafen, da der Lärm der Bahn/Straße anbei viel zu laut war, oder ich schnarchende Zimmergenossen hatte. Einzig das Essen und die Schwestern waren zu meinem vollsten Geschmack. ;>
Auf meine Frage wann ich dann wieder raus komme verströsteten mich alle auf "Ende der Woche".
Da sich aber nichts besserte und ich auch nach mehreren Drainagen* immer noch eine nur halb entfaltete Lunge hatte, wurde ich gottseidank nach Bonn ins Malteser Krankenhaus verlegt.

(*: die provisorische "Drainage" in der Notaufnahme wurde am nächsten Tag durch eine 20er ersetzt. Diese brachte allerdings auch nichts. Also hat der "Chefarzt" nach 2 Tagen eine 3-5er gelegt, totaler Schwachsinn.. diese ist natürlich sofort verklebt.)

In Bonn wurde auch erst eine neue 20er gelegt, in der Hoffnung, dass mit der richtigen Positionierung (da die im ersten Krankenhaus total falsch lagen) alles getan sei. Nach 4 Tagen zeigte sich allerdings immer noch keine Besserung und das Personal kam zu dem Schluss (nach CT und allem pipapo), dass nur eine Lungenspitzenresektion mit Talkum-Pleurodese helfen wird. (Es sei angemerkt, dass ich von Geburt an beidseits große Bullae in den Spitzen habe. "Gottseidank" ist nur eine Seite "geplatzt".)
Kurzum wurde ich operiert (28.06.). Das ganze Verlief nahezu komplikationslos. Bis auf einen kleinen Vorfall, den ich gleich noch näher erläutere.

Ich wurde also in den OP gefahren, leicht nervös. Aber soweit alles okay, mir wurde nur vorgehalten, dass ich nach dem Aufwachen total schwachsinniges Zeug erzählt haben soll. Damn you, Narkose!!! :>
Nach ein paar Stunden auf meinen Zimmer durfte ich auch wieder was trinken und musste auch bald auf's WC. Und hier passierte das, was ich in meinem jungen Leben als die bisher grausamste Erfahrung beschreiben darf: ich sollte aufstehen und auf die Toilette gehen. Allein beim Aufrichten und Aufsetzen auf die Bettkante blieb mir die Luft weg und mir wurde schwarz vor Augen. Quasi vom nichts tun. Im nachhinein ist mir klar, dass das nach einer Lungen-OP normal ist. Allerdings will ich sowas nie wieder erleben..

Die Heilung verlief soweit ganz gut. Die 2 Schläuche in meiner Brust sahen zwar schmerzhaft aus, aber dank der guten Medikation spürte ich nichts davon.

Gut eine Woche nach der OP (04.07.) wurde ich testweise von der Pumpe abgeklemmt. Ich sollte also bald nach Hause. \m/
Doch in der Nacht passierte es: ein reißen in der Thorax. Leichtsinnigerweise schlief ich die Nacht ohne den Schwestern was zu sagen. Am nächsten Morgen beim Kontrollröntgen bestätigte sich mein Verdacht: Pneu, trotz OP und Pleurodese. o0

Psyschisch "leicht" angeschlagen verfluchte ich mein Leben, und fragte mich warum das ausgerechnet mir passiert. Aber alles passiert aus einem guten Grund..

Am 07.07. bekam ich dann eine neue "hightech"-Pumpe, die den Drain und alles mögliche überwacht. Mir wurde erklärt wie das alles funktioniert und so konnte ich selbst prüfen, ob "ich noch ganz dicht" war. ;> Glücklicherweise kein weiterer Vorfall.

So ging meine Genesung weiter voran, ohne weitere Vorfälle. Und am 13.07. konnte ich endlich entlassen werden. Nach fast 4 Wochen Krankenhaus..

Doch trotz Entlassung, Nachuntersuchung am 27.07. (alles super) und einiger weiterer Kontrollröntgen-Aufnahmen beschäftigt mich das Thema bis heute.

Bei jedem Ziehen, Stechen oder sonstigem komischen Gefühl hab ich direkt wieder Angst, dass es mich wieder erwischt hat. Doch bisher immer nur falscher Alarm. Das wird mich wohl noch einige Zeit (wenn nicht sogar mein Leben lang) begleiten..


Das ist meine Geschichte.

An dieser Stelle möchte ich all' meinen Freunden und meiner Familie für den Beistand danken. Ganz oben aber meiner Mutter, die jeden Tag da war, über 400 Euro an Sprit verfahren hat, und ihre Geduld bei Skippo (tolles Kartenspiel!), wo ich immer gewonnen hab!

Dankbar bin ich auch dafür, dass ich dadurch wieder engeren Kontakt zu meiner Tante habe (und auch dafür, dass sie mir Zeug von Mces mitgebracht hat). <3

Ganz besonders dankbar bin ich dafür, dass ich dadurch das Rauchen aufgeben konnte und seitdem generell viel gesünder lebe. Ist es nicht einfach viel zu kostbar, das Leben?!


Ich danke schonmal im vornherein für eure Anteilnahme und aufmunternden Worte. Ich weiß es zu schätzen!


Tobias <3

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon Laser » Freitag 20. Januar 2012, 11:08

Hallo Tobias,

weiterhin Gute Besserung. Mit der Zeit wird man auch immer mehr Abstand zu dem ganzen gewinnen können.
Du/bzw. deine Eltern wussten schon seit deiner Geburt das du Bullae an der Lungenspitze hast?

Viele Grüße

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon dNx » Freitag 20. Januar 2012, 15:51

Hey,

hoffentlich. Es ist doch recht unangenehm wenn man z.B. in der Uni sitzt oder auf einer Party ist und es wieder zu ziehen beginnt. Da kommt immer recht schnell Panik auf und man schaut wie man im Falle des Falles ins Krankenhaus kommt.

Nein, das zeigte sich konkret erst nach der CT. Allerdings hatte ich als Kind öfter Lungenbeschwerden und es wurde von den Ärzten geraten öfters an die Ostsee zu fahren, wegen der guten Luft dort. Ich glaub sogar eine chronische Bronchitis gehabt zu haben, und musste öfter in einem Raum mit "besonderer Luft" sitzen, aber da frag ich lieber nochmal meine Eltern, dafür ist das schon zu lange her.

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon Laser » Freitag 20. Januar 2012, 15:58

Hallo Tobias,

dann hast du schon länger zu kämpfen mit Lungenprobleme. Bei mir wurden auch Bullae (Blebs) an der Lungenspritze im CT gesehen. Man konnte mir aber nicht sagen ob ich die seit der Geburt habe oder ob die sich mit der Zeit entwickelt haben. Ich denke aber persönlich das letzteres wahrscheinlicher ist.

Gruß

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon dNx » Mittwoch 25. Januar 2012, 05:55

Stellt sich die Frage, wie sich die Veränderung an den Spitzen ergibt? Nur durch's Rauchen möchte ich vorsichtig ausschließen..

Ich hoffe, dass ich bald zu einem "normalem" Leben zurückkehren kann. Im Moment fühl ich mich noch sehr eingeschränkt. Auch wenn ich mir geschworen hab Sport zu machen, traue ich mich noch nicht. Auch ganz banale Sachen, wie z.B. auf der operierten Seite liegen, trau ich mir nicht zu..

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon Cali » Mittwoch 25. Januar 2012, 17:50

Hi Tobias,

was die Liegeposition beim schlafen angeht, bei mir hat es beim ersten Pneu geholfen mich langsam vorzutasten. Ich hab bis dahin eigentlich nie auf dem Rücken geschlafen, musste das aber im Krankenhaus und auch die erste Zeit Zuhause. Dann hab ich angefangen ab und zu auf der "gesunden" Seite zu liegen, von da dann nach einer weile auf den Bauch ... Und irdendwann ging es auch schmerzfrei auf der operierten Seite.

Die Liegeposition ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber ich bin mir sicher es wäre ein guter Schritt der dir die Angst etwas nehmen kann.

Grüße

Cali
Der schnellste Pneupatient der Welt =)

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon dNx » Donnerstag 26. Januar 2012, 02:00

Hey,

danke für die aufmunternden Worte. Dich hat es ja auch schwer erwischt. Gute Besserung weiterhin.

Ab und zu versuch ich es schon, meist allerdings erfolglos, weil ich nicht immer eine bequeme Position finden kann (unter anderem auch bedingt durch einen hervorstehenden Rippenbogen auf der operierten Seite).

Wenn ich bei meinen Eltern bin klappt es wesentlich besser, liegt wohl an der weicheren Matratze die das Bett hat, wo ich dort nächtige. Vllt muss ich für mein eigenes Bett lediglich eine neue kaufen, evtl bringt es ja was.

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Re: EB - Und es kam völlig unerwartet..

Beitragvon dNx » Sonntag 22. Juli 2012, 01:18

Hey Folks,

über ein Jahr ist mein Pneu jetzt schon her und seit Anfang des Jahres hat sich bei mir viel getan.

Die Angst ist größtenteils komplett weg. Klar, manchmal wenn es wieder zieht (auch wenn das fast garnicht mehr passiert) macht man sich immer noch seine Gedanken, aber das ist nach ein paar Sekunden auch schnell wieder weg.

Die körperlichen Beschwerden sind zu 99% beseitigt und ich fühle mich wieder so wie vor der ganzen Sache.

Mittlerweile hab ich auch mit Krafttraining angefangen, natürlich langsam steigernd. Bisher keine Probleme, und das Auspowern tut sogar richtig gut und das Vertrauen in den eigenen Körper steigt enorm.

Alles in allem hat der Pneu mein Leben positiv verändert: das Rauchen aufgegeben, gesund Leben, Sport machen, jeden Tag vollkommen auskosten.

Jedem, dem das Gleiche passiert ist, möchte ich an's Herz legen, sich einfach die Zeit zu geben und sein Leben (evtl.) in einigen Bereichen neu anzufangen. Klar sind die ersten Wochen und Monate nicht gerade leicht und man verzweifelt auch gerne mal, aber(!) das geht vorbei. Und rückblickend lernt man das Leben um einiges mehr zu schätzen.


In diesem Sinne,

Peace und Liebe. <3


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