EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

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EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon DieMiri » Mittwoch 31. August 2011, 17:36

Hallo Zusammen,

ich hatte am 10. Juli 2011 einen beidseitigen Spontanpneumothorax. Am besten fange ich mal ganz vorne an :) . Nachdem Frühstück hatte ich Rückenschmerzen und ein leichtes Stechen in der rechten Brust.
Nach ca. einer Stunde bin ich zum Arzt gegangen, weil mir das komisch vorkam.
Der Arzt hat mich eingerenkt und abgeklopft, sowie abgehört. Er konnte dabei nichts ungewöhnlich feststellen. Er meinte, ich sollte zwei Ibuprophen 400 nehmen, dann würde es besser, wenn nicht, sollte ich Abends wiederkommen. Nach der Einnahme wurde es tatsächlich besser und ich konnte meinen Urlaub an der Nordsee fortsetzen. Am Mittag gingen wir zum Strand, spielten Volleyball und Federball. Nach dem Abendbrot kamen meine Schmerzen zurück, so dass ich nochmal die Ambulanz auf dem Campingplatz aufsuchte. Der Arzt war leider nicht mehr vor Ort, sondern nur ein Sanitäter, der zur Sicherheit einen Krankenwagen rief. Als dieser eintraf ging es mir noch recht gut (keinerlei Atemnot) und die Sanitäter beschlossen mich nur zur Sicherheit im Krankenhaus zu röntgen. Die Fahrt ins Krankenhaus dauerte ca. 30 Minuten. Im Krankenwagen habe ich erstmal zur Sicherheit Sauerstoff bekommen. Die Sanitäter waren der Ansicht, dass ich Hyperventiliere und gaben mir eine Art Tüte, in die ich Atmen sollte. Nachdem mir schwarz vor Augen wurde, gaben Sie mir lieber mal wieder Sauerstoff. Nach ca 20 Minuten wurde meine Atemnot doch recht akut und ich sagte, dass ich keine Luft mehr bekomme. Nach einer langen Fahrt ohne Sirene oder Blaulicht kam ich endlich am Krankenhaus an. Gott sei Dank erkannten die Ärzte dort sofort, dass es Ernst ist und holten mich bereits an der Tür ab. Ich wurde geröngt. Plötzlich fingen die Schwester und die Röntgenschwester an wie wild zu tuscheln. Die Schwestern rannten mit mir (ich saß oben ohne auf einer Liege) zurück in die Notaufnahme in den Schock Raum. Sofort kam eine Schwester mit einem OP Kittel auf mich zu und zog ihn mir an. Ich fragte, was los sei. Sie antwortete, dass bespricht gleich die Ärtztin mit mir. Ich fragte wofür der Kittel sei. Sie meinte nur, ob ich denn oben ohne vor allen sitzen bleiben wolle?! Die Ärtztin kam mit einem Mann in blau und einem in Jeans und T-Shirt. Sie erklärten mir, dass meine Lungen kollabiert sind. Sie müssen Drainagen legen, wegen der Luft in meinem Brustkorb. Ein paar Sekunden später war ich auch schon im OP. Wie sich rausstellte war der Mann in T-Shirt und Jeans der Chirurg, der eigentlich schon Feierabend hatte. Er gab mir eine örtliche Beteubung und fing sofort an die Drainagen zu legen. Dazu musste er erstmal einen kleinen Schnitt machen. Ich schrie, dass ich Schmerzen habe und das ich das merke und mir das weh tut. Er sagte, dass er leider nicht warten kann, bis die Betäubung wirkt. Außerdem besteht hier akute Lebensgefahr. Bitte halten Sie still. Dazu muss man sagen, dass ich nur noch nach vorne gebeugt sitzen konnte und so habe ich auch beide Drainagen bekommen. Die zweite Gott sei Dank wenigstens mit örtlicher Betäubung. Nach dem Eingriff musste ich sofort wieder zum rötgen. Die Drainagen saßen gut. Ich wurde auf die Intensivstation gelegt und bekam Opium wegen der starken Schmerzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Sog, nur ein Wasserschloss und der Überdruck ging nur durch mein Husten aus den Drainagen. Zwei Tage später wurde ich mit einem Krankenwagen in meine Heimat nach Bochum verlegt. Dort wurde sofort die Technik gegen neuere ausgetauscht und ich wurde an einen Sog angeschlossen. Ich lag eine Woche auf der Intensivstation, denn solange dauerte es, bis sich meine Lungen endlich komplett entfaltet haben. Im CT stellte man eine Lungenblase aber nur an der rechten Seite fest. Nachdem sich meine Lungen entfaltet hatten wurde ich endlich auf eine normale Station verlegt. Dort wurde nach weiteren zwei Tagen die erste Drainage abgeklemmt und gezogen. Direkt danach wurde die zweite abgeklemmt und einen Tag später gezogen. Nach zwei Wochen wurde ich endlich entlassen :-). Einen Monat später, am 22. August 2011 war die Kontrolluntersuchung - Röntgen und Lungenfunktionstest. Alles ok. Ab und zu tut mein Rücken nochmal etwas weh oder es zwickt im Brustkorb, aber das geht immer wieder weg.

Klar habe ich zwischendurch echt Panikanfälle, dass es wiederkommen könnte. Alle bekannten Krankheiten wurden bei mir ausgeschlossen. Ich rauche seit 2 Jahre nicht mehr und bin jetzt 22 Jahre alt, recht klein (1,60m) , normal gebaut (62kg). Ich muss auch ständig tief atmen um zu gucken, ob es noch geht...

Fliegen finde ich eh nicht so toll und kann da gerne drauf verzichten, genau wie tauchen.
Aber was ist mit reisen ins Ausland? Ich hab ja immer Angst, dass sowas dort passieren könnte? :(
Hat jemand bereits Erfahrungen mit Kliniken im Ausland gemacht? Wie geht Ihr damit um?
Wann kann ich wieder mit Sport anfangen? Was kann ich für Sport machen.
Wie kann ich einen erneuten Pneu vorbeugen?

Gut das die Warscheinlichkeit, erneut einen beidseitigen Pneu zu bekommen geringer ist, als im Lotto zu gewinnen :-)

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon Laser » Mittwoch 31. August 2011, 20:11

Hallo Miri,

erstmal willkommen im Club dem keiner eigentlich beitreten möchte.
Das stelle ich mir sehr sehr schmerzhaft vor eine Drainage wo die Betäubung nicht wirkt, wo ich das gelesen habe, habe ich erstmal Gänsehaut bekommen. Aber zum Glück hast du alles gut überstanden.

Ich würde dir empfehlen vor Reisen ins Ausland dich zu informieren was für Krankenhäuser es da gibt und wo du notfalls hingehen müsstest mit einem Pneu. Eine Auslandskrankenversicherung wäre da sehr zu empfehlen, kostet nicht viel.
Eine genaue Aussage über Schonzeiten kann man nicht genau machen, da sich die Ärzte da auch nicht wirklich einig sind. Die empfohlenen Schonzeiten der Ärzte - wirst du auch hier im forum oft treffen - fangen irgendwo bei 3 - 4 Wochen an und gehen bis 6 Monate oder länger. Da würde ich dir empfehlen dein Arzt da gezielt zu fragen was er die empfiehlt, da er deine Situation am besten kennt.

Viele Grüße und Gute Besserung

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon DieMiri » Donnerstag 1. September 2011, 12:41

Vielen Dank :-) Das Krankenhaus hat mir 4 Wochen Schonzeit verordnet. Ich bin aber bereits zwei Wochen nach der Entlassung wieder arbeiten gegangen. Ich sitz aber auch nur vor dem PC und habe keinen körperlichen Job.

Ich hoffe das es so schnell nicht wieder passiert, weil beim nächsten Mal soll ich auch direkt operiert werden, so das es dann nicht mehr passieren kann. ( Lunge wird dabei mit dem Rippenfell verklebt, indem dieses verletzt wird?! )

Hat denn schon jemand Erfahrugen mit der Lungenklinik Bergmannsheil in Bochum?

Liebe Grüße :-)

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon Schatzmeister » Donnerstag 8. September 2011, 19:42

Hallo,

ich hatte 3 x innerhalb von 3 Wochen einen Pneumothorax und als sich
die linke Lunke nicht mehr entfaltete entschloss die Uni sich
zu einer OP mit teilentfernung der Lunge, dass war im Mai 2011,
seitem bin ich Zuhause und nicht arbeitsfähig.

Auch eine Reha wurde mir vor einigen Tagen abgelehnt siehe hier: http://www.spontanpneumothorax.de/viewtopic.php?f=1&t=2456

Grüße Jörg
Vergesse niemals, dass auf der anderen Seite auch ein Mensch sitzt!

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon Pretenama » Mittwoch 12. Oktober 2011, 23:05

Das hört sich ja nicht schön an. Die ganze Tortur auf beiden seiten und dann auch noch ohne betäubung selbst mit ist es diehölle!
Ich wrde im agust operiert und mitlerweile gehts wieder recht gut. fange diese woche wieder mit leichten sport an also schwimmen.
urlaub sieht bei mir jetzt in sofern was besser aus, weil ich nun relativ sicher bin, das zumindest auf der operierten seite wahrscheinlich nichts passiert. Mein arzt, Facharzt Lungenklinik, meinte, dass urlaub überall hin ok ist wo die Kh in ordnung sind. das sagte er allerdings 4 wochen nachdem ich nen pneu bekommen hatte und noch nicht operiert wrde UND noch rest luft in der lunge hatte. Er fand es also garnicht schlimm.
Ich bin zu dem entschluss gekommen mich nicht von dieser krankheit so stark beeinflussen zu lassen!
lg Pretenama

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon DieMiri » Montag 16. Januar 2012, 10:55

Hallo Zusammen,

ich lese hier immer so viele schlimme Erfahrungsberichte :shock: aber ich bin mir sehr sicher, dass die meisten, die die Krankheit überwunden haben dieses Forum nicht so häufig besuchen wie diejenigen, die immer noch mit Pneus kämpfen. Also wollte ich mal in meinem Erfahrungsberichten schreiben, wie mein Leben nach dem beidseitigenSpontanpneu bisher verlaufen ist:

- Ca einen Monat nach dem Ereignis bin ich wieder normal arbeiten gegangen (Bürojob)
- Seit November (also ca. 3-4 Monate danach) habe ich angefangen wieder Sport zu treiben (Ausdauer und Kraftsport)

Mein Doppelpneu war im Juli 2011 - und nun haben wir Januar und ich bin wirklich sehr glücklich, dass bis jetzt nichts passiert ist. So viele Menschen (auch meine Ärzte) haben mir Angst gemacht, dass das ohne OP bestimmt schnell wieder passieren wird, aber ich hoffe das sie sich irren. Im Juli habe ich ein Kontrolltermin fürs CT. Bei meinem letzten CT im Juli 2011 war an der rechten Lunge nur eine kleine Lungenblase zu erkennen, was nicht unbedingt schlimm sein muss.

So nun mal zu der aktuellen Situation:
-Manchmal habe ich leichte Schmerzen in der Brust, die verschwinden aber meistens recht schnell wieder (2-3 Min). Ich kann mich dann auch prima Aufregen und zu oft zu tief einatmen, dann dauert es etwas länger bis die Schmerzen wieder weggehen, aber das ist wohl die Panik hehe.
Ich habe das Gefühl, dass es am schlimmsten ist, wenn das Wetter umschwingt, aber vielleicht irre ich mich auch. Jedenfalls kann ich mit der aktuellen Situation gut leben und ich bin zuversichtlich das es auch gut bleibt. Ich bin ja auch nicht grad der typische Pneu Patient (weiblich, 1,60m, 55 kg, Nichtraucher). Aber vorsichtshalber werde ich mit einem Auslandsurlaub auf meinen Kontrolltermin warten.

Vielleicht konnte ich einen Paar Lesern damit Mut machen, dass man auch einen Doppelpneu gut überstehen kann und danach normal weiterleben kann ;-)

Falls ihr irgendwelche Fragen habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren.

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon DieMiri » Montag 13. August 2012, 11:47

So nochmal ein kurzer Bericht. Ich war vor einem Monat zum Kontroll-CT. Ich habe ein paar Veränderungen oberhalb der Lungen, aber nichts schlimmes.
Bisher halten meine Lungen also nun schon über ein Jahr und das ohne OP!
Die Beschwerden haben auch komplett nachgelassen. Ich hatte einige Monate nach dem Pneu Schmerzen im Bereich der Lunge, aber diese sind nun schon seit einigen Monaten weg :-)
Mittlerweile mache ich auch wieder regelmäßig Sport ...

Lieben Gruß Miri :D

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Re: EB - Beidseitiger Spontanpneumothorax

Beitragvon eve » Montag 13. August 2012, 16:39

Hallo DieMiri

freut mich, dass es dir wieder so gut geht und ich halte dir die Daumen, dass es auch weiterhin so bleibt.

Das Forum braucht Leute, denen es wieder besser geht, aber eben...wie du selber sagst, die, denen es wieder gut geht, leben wieder ihr Leben und das ist auch gut so.
lg
eve


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