EB 2x Spontanpneumothorax

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Wilma
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EB 2x Spontanpneumothorax

Beitragvon Wilma » Dienstag 15. September 2009, 21:06

Hallo,

Einige Parallelen zu einigen Usern konnte ich feststellen:
Ich bin 1,60 m und wiege ca. 50 kg, manchmal auch weniger. Obwohl ich keine Diäten halte.
Wie sagte der Arzt zu mir, auf die Frage, Warum? das ist Typbedingt.

Ich habe erstmalig im August 1999 meinen ersten Pneu bekommen.
Hatte seitlich, links Schmerzen. Auch ich dachte mir. dass ich mir einen Nerv geklemmt hätte.
Ich ging zum Arzt, der wiederum konnte nichts feststellen (ich bin zu dünn, daher hört man die rechte Lunge arbeiten und denkt, es wäre die Linke). Als Arzt sollte man soetwas, meiner Meinung nach, aber bedenken. Wie auch immer. Ich wurde nach Hause geschickt mit dem Hinweis, gefälligst Sport zu treiben, angeblich würden dann meiner Beschwerden verschwinden. Innerhalb einer Woche ging ich immer wieder zu ihm. Ich kam mir vor wie ein Hypochonder. Also machte ich mich auf dem Weg zu einem weiteren Arzt. Auch dieser meinte: "Ist nichts". Ich spürte jedoch, dass etwas nicht stimmen kann.

Sonntags fuhr ich dann alleine ins Krankenhaus. Dort schilderte ich mein Problem und bekam zur Antwort:
"Ich kann Sie nicht krank schreiben, Sie haben nichts". Ich war ziemlich sauer und sagte: "Ich will keine Krankmeldung, ich will, dass Sie mich von den Schmerzen befreien. Beim Atmen spüre ich eine komische Leere". Daraufhin die Ärztin erbost: "Wenn Sie denken, dann machen wir eben eine Röntgenaufnahme Ihrer Lunge." Ich dachte mir: "Na, Hauptsache es bringt was."

Die Bilder wurden gemacht und ich wartete, immer wieder spukte mir im Kopf herum: "Warum glaubt mir keiner, wieso denken alle, ich würde mir das einbilden? Und das mit der Krankmeldung war ja auch die Krönung."

Plötzlich rief mich die Ärztin rein: "Pneumothorax haben Sie". Ich dachte: "Was ist das? Aber immerhin hat das was ich habe einen Namen. Jetzt wird mir doch endlich geholfen und meine Schmerzen werde ich hoffentlich bald wieder los.

Die Ärztin hat kurz erklärt was das ist. Natürlich habe ich nichts gecheckt. Ich habe nur etwas verstanden, von wegen Lunge und Luft, die raus muss. In der Lunge muss doch Luft sein, dachte ich, was meint sie?
Aber was solls, meine Schmerzen sind bald weg, ging mir durch den Kopf..

Ich wollte kurz nach Hause fahren und sagte, dass ich gleich wieder zurück kommen würde. Woraufhin die Ärztin meinte: "Sie gehen nirgends hin, Sie bleiben hier." Ich sagte: "Hallo? vor einigen Minuten sagten Sie, ich hätte nichts, die Röntgenaufnahmen haben Sie ja auch nur auf mein Drängen gemacht, und jetzt darf ich nicht mal für eine Halbe Stunde weg? Ich gehe jetzt auf jeden Fall". Die Ärztin daraufhin "dann unterschreiben Sie!"

Nach einer halben Stunde kehrte ich wieder zurück. Dort wurde ich auf die Intensivstation verfrachtet. Was ich in dem Moment gar nicht wusste. Die Ärztin versuchte durch die Rippen einen Schlauch zu legen. Ich weiß nicht, wie oft sie reinstechen musste, bis es endlich klappte. Ich dachte nur, Gott, lass es bald vorbei sein.

Als mein Mann mich besuchte (ich hinterließ ihm zu Hause eine Nachricht), war er kreideblass. Ich: "Was ist denn los?, warum bist du so blass?" Er: "Du bist auf der Intensivstation." Ich: "Wieso bin ich auf der Intensivstation?"

Eine Woche blieb ich auf der Intensivstation. Danach wurde ich auf eine private Station verlegt, obwohl ich gar nicht privatversichert war. Ich denke, es kommt einfach daher, dass man die Geräusche des Gerätes, das Tag und Nacht lief, keinem zumuten konnte. Irgendwann kam die Schwester und fragte, ob ich wenigstens eine Zusatzversicherung hätte. Ich verneinte und schämte mich, warum hast du keine Sch..Zusatzversicherung abgeschlossen? dachte ich. Na, ja ich war ja auch bis Dato immer gesund, ging wenn es hoch kommt nur einmal im Jahr zum Arzt, wenn überhaupt.

Insgesamt wurde ich 6 Wochen krank geschrieben. Später erfuhr ich, dass es in der ganzen Stadt geheißen hätte, ich würde nicht mehr lange zu leben haben. Gerüchte haben ihren Lauf gemacht. Von Krebs im Endstadion bis was weiß ich was alles...

Zu Hause ging ich zu meinem Hausarzt und hätte zumindest erwartet, dass er sich entschuldigt. Jedoch, nichts davon ist passiert. Er zuckte nur mit den Achseln. Auch hatte ich furchtbare Panik. Am Liebsten wollte ich jetzt mindestens 1x wöchentlich die Lunge abhören lassen. Dafür hatte mein Arzt jedoch kein Verständnis.
Also ging ich zu einem anderen Arzt, bei dem ich bis heute immer noch bin.

Ich fragte: Warum?
Das erste was alle Ärzte fragten, war: "Rauchen Sie?". Ich: "Sorry, damit kann ich nicht dienen, ich habe noch nie in meinem Leben geraucht, noch nicht ein einziges mal gezogen habe ich."
Es kann Typbedingt sein, meinte er: dünn, klein, schwarzhaarig, blond.. was weiß ich..

Ein Jahr später ging ich so ca. 1x monatlich zum Arzt um die Lunge abhören zu lassen.

Eines Tages, Juli 2001, ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, spürte ich oben auf der Schulter einen ruckartigen Schmerz, dann seitlich. Diesmal aber rechts. Mein Gott, nicht schon wieder. Nein, nicht schon wieder.

Ich ging direkt zum Arzt und sagte, dass er mich doch einrenken soll, ich hätte mir bestimmt einen Nerv geklemmt. Ich wollte es nicht wahr haben, es durfte einfach nicht wahr sein. Der Arzt, der meine Vorgeschichte nun kannte, hörte mich ab und meinte: "Nein, ich kann Sie nicht einrenken, Sie haben wieder Spontanpneumothorax." Ich fing an zu heulen, ich wollte das nicht schon wieder haben.

Er schickte mich zum Röntgen. Woraufhin die Ärztin meinte: "Sie kriegen sicherlich keine Luft."
"Oh, doch." erwiderte ich. Wenn ich nur sage, dass alles in Ordnung ist, wird es doch auch in Ordnung sein... "Das kann nicht sein, Ihre Lunge ist komplett zusammengefallen." NEIN. Das war nicht die Nachricht, die ich hören wollte.

Im gleichen Krankenhaus angekommen, wie zuvor, fragte man mich, wie schlimm es sei. Ich wollte kein Aufsehen, bloß nicht wieder Intensivstation. Diesmal wurde ich direkt auf die private Station verfrachtet, wie beim letzten Mal. Wieder die Frage: "Haben Sie eine Zusatzversicherung?"
"Nein, mich wollte keine Versicherung mehr nehmen, nachdem ich den ersten Pneumothorax hatte." Schäm..

Dann kam eine Ärztin, die scheinbar zum erstenmal Pneumothorax behandelte. Der Krankenpfleger meinte zu ihr "Also, der Chefarzt macht das immer so und so.." Sie ließ sich tatsächlich vom Krankenpfleger anlernen. Gott, lass das nicht wahr sein. Auch sie hatte mehrere Versuche, bis endlich der Schlauch drin war. Mir war zum Heulen zu Mute.

Nach einer Woche hatte sich die Lunge immer noch nicht entfaltet. Also sagte man mir, dass man kleben muss. Ich wurde wieder in den OP-Raum verfrachtet. Der Arzt spritze mir die Flüssigkeit zwischen den Rippen. Es war zwar betäubt, jedoch spürte ich jeden Stich. Als die Betäubung nachließ begann die Flüssigkeit zu brennen. Ich hätte an die Decke gehen können, vor lauter Schmerzen.

Meine Panik nahm nach dem 2. Pneu noch mal zu. Ich ging wieder wöchentlich zum Arzt. Irgendwann ließ ich mir Antidepressiva verschreiben. Ich nahm die Tabletten behutsam. Ich glaube, dass ich nicht mal 2 ganze Tabletten genommen habe. Der Arzt meinte, ich soll aufpassen, da diese abhängig machen würden. Tatsächlich fühlte ich mich schön frei und vor allen Dingen, ich schlief wie ein Bär. Monate später suchte ich panikhaft nach den Tabletten, ich hatte plötzlich das Bedürfnis, ich brauche sie, jetzt sofort. Doch ich fand sie nicht. Ich habe mein Mann in Verdacht, dass er sie fortgeschmissen hat. Ich habe ihn nie darauf angesprochen und er hat auch nichts gesagt. Vielleicht habe ich sie aber auch bei meinem jährlichen Aussortieren des Medikamentenschranks versehentlich mitgegriffen. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall, waren sie verschwunden.

Inzwischen sind es schon einige Jahre her. Seitdem habe ich nichts mehr gehabt. Ich gehe auch nicht mehr zum Abchecken, ob die Lungen richtig arbeiten. Die Panik ist verschwunden. Es hat mir geholfen, dass ich im Hinterkopf wusste, ich habe einen Arzt, da kann ich immer hingehen. Die Besuche wurden immer seltener, bis es letztendlich komplett aufhörte.

Ich hoffe, dass ich das nie wieder bekomme.

Laser
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Re: 2x Spontanpneumothorax

Beitragvon Laser » Dienstag 15. September 2009, 21:42

Hallo Wilma,

Ich kann deine Sorgen total verstehen. Mir ist am Anfang auch schwer gefallen, mit den ganzen Sachen klarzukommen. Mit den Ärzten ist es wie man öfters liest auch nicht ganz so einfach.
Man muss aber immer versuchen das Beste daraus zu machen, dass Leben muss weiter gehen.

Alles Gute und Viele Grüße


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