Helios-Klinikum Berlin-Buch

Eure Erfahrungen mit den behandelnden Institutionen.
tm-107
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Helios-Klinikum Berlin-Buch

Beitragvon tm-107 » Samstag 18. Mai 2013, 02:20

Achtung: Es wird etwas ausführlicher!
Wer nicht viel lesen will, bekommt hier das Fazit vorab: Empfehlenswert (wenn man das bei einem Pneu so sagen kann).

Wenn es wie bei mir ein Spannungspneumothorax ist, wird man jedoch vorher eh nicht lange überlegen, sondern das nehmen, was am schnellsten erreichbar ist.

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Ich hatte im März diesen Jahres (2013) das "Glück", meinen ersten spontanen Spannungspneu zu haben.

Nachdem ich vollkommen naiv noch selbst ins Klinikum gefahren bin (und dabei noch eine Zigarette "gegen die Schmerzen" :lol: geraucht habe), dachte ich auf dem Weg vom Parkplatz zur Rettungsstelle: ich kippe gleich um!

Die Dame an der Anmeldung hörte sich meine kurze Geschichte an (Atemnot & stechenden Schmerz in der rechten Brusthälfte beim Einatmen), betrachtete meine bereits leicht knisternde und bläulich gefärbte Haut und lies mich dann sofort von zwei jungen Herren in einen Behandlungsraum bringen. Dort versuchten dann zwei Studenten (?) die Ursache für meine Atemnot zu ergründen und ein sehr junger Pfleger (Azubi) legte mir nach 2 Fehlversuchen einen Zugang.
Man befragte mich eingehend und machte ein EKG. Leider kamen die beiden angehenden Ärzte zu keiner Diagnose, weshalb erfahrenes Personal geholt wurde. Der nette ältere Arzt horchte mich einmal ab und für ihn war die Sache klar: Pneumothorax. Zur Sicherheit gab es noch ein Röntgenbild und dann ging es in den "Eingriffsraum".

Dort wartete ich dann unter Aufsicht eine knappe halbe Stunde, da der Eingriff von einem Chirurgen gemacht werden sollte ("die kriegen die Narben schöner hin"). Während der Wartezeit wurde ich von zwei jungen Schwestern recht gut unterhalten. Nur auf meine Frage was denn jetzt genau passieren soll, kam als Antwort: "Ist das ihr erster Pneu? -> Ja -> Dann erklärt ihnen das lieber der Doktor".

Der gute Doktor kam dann auch irgendwann und stand mit Surfer-Frisur, Simpsons-T-Shirt und einem sehr freundlichen Auftreten vor mir. Was dann folgen sollte erklärte er mir recht gut, wobei er den Trokar wohl vorsichtshalber weder erwähnte noch zeigte. Nach einer kurzen örtlichen Betäubung ging es dann los. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das was dann kam niemandem wünsche. Der Schmerz war sehr heftig, da die Betäubung nicht bis in den Rippenraum wirkt, aber schlimmer fand ich das -für mich- überaus unangenehme Gefühl von diesem Rohr (dem Trokar) im Brustkorb, mit dem der Drainage-Schlauch eingeführt wird.

Nachdem das dann überstanden und alles vernäht und verbunden war, ging es auf Station. Genauer gesagt auf die IMC (Intermediate Care - eine Wachstation, oder Überwachungsstation). Dort lag ich dann insgesamt 8 Tage, da meine Lunge nicht so wollte wie die Ärzte das gerne hätten. Nach 2 Tagen wurde die Pumpe abgeklemmt und gegen ein Heimlich-Ventil ersetzt. Nach 12 Stunden ein Röntgenbild -> Pneu noch nicht ganz weg. Also wieder für 48 Stunden die Pumpe dran, 12 Stunden Heimlich-Ventil und dann ab zum Röntgen. Was soll ich sagen: Noch immer ein Rest-Pneu, welcher den Ärzten noch zu groß war. Also nochmal das ganze (48h Pumpe, 12h Ventil, Röntgen) und dann wurde die Drainage endlich gezogen. Auch das gestaltete sich nicht unbedingt schmerzfrei, ist aber auszuhalten.
Hierzu muss ich noch erwähnen, dass ich die IMC anfangs nicht verlassen durfte, da es sich ja um eine Überwachungsstation handelt. Erst nach ein paar Tagen hatte man Mitleid mit mir und ich dürfte zumindest die Station verlassen und auf der Etage ein wenig laufen. Endlich mal ein anderer Ausblick als der aus meinem Zimmerfenster. Auch für meine Familie war es jetzt viel entspannter, da auf der Station kaum Sitzmöglichkeiten für Besuch vorhanden waren.

Jedenfalls wurde ich nun endlich auf eine normale Station verlegt (Chirurgie). Mittlerweile hatte ich ein recht großes Schlafdefizit, da es auf der IMC eigentlich nie ruhig ist. Die ganze Nacht piept es aus allen Richtungen (und einmal stand eine ca. 80-jährige, stark demenzerkrankte Dame mitten in der Nacht splitternackt und völlig verwirrt vor meinem Bett). Auf der chirurgischen Station war man sich dessen aber bewusst und so hatte ich die erste Nacht mein Zimmer für mich allein, was ich mit knapp 12 Stunden Schlaf auch ausnutzte.

Ab diesem Tag wurde es recht unspektakulär. Ich verbrachte dort noch zwei Tage mit zwei sehr angenehmen Zimmergenossen, dann gab es ein abschließendes Röntgenbild und kurz darauf die Entlassung.

Zur Nachbehandlung bin ich dann ebenfalls dort gewesen, da sich die Poliklinik im gleichen Haus befindet.

Alles in allem habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt, das Essen war besser als erwartet (zumindest für ein Krankenhaus - es gab jeden Tag 3-4 Gerichte zur Auswahl) und das Personal war immer freundlich.

Das ganze ist jetzt genau 6 Wochen her und hat sogar noch einen positiven Nebeneffekt: Ich habe seit dem Tag meiner "Selbsteinlieferung" nicht mehr geraucht :P

Ach ja: Der Parkplatz kostet übrigens maximal 5 Euro pro Tag.

25.01.2017 - Update:
Nein, ich habe bisher zum Glück keinen weiteren Pneu gehabt ...
Ich habe lediglich im Text ein paar Dinge ergänzt, die mir damals scheinbar entfallen waren.
In der Zwischenzeit wurde übrigens unsere Tochter in diesem Krankenhaus geboren. Auch dabei fühlten meine Freundin und ich uns sehr gut aufgehoben.
Und ich bin noch immer Nichtraucher :mrgreen:
Mitteilungen am besten per PN schicken, ich schaue hier nur sehr unregelmäßig rein.

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