Guten Tag an die Kommune

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Catwisle
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Guten Tag an die Kommune

Beitragvon Catwisle » Freitag 28. Dezember 2012, 16:07

Mein Name ist Rainer. Ich bin (noch/wieder) Raucher.
Geboren 1961 auf der Entbindungsstation einer Lungenheilstätte und im Jahr 1984 erkrankte ich an einem Pneumothorax beidseits, den ich knapp überleben durfte.
Neugierig macht mich die Bezeichnung „Spontanpneumothorax. Für mich war eigentlich bisher wahrscheinlich, dass die Ursache meiner Erkrankung damals die über mehrere Wochen nicht zu unterbindende, stinkende Atemluft meiner Arrestzelle (defekter Geruchsverschluss) war.
Auch weiss ich so gut wie gar nichts über den Krankheitsverlauf und Heilungsprozess, da die Unterlagen mir nicht zugänglich waren und ich auch nie mit einem Arzt darüber reden konnte.

Mir ist mein Rauchen sehr zuwider und vielleicht kann ich Motivation durch Beschäftigung mit diesem Thema aufbauen. Ausserdem ist es für mich ein nicht unbedeutendes Teil zur Vergangenheitsbewältigung.

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eve
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Re: Guten Tag an die Kommune

Beitragvon eve » Freitag 28. Dezember 2012, 19:09

Hallo Rainer

Willkommen bei diesem Club, bei dem niemand sein will :)

Was ist ein "Geruchsverschluss"?

Solltest du in der Schweiz zuhause sein, bin ich beinahe sicher, dass du die Unterlagen auch heute noch bekommen kannst, sofern man sie solange aufbewahrt hat (ich glaube, 10 Jahre ist die Norm, aber z.B. Unis und wahrscheinlich auch andere staatliche Stellen behalten sie auch schon mal länger auf).

Ich bin zu einem grossen Teil auf elektronische Zigaretten ausgewichen, wobei ich bis heute noch keinen "Geschmack" gefunden habe, der mir wirklich so passt, dass ich die "normalen" Zigaretten daneben nicht vermisse.

Was hat man damals bei deinem Pneu gemacht? 1997, bei meiner Pleurodese, war die VATS Operation (Schlüssellochchirurgie) noch ziemlich neu und ich mag mich an eine nicht Lungenop so um 1987 erinnern, wo ich die "normale" Operation hatte, da ich nicht dick genug für die Laparoskopie war :D
lg
eve

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Re: Guten Tag an die Kommune

Beitragvon Catwisle » Samstag 29. Dezember 2012, 21:53

hallo Eve,
vielen Dank, dass Du geschrieben hast.

Ein Geruchsverschluss ist eine Vorrichtung in einer Abflussleitung die verhindert, dass Gase/Gerüche aus der Kanalisation in die Raumluft austreten können.
Das ganze hat sich unter DDR Haftbedingungen abgespielt und ich habe keine Ahnung in wie weit ich in dieser Sache noch etwas betreiben kann. Die Geschichte war für mich echt schlimm, da mir damalige „Stellen“ eine Behandlung in einem spezialisierten Zivil-Krankenhaus, das quasi um die Ecke lag, verweigerten (nachdem ein Arzt in einem zivilen Krankenhaus eine ambulante Punktion der Lunge ablehnt hatte) und ich stattdessen unter Lebensgefahr ca. 5 Stunden nach Leipzig ins Haftkrankenhaus gefahren wurde.
Ich hatte von meiner 20monatigen Haftstrafe zu der Zeit noch ca.5 Monate...
Ich kriegte ja kaum noch etwas mit, aber dort stände irgendein schwedisches Medikament zur Verfügung, welches mir dann alle 6 Stunden intravenös verabreicht wurde.
Mein Zustand besserte sich. Nach etwa einer Woche musste die stationäre Venenzuleitung entfernt werden und nach vier Wochen kippte ich um, wenn ich eine Spritze sah. Dort durfte jeder intravenös injizieren. Ärzte mit Offiziersabzeichen an den weissen Kitteln taten das nicht und von dem normalen Personal kann ich mich nur an Einen erinnern der das konnte! In der Regel bedeutete eine Injektion mindestens 3 Stiche.

Danach hatte ich das Gefühl, nicht mehr so tief einatmen zu können wie vorher und ich glaube ich habe mich schnell daran gewöhnt. Gute Ausatmung ist auch wichtiger ;-)

Was könnte das für ein Medikament gewesen sein???

Ich wünsche mir, im kommenden Jahr wieder den Nikotin-Absprung zu schaffen und meine Lunge nicht mehr zu malträtieren. Ich war schon mal 9 Jahre ohne Zigaretten (nicht die ersten 9 meines Lebens) und irgendwie macht mich das Rauchen auch depressiv.
Viele Grüsse und ein schönes letztes Wochenende 2012,
Rainer

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Re: Guten Tag an die Kommune

Beitragvon eve » Samstag 29. Dezember 2012, 23:48

Hallo Rainer

Danke für die Erklärung. Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Gase beim Pneu mitgeholfen hatten. Das sind ja teilweise ganz extreme Gase, die sich in der Kanalisation bilden, so dass die Arbeiter im Normalfall mit Atemschutz arbeiten müssen (ist mind. was ich so gelesen und gesehen habe).

Was die Papiere angeht, würde ich doch mal probieren, sie zu finden. Wir haben z.B. von Verwandten Papiere vom 2. Weltkrieg und davor auch noch gefunden; die DDR hat Informationen generell nicht gerne fortgeschmissen (welcher Staat schmeisst schon freiwillig potentiell nützliche Infos weg?) und das waren wertvolle Informationen über dich, die im Wiederholungsfall (erneute Haft) sehr nützlich hätten sein können. Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der/die mehr darüber wüsste, wo du vorstellig werden könntest.

Ueber das Medikament habe ich nichts gefunden, bzw. viel zuviel :)
lg
eve

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Re: Guten Tag an die Kommune

Beitragvon Catwisle » Sonntag 30. Dezember 2012, 16:51

hallo eve,

nochmal auf die Suche nach diesen Unterlagen zu gehen, kann für mich sehr belastend sein. Ich habe eigentlich schon genug zu beissen gehabt mich damit abzufinden, dass meine Stasiunterlagen nicht mehr aufzufinden waren. Diese Aufhänger in den alten Zeiten tun mir eigentlich nicht gut aber ich habe auch immer wieder einen Drang, dort nachzugraben.
Vielleicht sollte ich einfach nur froh sein, dass ich diese Krankheit und das kranke System überlebt habe.
Es gibt mir aber sehr viel im Nachhinein zu verstehen und vielleicht schreibe ich davon mal eine Geschichte.
Kannst Du mir vielleicht ein paar Links senden unter denen ich in die Recherche zu dem Medikament einsteigen kann? Ich habe echt Null Ahnung was damals medizinisch mit mir abging.
Einen schönen Sonntag,
Rainer


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