Spätfolgen Pleurodese / OP

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christine suchan
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Spätfolgen Pleurodese / OP

Beitragvon christine suchan » Donnerstag 30. Dezember 2010, 10:43

Hallo zusammen!

Vor 17,5 Jahren hatte ich einen schweren Unfall. Ich fiel aus großer Höhe und habe lange und anhaltend geschrien. Kurz vor dem Aufprall habe ich tief eingeatmet und hierdurch "platzte"meine linke Lunge "wie eine Wasserbombe" an mehreren Stellen (, wie sich später herausstellte).

Damals war ich 22 Jahre alt. Außerdem trug ich eine Herzquetschung und Rippenprellungen und andere Prellungen davon. Ich wurde schnellstmöglich ins Krankenhaus gebracht, dort wurde auf der 1. Röntgenaufnahme NICHTS festgestellt und mit den Worten, ich hätte wohl einen Schock und sollte mal ein paar Tage einfach so dableiben, wurden meine Helfer nach hause geschickt. Ein Student, der mich aufnehmen sollte, stellte GOTTSEIDANK fest, dass er links nichts hören kann... Dann bekam ich recht schnell eine Bülow Drainage und ein wochenlanger Krankenhausaufenthalt folgte.

Nach 2 Wochen, stellte man fest, dass die Lunge wohl irgendwo GERISSEN sei und man wollte mich operieren. Im dortigen Krankenhaus, mit Brustkorböffnung usw. und die Lunge vernähen. Durch das Einschreiten meiner Eltern und meines Freundes, wurde ich ins nahegelegene Klinikum gebracht und dort wurde ich , wieder Tage später, als 3.!!! Patientin minimalinvasiv operiert. Der Riss wurde mit Titanclips geschlossen. Die Drainage sollte nur noch einige Tage bleiben. Leider stellte man irgendwann fest, dass der eine Riss, im Spitzenbereich, wohl nicht der einzige sei. Es musste noch - mindestens - einen an der Lungenbasis geben.

Irgendwann entschlossen die Ärzte sich, eine Pleurodese, Verklebung mit Fibrin, vorzunehmen. Hierbei bin ich fast gestorben. Entsetzliche Schmerzen und Morphingaben begleiteten mich tagelang. Leider eine Nebenwirkung (in wenigen Ausnahmefällen?)

Wochen später wurde ich als " - besser geht es nicht und wird es wohl auch nicht werden - " entlassen. Um mein Herz hat sich weiter niemand gekümmert, auch die Knorpelschäden am Brustbein / Rippen blieben nicht nur völlig unbehandelt, auch unentdeckt. Einen Psychologen hatte ich nie gesehen. Eine Kur wurde nicht mal zur Sprache gebracht. Aber erst Jahre später ist mir klar geworden, dass es besser hätte sein können, wenn diese Sachen alle berücksichtigt worden wären.

Die "üblichen" Folgen eines so schweren Unfalls begleiten mich alltäglich... Ich habe mich selber um meine "Knochen" gekümmert. Sport wird zur Pflicht. Die innere Narbenbildung begleitet mich wie einen alten Menschen, bei Wetterumschwung, Luftdruckveränderung, beim Fliegen usw.

Ich habe in den letzten 17 Jahren weitere schwere Erkrankungen, bzw. (außergewöhnliche) gesundheitliche Störungen erlebt. Die Geburt unseres Sohnes (12) war dramatisch und endete mit einem Notkaiserschnitt. (vor 2 Jahren wurde festgestellt, dass wohl kurz vorher oder unter der Geburt, die Gebärmutter Richtung Bauchraum perforiert war, das KINDBETTFIEBER war in Wahrheit eine Peritonitis). Eine Jahre später folgte eine Blinddarmoperation, die dramatisch endete, da die Vernarbungen im Bauchraum das minimalinvasive operieren nicht ermöglichten. Die Vernarbungen stammten vom Kaiserschnitt, bzw. (heute wissen wir) von der Gebärmutterperforation. Eine Schilddrüsenerkrankung, die medikamentös nicht einstellbar scheint, begleitet mich auch ständig.

Was ich damit sagen will, wie ich auch in diesem Forum oft gelesen habe: Ich bin nicht im GLEICHGEWICHT. Irgendetwas stimmt bei mir nicht. ... ist nicht stimmig... nicht regulär... ich fühle mich nicht 100 % ig gesund, obwohl alle Fachärzte alles ganz toll i. O. finden. In den ersten 10 Jahren nach dem Unfall habe ich vom Kardiologen über den Orthopäden alle Ärzte kennengelernt. Entweder es ist alles i. O. oder man konnte am IST Zustand nichts ändern. Also: Warum tut es oft beim Einatmen weh?, warum sind meine Muskeln extrem stark entwickelt im Rücken?, jedoch ständig total verspannt usw. usw. Mit der Zeit findet man eigene Wege, um besser leben zu können. Irgendwie lernt man damit zu leben. Schmerzfrei in der linken Thoraxseite bin ich praktisch nur sehr selten.

So ging alles seinen Weg in den letzten 17 Jahren, bis ich dann in diesem Frühsommer das erstemal in Ohnmacht viel. Nach anhaltender starker Übelkeit. Migräne war die Erklärung - Stress, Hormone usw. AHA! Gut. Dann trage ich immer meine Notfalltablette mit mir, die mir dann hilft. CT Kopf OB. CT BWS / Lunge OB. (Die Titanclips in der Lunge haben sich bewegt, aber "das ist ok und lässt sich nicht ändern".)

Nachdem ich noch ein paar Mal solche "Anfälle" hatte, wurde mir eröffnet, dass ich wohl hyperventiliere und daher umfalle. "Warum?" "Stress, Psychische Probleme....." "AHA! Ok. und?" "Psychologe!" "Ok. Mach ich." "Traumaaufarbeitung, vielleicht der Unfall." "AHA! Ja, kann sein. Ich hatte niemals psychologische Hilfe angeboten bekommen. Und die Schmerzen und das Stechen (atemabhängig?)." "Psychisch." "AHA!"

So, und jetzt habe ich dieses FORUM gefunden und lese von vielen Menschen, die ähnliche Symptome haben, ähnliche Schmerzen, ähnliche Erfahrungen, ähnliche Antworten von ganz anderen Ärzten und ich frage mich, ob es vielleicht doch sinnvoll wäre, mal in eine Lungenfachklinik zu gehen und mal über Spätfolgen von Lungen OPs und Verklebungen (Pleurodese) zu sprechen.

Ich freue mich auf meine Traumatherapie. Das wird mir sicher helfen. Aber vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit nochmal völlig schmerzfrei und beschwerdefrei zu werden. Durch diese Site, Eure Beiträge und die Foren und Informationen habe ich viel Hoffnung bekommen.

Ich freue mich über Nachrichten.
DANKE.
Christine Suchan.

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eve
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Re: Spätfolgen Pleurodese / OP

Beitragvon eve » Donnerstag 30. Dezember 2010, 12:18

Hallo Christine

Willkommen im Club :)

Leider war die Medizin vor 17 Jahren noch nicht soweit wie heute. Ich mag mich gut erinnern, als mir vor jetzt 13 Jahren der Chirurg sagte, dass es diese neue Methode der minimalinvasiven Chirurgie gebe, die er bei Pleurodesen anwende.

Und leider ist die Medizin auch heute noch nicht soweit, wie wir es das gerne hätten und auch bräuchten. Z.B. denke ich auch heute noch, dass es in jedem Fall Gründe für medizinische Probleme gibt und dass einfach die Medizin noch nicht soweit ist, zu wissen, was die sind. Solche Sachen dann als psychisch "abzutun", macht mich wütend, abet leider kann ich daran nicht viel ändern, ausser in meinem Umfeld, bzw. bei meinen Aerzten, dafür zu sorgen, dass die etwas weiter denken als bis zu ihrer Nasenspitze oder zum Feld e im multiple choice Fragebogen der ebs (evidence based medicine).

Auf jeden Fall willkommen!
lg
eve

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Re: Spätfolgen Pleurodese / OP

Beitragvon Joakim » Dienstag 4. Januar 2011, 22:55

Hallo Christine echt schrecklich was du mitgemachst hast bzw. es immer noch tust.
Um beim Thema Psyche zu bleiben, soviele eingriffe und der tägliche schmerz schlägt sicher auf die psyche, ich leide nämlich unter kleinen Panikattacken, die den körper in einen solchen schockzustand versetzt dass man glaubt man stirbt gleich. Ist die attacke bei mir vorbei ist man dann richtig im arsch weil der körper in einen regelrechten kampf verwickelt war.

Was ich dich gerne fragen würde, da du psychologische hilfe in anspruch genommen hast, ob dir das was geholfen hat? denke auch darüber nach obwohl ich mir einrede, was wollen die mir schon erzählen.

christine suchan
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Re: Spätfolgen Pleurodese / OP

Beitragvon christine suchan » Mittwoch 5. Januar 2011, 09:26

Hallo Joakim,
ich habe noch keine Psychotherapie begonnen. Aber Mitte Januar beginne ich eine spezielle Traumatherapie, um ganz konkret meinen Unfall aufzuarbeiten, da mein Hausarzt der Ansicht ist, dass - wenn es auch die körperlichen, rein physiologischen Umstände nicht verbessert, so doch wenigstens mein Umgehen mit diesen Beschwerden erleichtert. Ich bin sehr gespannt und positiv eingestellt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es gut ist und mir helfen wird. Besser wäre natürlich gewesen, jemand hätte mir damals (vor ^17 Jahren) geholfen.

Bei Deinen Beschwerden würde ich schnellstmöglich zu einem Psychotherapeuten gehen! Das beschwert ja Dein Leben dramatisch. Wie gesagt, ich bin der festen Überzeugung, dass es körperliche Beschwerden und Nachwirkungen geben kann, die uns vielleicht wirklich niemand ganz nehmen kann, aber der Weg damit zu leben (und es auch gerne zu tun), wird uns auf jeden Fall helfen, mit den Folgen (...und dem Erlebten) besser klar zu kommen. Ich würde Dir raten, zu Deinem Hausarzt oder Pneumologen o. ä. zu gehen und konkret um psychologische Hilfe zu bitten. Am besten ist, wenn Dir der Hausarzt auch direkt einen Termin macht, denn die Wartezeiten sind u. U. schockierend lang. Bis dahin kann ich Dir nur raten, Dich mit Entspannungsübungen zu beschäftigen. Wenn Du körperlich fit genug bist, vielleicht sogar mit Pilates oder Qi Gong. Mit Atemübungen ohne fachliche Anleitung wäre ich sehr vorsichtig. Das muss man (gerade mit unseren Vorgeschichten) am besten vom Profi lernen.

Ich wünsche Dir alles Gute! Vielleicht hören wir noch mal voneinander.
Liebe Grüße
Christine.

Joakim
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Re: Spätfolgen Pleurodese / OP

Beitragvon Joakim » Mittwoch 5. Januar 2011, 10:23

Morgen Christine,
danke für die Antwort, auch mein Hausartz hat mir eine solche Klinik schon angeboten, die ich damals abgelehnt habe, die Paniken sind auch sehr unregelmäßig, oft mehrere Monate überhaupt nichts und dann zag 1 woche komplett im arsch. Diese Beschwerden verfolgen mich auch erst seit meinen ersten Pneu, aber ich werde mein Sturkopf dann doch mal durchsetzten und so eine Therapie durchziehen, schaden kann es sicher nicht, ob sie mir hingegen helfen wird bin ich immer noch skeptisch.

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eve
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Re: Spätfolgen Pleurodese / OP

Beitragvon eve » Mittwoch 5. Januar 2011, 10:55

Bei Panikattacken tendiert man zur Hyperventilation. Die wiederum "hilft" bei der Entwicklung der vollausgewachsenen Panikattacke mit Atemnot und was da alles dazugehört. Nur schon das tiefe ein-/ausatmen (ruhig, ohne Hyperventilation) kann da so helfen, dass eine Panikattacke gar nicht erst entsteht oder dass sie nicht so schlimm wird. Was bei Panikattacken auch oft empfohlen wird: Entspannungsübungen mit Konzentration auf das ruhige Atmen, laufen/joggen, in einen Papiersack atmen usw.

Atemübungen mit (In)Spirometer sind einfach und ziemlich gut. Da kann man nicht viel falsch machen. Ausserdem sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, tief ein- und auszuatmen, was oft gerade nach Drainage und/oder Pleurodese verlorengeht.
lg
eve


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