Mein Pneu

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arven
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Mein Pneu

Beitragvon arven » Dienstag 19. November 2013, 22:59

Hallöchen liebes Forum

Hab mit viel Interesse immer wieder eure Erfahrungen gelesen. Nun bin ich auch mal selber an der Reihe. Meine Geschichte finde ich richtig harmlos im Vergleich zu dem, was andere hier erlebt haben. Das Glück wohl auf meiner Seite (so sicher bin ich mir da aber nicht...). Mein Erlebnis liegt bereits 3 Jahre zurück. Anfangs Juli 2010 verspürte ich an einem Samstag Morgen einen stechenden Schmerz in der Brustgegend. Ich konnte nicht richtig analysieren woher der Schmerz genau kam. Ich bildete mir ein, dass ich wohl irgendeinen Nerv eingeklemmt hatte, da ich, als es geschah, ziemlich schräg auf einem Stuhl "hing" und mich gerade wieder richtig aufsetzen wollte. Da durchfuhr es mich wie ein Blitz. Ich dachte mir noch "super, hast dir schön was eingeklemmt vor den festivals". Wollte nämlich an diesem Tag an ein Festival. Nun ja, bin da aufgestanden und da ging es dann wieder. Ich konnte alle Bewegungen machen ohne Beschwerden. Ich bemerkte nur, dass wenn ich hüpfte, dass ich dann komischerweise zu Husten anfangen musste. Das fand ich sogar irgendwie lustig, weil ich da keinen Zusammenhang sah. Auch konnte ich nicht ganz tief einatmen und begann sofort zu Husten, was ich ja nun weiss,dass es ein typisches Zeichen ist. Dennoch war ich nicht sonderlich besorgt und ich machte mich auf den Weg zum Festival. Nach ein paar Stunden vergass ich das ganze wieder und ich hatte auch keine Beschwerden mehr, also ich hatte keinerlei Probleme beim atmen. War dann bei den Konzerten voll dabei. Schön in der Menge. Liess mich richtig zerdrücken, bis ich irgendwann zu vorderst an der Eisenabsperrung stand. War eingeklemmt wie ein Sandwich. Im Nachhinein denke ich mir, dass es vielleicht nicht die Klügste Idee war, aber ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass mit meiner Lunge was nicht stimmen könnte. Wenn man zu nah an den Boxen steht, dann soll das ja auch nicht gerade gut dafür sein. Auf jeden Fall hatte ich auch nach all den Konzerten keine Beschwerden. Zumindest keine, die die Lunge betrafen ;) . Dann etwa zwei Wochen später, ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, fing es wieder an. Diesmal kein stechender Schmerz, aber auf dem Weg vom Bahnhof zur Arbeit ging mir beim gehen schon ziemlich die Puste aus. Sobald ich ein bisschen tiefer einatmete kam der Husten wieder. Hab mir wieder nicht sehr viel dabei gedacht. Also ran an die Arbeit. Doch da wurde es immer schlimmer und da realisierte dann auch ich, dass da wirklich was nicht stimmen konnte. Hab dann das Papa-Taxi gerufen und der hatte in der Zwischenzeit schon dem Arzt angerufen. Dieser meinte, er könne mich gleich ins Spital bringen (per Ferndiagnose sozusagen). Das wollte ich aber natürlich nicht, also fuhren wir zuerst zum Arzt, in der Hoffnung vielleicht ums Spital herumzukommen. Hatte die ganze Zeit schon Schwierigkeiten mit atmen. Konnte wirklich nur sehr flach atmen, sonst kamen die Schmerzen und der lästige Husten. Und wenn ich mal anfing zu Husten, dann konnte ich fast nicht mehr aufhöhren damit. Lachen war übrigens auch ganz mies. Musste da wegen irgendwas richtig lachen, das ging dann in üblen Husten über, der nicht enden wollte und ich dachte schon ich müsse ersticken. Der Arzt hörte mich ab und meinte dann, dass auf der rechten fast keine Atemgeräusche waren. Er laberte irgendwas von Pneu und Drainage. Ich konnte mir da bei beidem Überhaupt nichts vorstellen. In dem Moment konnte ich sowieso nicht mehr so klar denken. Sobald er das Krankenhaus erwähnte fing ich an mich aufzuregen und hatte noch mehr Mühe beim atmen. Nun gut, ins Krankenhaus gefahren. Da erst mal gemütlich eine halbe Stunde in der Notaufnahme rumgesessen... Konnte also nicht so schlimm sein, dachte ich mir. Als ich dann mal endlich an die Reihe kam, gaben die mir Sauerstoff womit es mir eigentlich schlagartig wieder besser ging. Dann wurde ich geröntgt (ich schwöre, wenn ich jemals wieder in ein Krankenhaus komme, dann zieh ich mir ein Shirt an auf dem steht "NEIN, ich bin NICHT SCHWANGER!"). An dieser Stelle muss ich vielleicht noch erwähnen, ja, ich bin weiblich, damals 19, ziemlich klein, aber schlank und NICHTRAUCHER (wo wir wieder beim Thema Glück wären...) Die Ärzte haben dann die Vermutung von meinem Arzt bestätigt. Ich hätte einen Pneumothorax. Diesmal verstand auch ich, um was es ging. Von der Notaufnahme gings dann in so eine Art OP-Zimmer. Ich bekam ein schönes Beruhigungsmittel (ach fand ich das Gefühl geil...) und schwebte auf Wolke sieben, während sie mich lokal betäubten und die Drainage legten. Ich hatte keinerlei schmerzen und lag da einfach völlig high da (wenn ich da andere Geschichten von euch lese, wird mir fast anders...). Hatte auch nach dem Eingriff nie irgendwelche Schmerzen. Dann das euch bekannte Prozedere. Nach drei Tagen geröntgt. Ok, Lunge ist da, Sog abgestellt, Lunge fällt wieder zusammen, Sog an, Lunge ok, Sog weg, Luge wieder hinüber... (...zähl ich jetzt, aber auch nicht zu Glück) ging da etwa dreimal hin und her. Das störte mich da noch nicht gross, waren für mich ein paar entspannte Tage im KH. Hatte keinerlei Schmerzen. Konnte den ganzen Tag TV gucken und im Netz surfen. Waren fast Faulenzer-Ferien. Nach einem CT entschieden sich die Ärzte für eine OP (also gut, entscheiden musste ja ich, aber hat man eine Wahl?). Da wurden mir dann einen ganz kleinen Teil (angeblich nicht mal 1%) abgeschnitten und das Lungenfell und das Brustfell aufgeraut, damit die zusammenwachsen. Verlief auch alles ohne Probleme. Nur wars nach dem Aufwachen nicht mehr ganz so lustig wie vor der OP. Schon das Aufwachen selber mit dem Beatmungsschlauch in der Fresse war sehr angenehm. Ging dann grad schön weiter, dass mir kotzübel von der Narkose war. Wenn die Schwester genug schnell war, dann konnte sie mir noch was gegen die Übelkeit spritzen, sonst füllte ich immer wieder die Schüssel. Dann kam auch noch dazu, dass die Lunge einfach nur verdammt weh tat nach der Operations. Sie hatten mir extra einen Schmerzkatheter "verpflanzt" im Rücken, der gezielt Schmerzmittel in die richtige Gegend brachte, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es nichts brachte. Dann musste ich am ersten Abend noch aufs Klo, doch an aufstehen war nicht zu denken, das hätte mich umgebracht vor Schmerz und viel Geduld hatte ich auch nicht wirklich. Nach der ganzen Prozedur dann im Bett (hatte mich leider ziemlich verkrampft beim aufsetzen), dachte ich ich müsste vor Schmerz sterben. Ich bettelte um Schmerzmittel und war völlig am ende. Nur noch am jammern. Im Nachhinein kann ich mir die Schmerzen nicht mehr vorstellen, aber als mich die Schwester fragte, wo auf einer Skala von eins bis zehn sie wären, da war meine antwort "ZEHN"! Hab auch richtig geheult und gejammert. Nach Blutdruck messen und co. bekam ich dann endlich das Morphium und dann war ich für ein weilchen wieder auf Wolke sieben. Ab da gings dann auf und ab, aber solche Schmerzen wie am ersten Abend hatte ich nie mehr. Solange ich das Morphium bekam, war mir dann aber immer übel. Sobald ich was ass oder aufstand um ein paar Schritte zu gehen, musste ich gleich zur Schüssel greifen. Aber danach ging es dann wieder aufwärts. Sobald sie den Sog abstellten waren die Schmerzen viel geringer und ich brauchte auch kein Morphium mehr und als sie dann endlich die Drainage zogen, war schon fast der Himmel auf erden. Nach zehn Tagen KH durfte ich dann endlich nachhause. Wurde noch drei Wochen krankgeschrieben und danach gings wieder ab die Post mit arbeiten. Sport hatte ich etwa drei Monate keinen gemacht. Danach legte ich aber wieder voll los, ohne irgendwelche Probleme.

Nun fragt ihr euch sicher, warum ich denn jetzt auf einmal mit meiner Geschichte hier ankomme. Habe zwischendurch, wie einige hier auch immer wieder irgendwelche Folgeerscheinungen. War vor zwei Jahren auch noch mal beim Arzt, weil ich den Verdacht hatte, das es wieder losging. Beim röntgen stellten sie zwar fest, dass die Lunge wirklich nicht ganz entfaltet war, aber es kein erneuter Pneu wäre. Seither war ich nicht mehr beim Arzt (zumindest nicht wegen der Lunge), habe aber immer wieder zwischendurch alle paar Monate ein blubbern und ab und zu einen Druck auf der Brust. Vermute aber, dass ich einfach mit dem komischen Gefühl leben muss :? . Die Rückfallquote soll ja etwa 5% nach der OP. Bei der CT damals hatten sie aber festgestellt, dass ich auch auf der linken Seite solche Lungenbläschen habe. Ich habe jetzt nicht direkt Angst vor einem erneuten Pneu. Aber ganz ehrlich, immer wenn irgendwas wichtiges bevorsteht (Urlaub, Feiertag, was auch immer...), dann denke ich daran und sag dann selber zu mir, dass es nicht jetzt sein muss :mrgreen: .

Upps bisschen viel Text geworden, sorry... :roll: . Ich kann mich so schlecht kurzfassen.

Ah ja. Ich möchte mich noch für das lebenslange Tauchverbot bedanken :evil: und für die versauten Ferien und die 10 heissesten Tage im 2010 im KH... als ausgleich sah dafür der Chirurg gut aus, dafür möchte ich mich auch bedanken :mrgreen:

Aber ansonsten gehts mir wieder wie vor dem Pneu. Wenn mir die Puste ausgeht, dann nur weil meine Kondition schlecht ist und nicht wegen dem Pneu :lol:

Hab mal irgendwo gelesen, dass wenn man auf der einen Seite bereits einen Pneu hatte, dass dann die Chance grösser ist auf der anderen Seite auch noch einen zu bekommen. Weiss da einer mehr dazu? Das liegt wohl allgemein an der Veranlagung? Weil eigentlich gehöre ich ja überhaupt nicht zur "Zielgruppe" (weiblich, damals 19, klein, schlank, nichtraucherin).


liebe grüsse
arven, die mal wieder einen Druck in der Brust hat :?

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