Dann auch mal mein Erfahrungsbericht

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JD.W
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Dann auch mal mein Erfahrungsbericht

Beitragvon JD.W » Dienstag 16. Juli 2013, 01:36

Also mich erwischte es ganz spontan auf der Arbeit, die gute Samstag-Frühschicht. Aus dem Nichts auf einmal ein beständiges stechen in der linken Brust, besonders beim tiefen einatmen. Zuerst hab ich mir keine weitere Sorgen gemacht (irgend nen Stechen in der Brust hatte ich in der Vergangenheit wohl auch schon mal, halt nicht in dem Ausmaße, aber paar mal tief ein- und ausatmen und die Sache war wieder o.k.) also erst mal raus und frische Luft schnappen. Nur bekam ich dann stetig immer schlechter Luft und der Schmerz strahlte Richtung linke Schulter/Arm aus, glückerlicherweise war unser Schichtleiter gerade auch draußen und ich schilderte ihm diese Symptome. Selbstverständlich klingt das ähnlich wie die eines Infarkts, daher rief er umgehend einen Krankenwagen (fand ich zu diesem Zeitpunkt ein wenig übertrieben, war aber im nachhinein sehr dankbar dafür :D ...ja im Leichtsinn denkt/hofft man immer es geht von selber weg... :D ). Nun ja, ab ins Krankenhaus, mittlerweile hatte ich auch schon den Verdacht das es irgendwas mit der Lunge war, auf Grund der Atem Probleme, jedoch stellten die Helfer im Krankenwagen und auch bei der Erstuntersuchung im Krankenhaus erst einmal nichts fest. Selbst nach dem Lunge abhorchen waren alle der Meinung das könnte nichts "schlimmes" sein. Naja und dann kam das Röntgen. Ich saß relativ gelangweilt in meinem Rolli auf dem Gang und wartete an sich nur darauf wieder nach Hause zu dürfen, als ich auf einmal mit bekam wie es dann doch hektischer wurde im Gang und schnappte dann noch die Worte einer Krankenschwester auf die mich kurz vorher noch anblickte: "Oh das wird operativ". (Sie unterhielt sich mit einem der Ärzte). Das war dann der Punkt wo ich endgültig neugierig wurde. "Spontanpneu" sagten sie mir auf meine Frage hin und auf meine weitere Frage hin -> "Ups..soll das heißen...ich komme nicht innerhalb der nächsten Stunde nach Hause?" meinte der Arzt nur "Nun ja...stellen sie sich mal eher auf grob 10 Tage ein..." Da war ich dann vollkommen baff...Praktischerweise gibts ja heutzutage die Smartphones. Mit mobilem Internet. Und was ich daraufhin las verdarb mir dann vollends die Laune...Gut, Eltern angerufen, kurze Wartezeit, auf zum Eingriff --> die gute Drainage. (Muss noch erwähnen das bis dahin alles wohl noch relativ "gut" verlaufen ist bei mir, für nen Pneu gings mir noch relativ gut, konnte im Quasimodo-Gang noch relativ gut umher laufen und in einer gebeugten Haltung gings mit dem Atmen auch ganz gut, das "Glück" kommt anscheinend nicht jedem zu Teil). Gut, die nächste Frage "Ist das ein schwerer Eingriff?" Etc. pp. Man versicherte mir das wäre maximal ein unangenehmer Eingriff, verläuft aber so gut wie immer positiv. Nun dann erfuhr ich auch wie unangenehm, ein wenig örtliche Betäubung an einer Stelle wo sie nicht mal volle Wirkung entfalten kann und los gings. Muss dazu sagen, an sich bin ich recht hart im Nehmen, gab auch keinen Laut von mir, aber es war bei WEITEM das unangenehmste was mir bis dato unter gekommen ist. Meine Lieblingsstelle war dann an sich die, wo dann der Drainage Schlauch eingeführt wurde...(Da dachte ich mir schon "Jap, das willst du nie wieder haben...") Nun gut beschleunigter Ablauf -> Ab aufs Zimmer, erst mal drüber gewundert was ich mir da für einen Scheiß eingefangen habe -> bis ich dann rausfand das ich geradezu ein Musterpatient für einen Pneu war (27 Jahre alt, 1,98m groß, Schlank, Ex-Gelegenheitsraucher) und ja gut, nach (ich glaube) 10 Tagen Schlauch raus, keine Komplikationen, ab nach Hause. Wunde war recht schnell verheilt und war dann auch recht flott wieder arbeiten und verdrängte das ganze Thema.
Anfang Oktober 2012 war das glaube ich...
Dann ca. 3 Monate später kam alles zusammen:
Ende Dezember bekam der großteil unserer Belegschaft bescheid das ab Ende Januar erst einmal das Arbeitsverhältnis zu Ende ist. Passend dazu geschah dann folgendes: Ich stieg (lustigerweise wieder an einem Samstag) aus der Dusche und trocknete mich ab. In dem Moment ein Stechen beim einatmen. Ich hielt kurz Inne, wiederholte es, selber Effekt...Mir war direkt klar was es bedeutete...Gedanken waren einfach nur "Ne...echt nicht...nicht schon wieder...WAS ZUR HÖLLE..." Naja an den Schreibtisch gesetzt, Eltern angerufen, das die mich mal bitte ins Krankenhaus fahren müssen da ich wieder einen Pneu habe. Im Krankenhaus ewiges gewarte, übliche Checks, wieder durchgehend "Ne ich denke da ist alles in Ordnung". Das beste war dann bei einem der Ärzte, dem ich direkt sagte "Das ist nen Spontanpneu, ich denke Röntgen wäre gut. Exakt das selbe Gefühl wie beim ersten mal." Meinte er halt nur "Neee klingt gut beim abhorchen, ich denke da irren sie sich, aber wir schicken sie sicherheitshalber rüber zum Röntgen". Warte im Gang, Bilder sind da, Arzt kommt auf mich zu und sagt nur "Gut!". "Wie gut? im Sinne von ich hab doch nichts?", "Nein, gut -> sie hatten recht, Pneu linke Seite." Uuuuuunnnddd Laune auf dem Tiefpunkt. Drainage Eingriff vollzug derselbe Arzt wie beim letzten mal, er kannte mich noch und wir scherzten ein wenig rum alá "Na, schon wieder hier? gefällts ihnen so gut hier?" ...immerhin ein wenig Ablenkung...und dann wieder dieser VERDAMMTE SCHLAUCH...Naja gut da der erste Verlauf so gut ablief, dachte ich mir "Ok, reiß die 10 Tage eben wieder ab, ab nach Hause und das wars." Allerdings, da das der 2te innerhalb kurzer Zeit war, war das Resultat das man gemeinsam nach einer Woche beschloss noch einmal operativ vorbeugend einzugreifen (Verklebung). JAAAA und da begann der ganze Spaß (war meine erste Vollnarkose und der erste operative Eingriff, abgesehen von den Drainagen, war aber relativ relaxed). Jedenfalls wachte ich auf, hatte die übelsten Schmerzen seit je her, bekam ein Schmerzmittel nach dem anderen, was ich dann optimalerweise auch nicht vertrug. So k****e ich mir dann auf dem Zimmer die Seele aus dem Leib, was auch wieder super war, weil jegliche Regung im Brustbereich tierisch weh tat. Eine neue Drainage wurde während der OP auch gelegt, weiter unten diesmal, und dieses Mistding ärgerte mich so uenendlich hart...Ständig hatte ich die Vermutung das irgendas nicht optimal gelaufen ist, es war die SCHLIMMSTE Woche meines Lebens: Die einzige Haltung die ich im Bett lange aushalten konnte, war wenn das Kopfteil weit hoch geklappt war, sprich ich schon fast im Bett saß statt lag. So konnte ich aber nicht schlafen. Und sobald ich das Teil zu nem gewissen Punkte senkte und irgendwann mal mit Hilfe von Schlafmitteln einschlief, wachte ich maximal eine Stunde später mit einem Panik schub wieder auf und war innerhalb der Zeit KOMPLETT durch geschwitzt. Wirklich klatschnass. Alles. Das alles fand bei den Ärzten wenig Beachtung, so ging das dann im endeffekt die ganze Woche. So weit, bis ich Angst hatte, überhaupt einzuschlafen, weil ich wusste ich bin kurz danach wieder wach, alles ist nass und die Drainage brennt wie Ar*** (Die Stelle war auch sehr geschwollen, fühlte sich unglaublich mies an). So hab ich dann 3-4 Klamottensätze am Tag verbraten, gefühlt 4 Stunden geschlafen über die Woche verteilt und irgendwann Gedanken gehabt alá "Soll ich nicht einfach aus dem Fenster hüpfen?". Schmerz und Schlafentzug zusammen sind unglaublich kontra-produktiv...Irgendwann war der Heilungsprozess dann anscheinend doch so weit fortgeschritten, das ich entlassen werden konnte (Entzündungswert gerade ausreichend, was mir aber zu dem Zeitpunkt vollkommen egal war, da ich einfach nur aus dem Laden raus musste, sonst wär ich tatsächlich noch Irre geworden). Immerhin war ich dann schon einmal zu Hause. Jedoch blieb das Schlaf-Problem, rechte Seite war tabu, fühlte sich an als ob irgend nen Wasserlager in der Hälfte hin-und her schwappte, widerlich und unerträglich (spätere Diagnose Bluterguss unterhalb der Herzspitze) und das klatschnass aufwachen nach 1-2 Stunden Schlaf behielt ich auch noch einen weiteren Monat bei. Da saß ich dann zu Hause, Job weg, am rum krebsen wie Gott-weiß-was und demotiviert ohne Ende. Zu dem Zeitpunkt (Ja, irgendwo schwach) wie soll ich das sagen...ist anscheinend irgendwas innerlich...zerrissen? Ich hab mich zurück gezogen, nicht auf meinen Bekanntenkreis reagiert, bin nicht einmal zum Amt gegangen (was ich auf Grund der Job Situation definitv hätte machen sollen) und mein sauer angespartes Kapital verbraucht, bis ich sogar in die Schulden gegangen bin. Irgendwie ging mir alles am Ar*** vorbei, kein Antrieb...auch auf Nachrichten von Freunden reagierte ich nicht mehr, hab die teils aufpoppen sehen "Was ist los?" ..."Warum antwortest du nicht?" ..."Toller Freund bist du, nicht mal antworten, das ist die Krönung..." ich saß auf einem gigantischen Scherbenhaufen den ich selber angehäuft hatte...Irgendwann (und ich bin froh das es so kam) konnte ich mich dann doch nicht mehr verstecken und sprach mich mit meinen Eltern aus, sprach mit einem uhm..."Spezialisten" aus dem Bekanntenkreis und bekam Gott-sei-dank wieder die Kurve...So bin ich gerade dabei alles zu kitten was ich kaputt gemacht habe und es geht bergauf, dank sportlicher Aktivitäten werd ich langsam fitter und da ich die besten Kollegen der Welt habe läuft das auch wieder...Also alles in allem war der Pneu eine FÜRCHTERLICHE Erfahrung, tatsächlich im Endeffekt mehr Psychisch als Physisch. Sorry das es so viel geworden ist...aber wenn ich einmal anfange zu Schreiben finde ich irgendwie kein Ende und schweife auch einmal gerne viel ab ;)
*Edit* ein halbes Jahr später immer noch taube Stellen in der linken Brust, teils ziepen, tippe auch auf Nervenschäden.

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