Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

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Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon Mausi » Mittwoch 3. April 2013, 06:03

Hier möchte ich euch meine Erfahrungen zum Thema Spontanpneu schildern. Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich überhaupt noch im Stande sein würde, dies heute auf zu schreiben...aber lest selbst. Ich versuche in ein wenig lockerem Stil zu schreiben und hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel. Es hilft mir einfach beim verarbeiten... Ich schlepp' das schon solange mit mir herum...

Es war am 4. August 2002. Ein warmer Spätsommertag um die Mittagszeit und ich war gerade auf dem Weg vom Supermarkt zurück in die Praxis. Meine Kolleginnen und Chefs hatten mir -wie jeden Tag nach dem Fußboden-wischen, Fenster-putzen und Toiletten-scheuern- die Aufgabe erteilt, für sie einkaufen zu gehen. Eigentlich wollte ich eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin machen und nicht private Einkäuferin werden, aber egal. Was tut man nicht alles, nur weil man Angst hat, seinen Job zu verlieren... Einmal hatte ich schließlich schon Ärger + Abmahnung bekommen, weil ich mich geweigert hatte, in den Müllkontainer zu kriechen und gebrauchte Spritzen bzw. Nadeln heraus zu sammeln. Nun ja. Ich war jedenfalls gerade voll bepackt wie ein Maulesel mit mehreren Tüten und Taschen, inclusive Rucksack auf dem Rücken, als ich plötzlich einen stechenden Schmerz in der Brust spürte, der sich über die gesamte rechte Seite bis in den Rücken zog. "Nanu, was war denn das?" dachte ich bei mir und blieb kurz stehen. Hatte ich mich verhoben oder so? "Seltsame Sache." dachte ich, aber ich ignoriert das ständig stärker werdende Ziehen. Also schleppte ich die Tüten und Taschen weiter bis zur Praxis.

Dort angekommen war ich schweißgebadet und konnte kaum noch aufrecht stehen. Mittlerweile bekam ich auch kaum noch Luft. Ich sagte das natürlich meiner Chefin und sie tat ganz fürsorglich und meinte, ich solle mich erstmal hinsetzen und sie hätte da etwas, was mir helfen würde. Daraufhin gab sie mir mit einem fiesesn Grinsen im Gesicht eine grüne, schleimige Halsschmerztablette zum lutschen! Ich guckte sie an wie ein Kuh wenn es donnert... "Ich habe keine Halsschmerzen. Ich bekomme keine Luft!" keuchte ich völlig außer Atem, denn mittlerweile tat sogar der kleinste Atemzug richtig weh. Sowas hatte ich noch nie erlebt. Egal was ich sagte, egal wie blass ich war, ich musste trotzdem weiter arbeiten bis Feierabend. Dinge, die ich sonst in 2 Minuten erledigte, dauerten nun plötzlich ewig und mehrmals hatte ich das Gefühl, ohnmächtig zu werden.

Nach Feierabend holte mich mein Vater von der Arbeit ab. Er merkte, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte und fragte dann auch direkt nach, was los sei. ich erklärte ihm, dass ich schlecht Luft bekäme und jeder Atemzug einen stechenden Schmerz im Brustkorb und in der Seite verursachen würde. Mein Vater war ziemlich besorgt deswegen, meinte aber, da jetzt eh alle Ärzte zu hätten, sollte ich am nächsten Morgen gleich zum Hausarzt gehen und das checken lassen. Meine Mutter war derselben Meinung. Die Nacht verbrachte ich mehr oder weniger heulend vor Schmerzen und war deshalb sehr froh, als ich am nächsten morgen bei meiner Hausärztin gleich früh um 8:00 Uhr dran kam, auch ohne Termin. Natürlich hatte ich vorher bei der Arbeit bescheid gesagt, dass ich zum Arzt gehe, aber außer einem vorwurfvollen "Na DU stellst dich an...wegen ner Erkältung zum Arzt...Naja, ist ja DEIN Problem!" bekam ich nichts weiter zu hören.

Bei meiner Hausärztin wurde ich gleich abgehört und abgeklopft. Sie zog plötzlich seltsam die Augenbrauen zusammen und sagte zu mir, ich solle bitte einmal so tief einatmen, wie es mir möglich sei. Das tat ich auch, aber dann wurde mir plötzlich schwarz vor Augen. Ich hörte nur noch wie die Stimme meiner Ärztin von ganz weit weg rief: "Rettungswagen!" Dann wurde es schwarz.

Im Rettungswagen kam ich durch das durchdringende "Taaatüüüüü-taaataaaaaaa" wieder zu mir und sofort redete eine männliche Stimme auf mich ein. Dass ich bloß nicht wieder einschlafen solle, wurde mir gesagt, dass ich irgendetwas erzählen solle, ein Lied singen oder sonstwas, aber ja nicht einschlafen! "Was wird das hier, wenn's fertig is'?" fragte ich benommen und wollte trotzdem einfach nur schlafen... ich war so müde... Mir wurden ein paar medizinische Fachbegriffe gesagt (die ich heute nicht mehr wiedergeben kann, weil ich anscheinend doch schon recht weggetreten war) und ich nickte "Aha." Ich wurde ein paar Dinge gefragt und ich antwortete auch brav. Auf die Frage, ob ich Schmerzen hätte, hätte ich am liebsten laut aufgelacht... Nachdem ich (wie ich später erfuhr) nach exakt 9 Minuten Fahrt -für eine Strecke für die man normalerweise ca. 35 Minuten benötigt- im Krankenhaus angkommen war, ging es sofort in den Not-OP.

Als ich wieder zu mir kam, spürte ich einen seltsamen Druck im Rücken, als ob ich auf einem Stein liegen würde. Ich drehte mich ein wenig, um das störende Ding zu beseitigen, aber das ging nicht. Doh...oh Wunder! Ich konnte schmerzfrei atmen! Welch ein Segen, welch eine Erleichterung! Mit der linken Hand griff ich an meine rechte Seite, weil da etwas stach und "zwiebelte" und ich wollte das "Etwas" wegnehmen, doch eine freundliche, weibliche Stimme ermahnte mich, dass ich das bleiben lassen sollte. Das müsste alles so sein, wie es jetzt ist und ich solle doch ruhig noch ein wenig schlafen. Ich war zu benebelt um etwas zu erwidern und war einfach nur froh, dass ich keine Schmerzen mehr beim Atmen hatte.

Als ich aufwachte (diesmal richtig) war ich in einem großen 6-Bett-Zimmer auf Station und bemerkte, dass ich meinen rechten Arm nicht richtig bewegen konnte. Wenn ich ihn heben wollte, verursachte das einen ziehenden Schmerz in der seitlichen Rippengegend. Außerdem fiel mir auf, dass da ein Schlauch in meiner Seite steckte, der mit 2 großen Flaschen mit Skalen drauf, verbunden war. Neben mir lag eine ältere Frau so um die 70, die mich gleich fröhlich angrinste. "Na? Wieder unter den Lebenden? Ich heiße Waltraut (Name geändert), kannst ruhig DU und Waldi zu mir sagen und morgen wird mir die Schilddrüse entfernt." So plauderte das muntere Frauchen auf mich ein und ich fühlte mich irgendwie wohl dabei. Sie war freundlich zu mir, verstand mich auch ohne, dass ich etwas sagen musste und half mir an diesem Tag wirklich sehr! Sie brachte mir etwas zu trinken, Taschentücher, einen Wachlappen, was auch immer ich gerade brauchte. Ich fragte sie, ob sie denn wisse, ob man meinen Eltern schon bescheid gegeben hätte, was mit mir los sei und wo ich zu finden sei. Das wußte sie nicht, aber sie marschierte gleich ins Schwesternzimmer und fragte nach. Kaum war "Waldi" wieder da, klopfte es an der Tür und meine Eltern kamen herein.

Kurz darauf stapfte ein nach Arzt aussehendes, männliches Wesen ins Zimmer und brüllte (sicherlich nicht mit Absicht) durch den Raum, wie es mir denn ginge. "Keine Ahnung." bermekte ich schüchtern und fügte ein wenig ironisch hinzu: "Ich denk mal nicht so gut, sonst wär ich wohl nicht hier, oder?" Das Wesen in weiß lachte und stellte sich als Dr. P. vor, Thoraxchirurg und für meine Behandlung zuständig. Er erklärte mir und meinen Eltern, was mir denn nun genau fehlte und warum ich hier lag und vor allem, warum ich an diese komischen Flaschen angeschlossen war. Das ganze krönte er mit den Worten: "Na, da hast du ja noch mal Glück gehabt. Das hätte auch anders ausgehen können." und verschwand wieder. Meine Mama war mittlerweile hauchzart grünlich im Gesicht und auch mein Papa schnappte nach Luft. "Oh, das klang ja jetzt nicht so toll..." mischte sich "Waldi" ein: "aber das wird schon wieder. Die kriegen dich wieder auf die Beine, wirst schon sehen!" Daran zweifelte ich nicht!

3 Tage später
Nach dem Mittagessen holte mich Schwester "Maren" ab zum Röntgen 3 Etagen tiefer. Weil ich nicht laufen durfte, musste ich in einem Rollstuhl dorthin gebracht werden. Und das wo ich Aufzüge doch schon im Stehen nicht leiden konnte...baah! Beim Rötgen angekommen, hieß es, dass ich kurz warten müsse. Fast 1 Stunde später kam ich dran! "Tief einatmen, Luft anhalten....*mööööp*....und weiter atmen. Und von vorne nochmal. Tief einatmen, Luft anhalten....*möööööp*...und weiter atmen. So das war's. Sie können wieder zurück." Na toll... Für diese 2 Bildchen hatte ich nun so lange dort rumgesessen!

Zurück auf Station erklärte man mir einfühlsam, dass man mir eigentlich heute die Drainage abklemmen wollte, aber aufgrund des Ergebnisses beim Röntgen, damit lieber doch noch etwas warten wollte. "Naja, das soll ja schon alles richtig heile sein, bevor man das Ding rausmacht, ne. Ist schon Ok." meinte ich und glaubte felsenfest daran, dass ich in wenigen Tagen diesen blöden Schlauch los sein würde. Wie sehr ich mich irrte, wußte ich ja noch nicht...
Abends meckerte ich mich bei meinen Eltern aus, weil ich beim Röntgen so lange warten musste und weil mir die Situation überhaupt schon ein wenig auf den Keks ging. Der Schlauch tat weh im Rücken, die Wunde war leicht entzündet und meinen rechten Arm konnte ich immernoch nicht richtig bewegen.

Mit "Waldi" -die mittlerweile gemerkt hatte, dass ich auch durchaus rebellisch sein konnte- machte ich aus, dass ich dennoch sehr taper sein wollte und alles genau so machen wollte, wie es die Ärzte, Schwestern und Pfeger mir sagten.

Ein paar Tage darauf brachte mich eine doppelseitige Lungenentzündung für fast 2 Wochen auf die Intensivstation. Die Drainage blieb...

Auf der Intensivstation ging es mir dreckig. Nicht nur die Tatsache, dass ich mich absolut besch...eiden fühlte, sondern auch, dass die Dame neben mir mitten in der Nacht einen Kollaps erlitt und beatmet werden musste, machte mir sehr zu schaffen. Ich bekam eine wahnsinnige Angst, dass mir das auch passieren könnte... Meine Eltern besuchten mich zwar weiterhin jeden Tag, aber auch ihnen ging die Stimmung und die Situation auf der Intensiv sehr an die Nieren...

Irgendwann wurde ich aber wieder zurück auf die normale Station verlegt. Dort fand ich mein Zimmer fast voll belegt. "Irmgard" eine ältere Dame, "Jana" eine Frau Anfang 20, "Nina" ein Mädchen in meinem Alter und ich. Niemand von uns konnte bzw. durfte wirklich aufstehen, 2 waren frisch operiert und "Jana" und ich waren ja auch gerade von den Intensiv runter. "Waldi" war mittlerweile entlassen worden.

Ich bekam nach ein paar Tagen aber wieder gute Laune, denn mit mir ging es langsam aufwärts, wie es schien. Die Drainage tat kaum noch weh, ich konnte meinen Arm langsam wieder bewegen und als man mir sagte, dass ich nun auch endlich aufstehen und herumgehen dürfe, war ich nicht mehr zu halten. Ich ging für die Anderen Wasser holen, brachte die Tabletts vom Essen weg, organisierte Lesestoff und einmal leistete sich die Nachtschwester mit mir sogar eine Partie Räuberrommee, weil ich nicht schlafen konnte, die anderen nicht stören wollte und sie gerade Zeit hatte.

So verging die Zeit, bis zu dem Tag Ende September, als mein behandelnder Arzt nach dem Röntgen zu mir kam und behutsam zu mir sagte, dass es wohl Komplikationen bei mir gäbe und ich operiert werden müsse. "Wieso denn das?" fragte ich erschüttert. Ich fühlte mich doch gut, hatte kaum noch Schmerzen und selbst die "Sauganlage" an meiner Seite nervte mich nicht mehr. Allerdings hatte ich scheußlichen Husten bekommen, was mir wohl zu denken hätte geben sollen...Doch mein Arzt machte meinen Opptimismus zunichte, denn er erklärte, dass durch die Lungenentzündung wohl etwas nicht so laufen würde, wie es eigentlich sollte... Offenbar -so erklärte er- sei auf den Röntgenbildern zu sehen, dass der Schlauch nicht mehr einwandfrei vom Lungengewebe abgerenzt sei, was auf eine Komplikation hindeuten würde. Das sei soweit aber nichts schlimmes und man könne das mit einer kleinen OP rasch beheben, versuchte er mich aufzubauen und die Situation zu entschärfen. Ich verstand nur Bahnhof. "Ist das Ding etwa festgewachsen und Sie wollen es jetzt rausschneiden? Oder wie soll ich das verstehen?" fragte ich verwirrt und erschrocken mit meinem begrenzten Medizinwissen. "Das ist so zwar nicht ganz richtig, aber...im Groben kann man das so sagen...ja." ... "Schei*e..."

Schon am nächsten Tag wurde ich morgens um 9:00 uhr in den OP gebracht. Als ich zu mir kam, war es kurz nach 18:00 Uhr... Das Erste was ich sah, war meine Mama, die verweinte Augen hatte und mein Papa, der unruhig im Zimmer auf und ab lief. "Na ihr beiden, alles klar..." nuschelte ich benommen von der Narkose. "Alles ist gut. Schlaf weiter." hörte ich Mama ganz leise sagen. Das tat ich dann auch.

Am nächsten Tag erfuhr ich, warum meine Eltern so extrem besorgt waren. Man hatte die Drainage neu legen müssen, da man mir bei der Entfernung ein Stückchen Lungengewebe mit rausgerissen hatte. Der Schlauch war durch die Lungenentzündung so mit dem Gewebe verklebt gewesen, das es nicht anders ging. Das hieß für mich strenge Bettruhe, wieder Schmerzen ohne Ende und an Entlassung war erstmal nicht mehr zu denken. Es war aber schon Ende September!

Mitte Oktober musste ich erneut in den OP. Diesmal wollte man meine Lunge "festkleben", wie der Arzt mir sagte, damit ich nun endlich gesund werden würde. "OK." dachte ich, "die werden schon wissen was sie tun." Als ich aus der Narkose aufwachte, dachte ich, mein letztes Stündlein hat geschlagen... alles was ich bisher an Schmerzen gehabt hatte, kam bei weitem nicht an das heran, was ich JETZT ausstehen musste... Als ich um Schmerzmittel flehte (das hatte ich noch nie vorher getan...) bekam ich sofort Morphium gespritzt und mir wurde erklärt, dass man mir etwas "ätzendes in die Lunge gespritzt" habe, damit sie nicht wieder zusammenfallen könne und dass daher die Schmerzen kämen. Das war mir in dem Moment aber völlig egal...ich wollte nur, dass der Schmerz aufhörte! Als das Morphium wirkte, weinte ich vor Erleichterung...

Nach widerum einigen Tagen -es war mittlerweile Anfang November-, als man erneut ein Kontrollbild beim Röntgen machte und wieder nichts positives zu vermelden war, flippte ich aus. Ich wollte nicht mehr hier sein! Ich wollte endlich gesund werden und nach Hause! Ich schrie Schwester "Maren" an, sie solle mich in Frieden lassen und den "Fraß" wieder mitnehmen, als sie mir das Mittagessen brachte, den völlig unschuldigen Stationsarzt, der zufällig vorbei kam, nannte ich einen "unfähigen Flegel" und meinen behandelnden Arzt bezeichnete ich als "Pfuscher"...ich drehte schlicht und einfach durch... Ich fing beinahe an zu randalieren und nur mein Besuch (mein damaliger Tanzpartner und bester Freund) konnte mich davon abhalten, das Zimmer zu ramponieren. "Lassen Sie nur, das ist schon OK. Wir verstehen das vollkommen." wurde ihm von der Schwester gesagt und sie fügte hinzu "Nach so langer Zeit hier ohne Besserung kriegen viele Patienten einen Nervenzusammenbruch. Krankenhauskoller nennen wir das. Das ist völlig normal. Ich würde mich eher wundern, wenn der Koller nicht gekommen wäre." Als ich mich ausgetobt hatte und wieder ruhiger wurde, gab mir Schwester "Maren" lächelnd ein Glas Wasser. "Geht's wieder?" fragte sie freundlich und umarmte mich. Ich nickte nur, weil ich mich irgendwie noch mieser fühlte als zuvor. Nicht nur, dass ich beinahe das Zimmer auseinander genommen hätte, nein, ich hatte auch noch völlig unschuldige beschimpft und meinen heilenden Engel Dr. P. einen Pfuscher genannt... Es tat mir echt leid und ich entschuldigte mich dann auch dafür. Schwester "Maren" winkte nur lächend ab und meinte, es sei schon alles gut.

Mitte November erfolgte dann wieder ein Versuch, die Saugung abzuklemmen. Erst sah alles ganz gut aus, aber das Kontrollbild zeigte wieder...*seufz*. Zu allem Überfluss fesselte mich eine erneute Lungenentzündung wieder für fast 2 Wochen ans Bett und brachte mir auch wieder ein paar Tage Intensivstation ein. Mittlerweile war mir alles egal... ich hatte es aufgegeben, daran zu glauben, dass ich das Krankenhaus überhaupt in diesem Jahr noch verlassen würde und richtete mich seelisch und moralisch auf ein Weihnachtsfest auf Station ein.

Meine Kolleginnen und Chefs, die sich vorher keinen Pfifferling darum geschert hatten, wie es mir ging, fielen plötzlich in Scharen über mich her. Fast jeden Tag stand mindestens eine von ihnen an meinem Bett (außer der Zahnarzt persönlich) und fragte mich Dinge wie "Was ist denn das für'n ekliges Zeug da in den Flaschen? Wird das noch mal was, dass du mal wieder zur Arbeit kommst? Bald ist Weihnachten und wir haben Notdienst...hast du das vergessen? Meinst du nicht, dass du es ein bisschen übertreibst, solange hier drin zu bleiben wegen 'ner Erkältung?" Ich hätte schreien können!!! Ich hatte keine simple Erkältung! Irgendwann reichte es mir und ich fauchte meine Kollegin -die mich mit verzogenem Gesicht fragte, ob ich nicht mal langsam "dieses Ding da" abnehmen wollte und "April-April" rufen wollte- an, dass ich gerne mit ihr tauschen würde und dass sie jetzt gefälligst gehen solle "RAUS! Aber ein bisschen plötzlich!"

Die weitere Zeit verlief friedlich (was nicht zuletzt daran lag, dass meine Kolleginnen ihre Besuche bei mir eingestellt hatten), aber meine Stimmung wurde immer gedrückter. Ich aß kaum noch, tat nur noch das was man mir sagte und ließ alles mit mir machen. "Es wird schon seinen Sinn und Zweck haben" sagte ich mir immer, wenn etwas Neues mit mir gemacht werden sollte. Ich kam mir irgendwie vor wie ein Versuchskaninchen, aber ich hatte das Nachdenken aufgegeben. Mittlerweile hatte man mich auch zum Inhalieren verdonnert, aber auch das brachte nur begrenzt Besserung. Auch meine Eltern konnten mir nicht helfen. Sie merkten, dass ich langsam aufgab, aber sie konnten nichts dagegen tun. Wenn sie mir erzählten, was zu Hause alles auf mich wartete, schaltete ich total auf Durchzug.

Irgendwann im Dezember glaubte ich, dass ich dieses Krankenhaus nicht mehr auf eigenen Beinen verlassen würde. Es stellte sich ja keine Besserung ein...

Kurz vor Weihnachten, am 21.12.2002, wurde ich erneut zum Kontroll-Röntgen gebracht, nachdem die Saugung abgeklemmt worden war. ich rechnete natürlich wieder mit einem Rückschlag und... Doch dieses Mal.....oh Wunder! war alles so, wie es sein sollte! Alles sah gut aus! Und endlich, endlich am 22.12.2002 war es dann soweit. Die Drainage konnte gezogen werden...und es war die Hölle! Eine gerade fertig ausgebildete Schwester wurde mit dieser Aufgabe betraut und ein Arzt im Praktikum sollte die Aufsicht machen. Der jedoch interessierte sich mehr für meinen Busen als für die Drainage und das, was die Schwester mit mir tat und so ist es wohl kein Wunder, dass ich bei der Prozedur die halbe Station zusammenschrie...

Am 23.12.2002 konnte ich endlich entlassen werden.... nach über 4 Monaten!

Ich hoffe ihr versteht nun, warum ich diese Erlebnisse auch nach so langer Zeit noch nicht verarbeitet habe... Ich bin zwar in entsprechender Behandlung, aber es tut gut, es mal aufzuschreiben...

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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon ela65 » Mittwoch 3. April 2013, 14:00

Hallöchen,
es tut mir sehr, sehr leid, dass du das alles erleben musstest. Gut das du uns hier gefunden hast, viele haben - wahrscheinlich nicht ganz so schlimm wie du, aber ähnlich - auch diese Erlebnisse gehabt und müssen sie verarbeiten. Das einzige was ich dir wirklich sagen bzw. raten kann ist: ablenken, ablenken, ablenken. Und an die Zeit glauben. Denn die hilft vielen hier das ganze erlebte zu verarbeiten. Sonst gibt es nicht viel. Es war bei uns so, und bei vielen anderen auch. Du hast ja ein 7-jähriges Kind. Konzentrier dich darauf. Was anderes gibt es nicht als RAt. Gut, dass du alles mal niedergeschrieben hast. So bist du es schonmal ein wenig losgeworden. Solltest du noch irgendwelche Fragen haben, oder einfach nochmal noch andere Dinge loswerden, dann melde dich ruhig. Es ist ein sehr einschneidendes ERlebnis. Ich hoffe du wirst irgendwann alles gut verarbeitet haben.
Lass den KOpf nicht hängen.
LG ela :lol:

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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon Laser » Mittwoch 3. April 2013, 21:14

Hallo,

hört sich alles nicht schön an. Gut das es bei dir jetzt auch aufwärts geht.
Das eine Schwester die Drainage zieht, habe ich hier glaube ich bis jetzt nicht gehört.

Warst du in ein Krankenhaus mit einer Thoraxchirurgischen Abteilung oder eine Thoraxklinik?
Oder warst du in ein "normales" Krankenhaus ohne entsprechende Einrichtung.

Viele Grüße und Gute Besserung

Mausi
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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon Mausi » Donnerstag 4. April 2013, 16:09

Ich hab in einem...ja, wie soll man es sagen...ich sag mal "normalem" Krankenhaus gelegen, auf der Chirurgie. Es war keine direkte Thoraxchirurgie-Station und auch sicherlich kein Behandlungsschwerpunkt. Auch ein paar Fälle, die eigentlich auf die "Innere" gehört hätten, waren auf der Station vertreten. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich im Laufe der Zeit mit mehreren "Blinddarmentzündung-Patienten", x "Gallenstein-Patienten", 4 oder 5 "Schilddrüsenerkrankung-Patienten" und was-weiß-ich-wievielen "Nierenstein-Patienten" zusammen auf dem Zimmer lag, aber nicht ein einziger weiterer "Pneu-Patient" dazu kam. Ich sage das so, weil über die einzelnen Patienten tatsächlich nur so gesprochen wurde und ich nicht mehr alle Namen weiß. Da hieß es dann "Die Gallenstein-Patientin von Zimmer 16 wird morgen entlassen." und so. Außer mir waren -soweit ich das gesehen habe - in der ganzen Zeit nur 2 weitere Pneu-Patienten auf der Station.

2 spezielle Thoraxchirurgen waren dort angestellt und einer davon war "meiner". Ein Weiterer machte gerade eine Fortbildung oder sowas um sich auf Thorax-Operationen zu spezialisieren.

Es war irgendwie eine andere Zeit... Ich bin später noch öfter auf Besuch dort gewesen und habe einige Veränderungen mitbekommen. Heute gibt es in dem Klinikum (die sind vor Kurzem umgezogen und haben neu gebaut) eine spezielle Thorax-Klinik mit 5 oder 6 Thoraxchirurgen, Spezialeinrichtungen, Inhalations- und Sauerstoffeinrichtungen an jedem Bett usw. Sogar einen Thorax-OP (steht dran) und eine Thorax-Röntgenabteilung ("Eintritt nur für Patienten und Pflegepersonal") ist jetzt dort direkt auf Station und man muss nicht mehr "vom Dachboden in den Keller". Ich weiß das daher, weil ich neulich mal dort war als Besucherin.

Meinen 2. Pneu (linke Seite) habe ich übrigens nicht im Bericht erwähnt, weil er völlig unkompliziert nach 5 Tagen (3 Tage Bülau-Drainage, abklemmen, Kontrollbild, Schlauch ziehen, nochmal Kontrolle, Entlassung) wieder in Ordnung war. Das war knapp 1 Monat nach dem 1. Pneu. Ich hatte beim 2. auch nie Narbenschmerzen oder sonstige Beschwerden im Nachhinein, im Gegensatz zum ersten Pneu, wo ich heute noch manchmal Probleme habe (Narbenschmerzen, stechen in der Seite, ab und zu das Gefühl, dass die rechte Lunge sich nicht richtig entfaltet und hin und wieder Schnappatmung). Laut Lungenfacharzt ist aber alles in bester Ordnung.

Seitdem hab ich -Gott sei Dank- nie wieder einen Pneu gehabt.

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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon ela65 » Freitag 5. April 2013, 06:21

Hallöchen,
das wird auch hoffentlich so bleiben, dass du dieses Thema ausgestanden hast. Es hat sich seit 2002 doch wohl einiges getan bzg. Pneus. Aber auch heute haben viele hier gemerkt, dass die Ärzte nicht alles wissen darüber.
Das auf deiner Station auch Pat. mit Gallensteinen etc lagen, ist so auf einer Chirurgie. Ich arbeite dort, und da haben wir jeden Tag Leute mit Blinddarm usw. Außerdem gibt es nur selten solche Verläufe wie bei dir oder den Leuten hier. Nur hier treffen sich viele, die halt einen sehr schwierigen und langwierigen Verlauf haben.
Wünsche dir auf jeden Fall, dass du nie wieder damit zu tun haben wirst.
LG ela :roll:

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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon chu neco » Samstag 6. April 2013, 01:54

heya mausi^^

mensch, mensch.... da haste ja echt was durch gemacht :o
selten so nen komplikationsreichen Verlauf gelesen, wie er bei dir statt fand. Ich hoffe dir geht es mittlerweile wieder besser und die Schmerzen und die Erinnerungen rücken langsam in den Hintergrund.
Als ich deine Geschichte las, dachte ich nur so bei mir: "wow, ich glaube den behandelnden Arzt hätte ich persönlich, nach all den Komplikationen, nicht mehr als ""heilenden Engel"" bezeichnet".
Selbst für einen extrem großen Pneu ist dieser lange Aufenthalt in einem KH doch sehr fragwürdig. Die Komplikationen mit Pneumonie etc können meist durch profilaktische Gabe von Antibiotikum nach der Drainagelegung bzw jeglicher Art von Eingriff vermieden werden. Positionsveränderung der Drainage bei einer postoperativen Lungenentzündung ist eigentlich Standard um eben ein "festkleben" am Lungengewebe zu vermeiden. Auch ,wie Laser schon erwähnte, habe ich noch nie gehört, dass eine Schwester eine Bülau zieht. sry aber lol... was war denn in dem KH los??
Ich kann allen nur empfehlen, bei Einweisung in ein KH auf eines mit einer speziellen Thoraxchirurgie-Abteilung zu bestehen. Leider wissen viele viele auch im Jahr 2013 noch nicht, wie ein Pneumothorax richtig zu behandeln ist.
Auch ich sehe hier bei mir auf Arbeit oft Patienten auf der Inneren mit einem Pneumothorax liegen. Wir sind zwar eine Universitätsklinik aber eine spezielle Abteilung für Thoraxchirurgie haben wir auch nicht. Viele Ärzte noch in Ausbildung etc sind gerade für solche Geschichten nicht immer die optimale Lösung. Dennoch ist mir hier noch kein Fall bekannt, in dem jemand 4 Monate mit einem Pneu bei uns verbringen musste.
Du erwähntest auch "6 Bett Zimmer". Sowas ist echt krass.. Seit meiner Ausbildung habe ich maximal 3~4 Bett Zimmer gesehen. Meist aber nur 2~3 Bett.
Respekt das du das alles so durch gestanden hast. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und möglichst viel Ablenkung *^.^*
Danke für deinen Bericht!

MFG
Neco

chu neco
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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon chu neco » Samstag 6. April 2013, 07:17

chu neco hat geschrieben: Wir sind zwar eine Universitätsklinik aber eine spezielle Abteilung für Thoraxchirurgie haben wir auch nicht.
MFG
Neco


sollte heißen: "Wir haben hier zwar eine Universitätsklinik aber eine spezielle Abteilung für Thoraxchirurgie haben sie da auch nicht"

lol sry, war bisl schlaftrunken als ich das verfasst hatte xD

Laser
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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon Laser » Samstag 6. April 2013, 09:40

Hallo chu neco,

es gibt immer noch viele Kliniken, wo die Thoraxchirurgie noch mit anderen Fachgebieten zusammmen ist.
Aber auch durch die größere Komplexität auf dem Gebiet haben sich in den letzten Jahren doch einige Kliniken dazu entschieden eine eigenständige Thoraxchirurgische Abteilung (bzw. teilweise auch eine Thoraxchirurgische Klinik) zu gründen, was ich persönlich sehr gut finde.

Viele Grüße

Mausi
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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon Mausi » Samstag 13. April 2013, 05:09

Ja, mittlerweile geht es mir ganz gut. Allerdings erst, seit ich regelmäßig Traumaverarbeitung mache. Meine Therapeutin ist darin ein echtes Ass und sie ist wirklich lieb.

Ablenkung hab ich ja hier genug derzeit durch meinen Schatz undunseren Junior :D
Nur manchmal brechen die Erinnerungen noch recht heftig durch (besonders wenn jemand krank wird) und dann kommen auch "die Bilder" wieder. Deswegen mache ich um Krankenhäuser einen möglichst großen Bogen... Klar, wenn es nicht anders geht z.B. um Familienmitglieder oder gute Freunde zu besuchen, geh ich hin, aber sonst seh ich Krankenhäuser eben lieber möglichst von außen und von weit, weit weg.

Meine Mama meint zwar "Das ist jetzt schon so lange her. Du bist wieder gesund. Vergessen und vorbei." aber sowas vergisst man nicht...

ela65
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Re: Mausi's Spontanpneu...oder: 4 Monate Horror.

Beitragvon ela65 » Sonntag 14. April 2013, 18:14

Du hast Recht, so einfach ist das nicht. Und wenn du Zeit brauchst, dann nimm sie dir. Aber lass dich nicht zu sehr davon vereinnahmen. Du bist stärker als diese blöde Angst, die viele hier kennen. Du bist vielleicht einfach ein Angsttyp. Nicht jeder geht damit so einfach um. Ich kann auch noch schlecht darüber sprechen, dann passiert so einiges mit mir. Oder wenn ich im Krankenhaus - ich arbeite in der Chirurgie - einen Anruf bekomme, dass irgendetwas los ist bei uns in der FAmilie, sprich irgendjemand ist da, weil er einen Unfall o. ä. hatte, dann denke ich zuerst an unseren Sohn, und dass mit ihm wieder was ist. Ich kann aber auch nichts dagegen machen. Es kommt einfach, ohne dass ich es will. Volles Verständnis, aber versuch immer wieder, dich der Angst zu stellen. Du bist einfach stärker als diese blöde Angst. :lol: Gut, dass du daran arbeitest. Alles wird gut, dauert vielleicht nur ein bischen. Kopf hoch.
LG Ela :D


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