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8 Monate nach dem Pneu (Erfahrungsbericht)

Verfasst: Freitag 27. Juli 2012, 23:10
von chu neco
Hallo zusammen,

habe mich leider lange nicht mehr zu Wort gemeldet. Dafür erst einmal Entschuldigung ^^. Viel arbeit, Stress etc. ihr kennt das ja sicher. Danke an die Admins und Moderatoren. Denke dieses Forum ist für Betroffene ein guter Ort um sich Rat oder Tipps zu holen. Soweit ich weiß auch das einzige deutschsprachige Forum in dieser Richtung.
An dieser Stelle wollte ich einmal ein Resumé geben, wie es mir in den 8 Monaten nach dem Spontanpneu so ergangen ist. Die ersten 3 Monate waren wirklich hart. Ich habe vor meinem Pneu (Ende Oktober 2011) nicht geraucht allerdings tägl. Bong geraucht um nach der Arbeit etwas abschalten zu können. Dies habe ich nach meinem 1 wöchigen KH Aufenthalt, mit Drainage links sowie mehrfachem Nachschieben des Schlauches, auch erstmal völlig eingestellt. Kein Kiffen mehr. Die Angst eines Rezidiv war einfach zu groß. Dazu kamen auch weiterhin anhaltende Schmerzen in der Schulter bzw. an der OP-Narbe selbst. Lange Zeit war es mir auch nicht möglich auf der betroffenen Seite zu Schlafen. Aufgrund der Schmerzen war ich zum Teil gezwungen meinen linken Arm Nachts hoch zu lagern bzw. mit einem Kissen zu unterfüttern. Ein Problem ist natürlich, dass man vom Kopf her doch sehr fixiert auf das "in sich hinein horchen" ist. Oft werden dann "normale", aus der Bettlägrigkeit und Schonhaltung resultierende, Verspannungen fehl interpretiert. Man rennt doch oft zum Arzt, um nur die beruhigenden Worte zu hören, dass nichts auf dem erneut angefertigtem Röntgenbild zu sehen ist.
Ca. 4 Monate nach dem Pneu, also Anfang Februar, habe ich dann wieder langsam angefangen ab und zu vorsichtig einen kleinen Joint zu rauchen. Dabei vermieden den Rauch zu tief ein zu atmen... Das dies nicht gut ist, ist mir völlig bewusst. Normalerweise müsste ich mich aus meinem kompletten Freundes und Bekanntenkreis zurück ziehen, um nicht wieder in Versuchung zu kommen. Jedoch ist mein Pensum doch gewaltig zurück gegangen. Trotzdem Schade das ich nicht völlig davon weggekommen bin. Mangelnde Disziplin würde ich sagen^^
5 Monate nach dem Pneu (März April 2012) wurden die Schmerzen in der Brust erfreulicherweise weniger. Dennoch passe ich beim heben von Patienten mit adipösem Körpermaß doch sehr auf (ich bin Krankenpfleger und zur Zeit auf der geriatrischen Abteilung tätig). Der Grund dafür ist, dass ich nach wie vor Schmerzen habe, wenn ich mit der linken Seite Kraft ausüben muss. Angst das dann doch wieder etwas "reißen" könnte sind zwar medizinisch betrachtet eher gering aber gegeben.
8 Monate nach dem Pneu sind nach wie vor sporadische Schmerzen zu verspüren. Gerade an der Stelle wo der Schlauch in die Pleura eingeführt wurde und wo die Vernarbung des Pneus sitzt, sind sie doch teils noch recht deutlich zu merken. Auch beim heben sind sie nach wie vor doch noch zu spüren. Ich habe dann mal nach der Arbeit einen befreundeten Arzt in unserer Orthopädie aufgesucht. Ihn einfach mal um seine Meinung gebeten was er über die doch weiterhin bestehenden Schmerzen denkt. Er vermutet, dass beim legen der Drainage auch Muskulatur bzw. in diesem Bereich sitzende Nerven durchtrennt wurden, was völlig normal sein. Auch die Narbe selbst kann weiterhin durch Reibung Schmerzen verursachen. Witzig ist, dass ich nun meist zwei Tage vorher merke wenn das Wetter umschlägt. Die Wunde scheint irgendwie darauf zu reagieren o.O.. komische Sache..
Naja, alles in einem bin ich mit dem Verlauf doch sehr zufrieden. Ich kann allen Betroffenen nur den Rat geben, sich nach einem Pneu und nach der Entlassung aus dem KH doch möglichst gut abzulenken. Wie schon im Forum von anderen Usern erwähnt durch DVD, Buch lesen, Freunde besuchen, inne Stadt gehen, PC/Konsole anmachen und zocken etc etc.. Der Kopf spielt einem in den ersten paar Wochen doch stark mit.
Ich möchte auch sagen, dass ein Pneu nicht unbedingt das gesamte Leben umkrempeln muss. Es ist mit Sicherheit eine EXTREM unangenehme Geschichte, welche ein anfangs doch sehr einschränkt. Dennoch ist ein Pneu in den allermeisten Fällen keine lebensbedrohliche Sache. Schwere Fälle von Pneu (Spannungspneu) sind meist nur durch Unfälle mit äußerer mechanischer Einwirkung oder einer Vorerkrankung wie Bindegewebsschwäche kritisch. Ich muss leider in meinem Beruf oft genug Patienten sehen, die doch wahrscheinlich gerne mit uns tauschen würden^^ Auch bei Rezidiv-Pneus versuchen immer positiv zu denken und sich nicht den Lebensmut nehmen lassen. Durch schon recht simple Operationen wie Pleurodese oder das Verkleben mit Talkum, sind die Chancen auf eine vollständige Heilung doch recht gut. Solltet ihr in einem Beruf arbeiten, bei dem ihr täglich mit Stoffen und Materialien arbeiten müsst die bekannt dafür sind, die Atmungsorgane stark zu belasten, solltet ihr über eventuelle Eigenschutzmaßnahmen nachdenken wie Atemschutz etc.
Ich will euch allen Mut machen und natürlich die Daumen drücken, dass es bei euch der letzte Pneu war. *crossingfingers*

MFG euer Neco