EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

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Alessandra
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EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon Alessandra » Montag 21. September 2009, 22:57

FORTSETZUNG

Nun war ich wieder zurück, wie vor zwei Wochen. Jeden Tag das gleiche, kennt ihr den Film „und täglich grüsst das Murmeltier“? da war ich plötzlich Hauptdarstellerin. So war ich mit meinem Besuch im Spitalkaffee um etwas Abwechslung in den öden Alltag zu bringen. Ich freute mich auf mein Eis und als die nette Bedienung mir dieses auf den Tisch stellte, plötzlich „Flupp“ was war das? :shock: Ich schaute nach unten und musste feststellen, dass der Schlauch, dort wo man ihn zusammenstöpselt, auseinander gefallen war. Herjee.. ein Teil lag jetzt am Boden und der andere baumelte Herrenlos an meinem Körper.
Mein Besuch war entsetzt :o und ich versuchte wieder einmal Ruhe zu bewahren (war ein harter Kampf!). Ich stöpselte einfach die zwei Enden wieder zusammen und bat darum dass man mich mit meinem rollenden Stuhl zu Annahme fuhr. Dort angekommen geriet die Dame dann voll in Panik?! Hallo!!!! Ich versuchte Ruhe zu bewahren und sie schob mich mit 100 Sachen in meine Abteilung zurück ! Schlauch wurde abgeklemmt, desinfiziert und ich bekam ein neues Handtäschchen.

Ich musste sehr unter diesem Schlauch in meinem Körper leiden. Wenn ich Glück hatte, fand ich eine Position wo ich schmerzfrei war (meist lag ich dann irgendwie verkrümmt da). Nach dem 5. Tag blubberte es immer noch in meinem Kasten und nicht nur dort, es blubberte auf der Höhe meines Brustbeins. Der Doc meinte, der Körper versucht die Luft im Lungenraum über die Haut abzubauen. Dann mein Geburtstag im Spital. Naja, was soll´s, hätte mir eh keinen besseren Platz vorstellen können. Die Küche schickte mir einen Kuchen und ich schmiss, dank meiner Familie, eine Fete.

Jetzt machte ich mir allmählich Sorgen, denn auch nach, 8, 9 Tag immer noch das blubbern im Kasten. Dennoch hatte ein Arzt die grandiose Idee, den Bülow abzuklemmen und mal so abzuwarten was passiert. Nun hatte ich so richtig Schiss….. denn ich wurde so quasi zum Schafott geführt. Ziemlich nervös beobachtete ich die Situation. War der Schmerz wieder da? Jetzt ist er stärker, oder doch nicht? Soll ich schon klingeln? Vielleicht bilde ich mir nur ein, dass sich meine Situation verschlechtert, schlecht war sie schon. Ich klingelte, dann…ab ins Röntgen…..Befund: Lunge wieder zusammengefallen :cry: !

Den Rückschlag musste ich zuerst verdauen. Die Schwester öffnete die Klemme wieder vom Schlauch. Jetzt war mein Körper so richtig sauer, bei der kleinsten Bewegung bekam ich so eine Art Kolik. Ok, mal ein anderer Schmerz, zur Abwechslung.

Der Doc teilte mir mit, dass er nur im äussersten Notfall operieren will und dass wir deshalb noch etwas abwarten sollten. Diagnose: zu jung (schmeichelhaft :oops: )
Dann kam er doch, der Termin zur OP da sich meine Lunge nicht mehr selbstständig verschliessen wollte. Der Doc der mich operieren wollte kam vorbei und erklärte mir, was da im OP abgehen sollte. Es waren 2 Möglichkeiten - Endoskopie, falls man hier meine 2 Bläschen auf der Lunge nicht entfernen kann, die offene (der Rippe entlang aufschneiden). Ich versuchte ihm charmant zu übermitteln „Bitte geben Sie sich alle Mühe damit die erste Variante hinhaut“ er meint „ Das wird für mich eine Herausforderung sein“ OK, den hatte ich ;) .

Um 08.00 war mein OP Termin – gestriegelt und gewaschen lag ich nun im Bett und wartete, wartete, wartete………egal, hatte ja kein Date, eilt ja nicht. Um 11.00 Uhr wurde ich dann abgeholt und um 12.00 schob man mich in den OP. Oh Mann, hoffentlich hatten die schon Mittagessen, mit leerem Magen ist nicht gut arbeiten. Die OP dauerte 4 Stunden. War wohl doch harte Arbeit. Das erste nach dem Erwachen…. Schmerzen…. :x ! Ich bekam ein Tipi und konnte mir selber die Dosis der Schmerzmittel geben (leider war diese begrenzt). Als man mich abholte hörte ich die Schwester sagen „ Vorsicht mit den Medis, sie hat schon übermengen Schmerzmittel bekommen.

Zum Glück bekam ich „nur“ 2 Einschnitte. Mit Endoskopie konnte man mich zusammenflicken.
Ergebnis- Lungenspitz entfernt, 2 Blasen auf der Lunge entfernt, Rippfell aufgerauht.

Die erste Nacht war echt übel. Ich wollte einfach das Licht nicht löschen. Der Pfleger kam jede Stunde zur Kontrolle und versuchte mich ständig zu überreden, das Licht doch zu löschen (die wollten wohl Strom sparen :lol: ). Ich hatte das Gefühl, wenn das Licht ausging konnte ich nicht mehr Atmen! Doof, nicht. Um 06.00 Morgens teilte ich meiner Familie mit „ich lebe“! (ohne Rücksicht darauf, dass sie wohl über mein frühes Telefonat erschracken!)

Oja, meinen Venen. Kennt ihr Schlupfvenen? Wenn die eine Nadel sehen hauen die ab. Ich glaube die Ärzte haben schon eine Wette laufen, wer trifft und wer nicht. Meistens kam dann eine Narkoseschwester. Dazu kam, dass ich ständig verstopfte Kanülen hatte. Immer wenn die Schwester die Kanüle durchspülte und sich das Pfröpfchen löste, gab es so ne Art Stromschlag :o , wie der von einem Hüetibub (Der Draht wo die Schafe eingezäunt sind). Ergebnis – entzündete, verstopfte und falsch gestochene Venen. Einzige Lösung: auf Tabletten umstellen. Ich war echt gefrustet. Schmerz las nach.

Ich erholte mich nur langsam von der OP und als ich endlich auf der Etage etwas spazieren gehen konnte, blieb plötzlich ein Arzt stehen und sagte völlig erstaunt „ Sind sie es Frau…...“; „Ähm, ja, warum“; „Hätte sie fast nicht wieder erkannt, sie haben sich gut erholt“ Oh Mann, muss ich Scheisse ausgesehen haben. :mrgreen:

Der erste der zwei Schläuche wurde nun gezogen. Panik machte sich in mir breit, naja, hatte schliesslich schon Erfahrungen gemacht. Es waren wohl zwei Profis, dieses Mal hielten sich die Schmerzen in Grenzen.
Tage später dann der zweite. Die Ärztin meinte „Sie sind ja Profi, fangen sie schon mal an“ Hä? Was jetzt? Vor lauter Angst wusste ich nicht mehr was ich jetzt tun musste und fing einfach an ein und auszuatmen. Irgendwann hielt ich den Atem an und sie zog. Irgendwie funktionierte das ganze nicht, der Schlauch hing und ich traute mich nicht mehr einzuatmen (wäre fast erstickt), dann dieser elende Schmerz.

Ich konnte kaum laufen aber ich wollte einfach nur nach Hause, denn hier werde ich mit Sicherheit nicht gesund. Am nächsten Tag durfte ich gehen. Wurde 2 Wochen krank geschrieben und einfach so ins Leben entlassen. Nun muss ich eve zitieren, ich habe irgendwo im Forum gelesen, dass bei jedem Beinbruch und kleineren Vorfälle eine Therapie verschrieben wurde, aber hier, wo man die Atemtechnik verloren, permanente Rückenschmerzen, Angst und Brustkorbschmerzen hatte, wurde man einfach so entlassen. Unglaublich, aber bei mir war das auch so. Falls mein Bericht je ein Arzt oder ähnliche lesen sollten, schickt Pneumopatienten dringen in eine Therapie!!!!!

Ergebnis – 2 Wochen brauchte ich Hilfe, konnte nichts, aber auch gar nichts selber machen. 2 Wochen wurden dann verlängert. Immer noch sichtlich Angeschlagen ging ich wieder zur Arbeit. Dank einem Arbeitskollegen der mir empfohlen hatte, einen Physio aufzusuchen (was ich ausprobierte) geht es mir heute besser. Bin heute noch in der Physiotherapie.

Nun ist es 4.5 Monate her und mich plagen immer noch Folgen der OP. Aber hey, was soll´s, die werden mit der Zeit auch verschwinden! :)

LG Alessandra
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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon Laser » Mittwoch 23. September 2009, 21:27

Hallo Alessandra,

Hauptsache es geht dir jetzt wieder gut und du hast alles gut überstanden. Die starken Schmerzen und die ganze Angst kann ich vollkommen nachvollziehen.

Wo ich dein Bericht gelesen habe, kamen die ganzen Erinnerungen meiner Krankenhauszeit wieder hoch. :)

Aber naja was solls, man muss versuchen immer das Beste aus der Situation zu machen.

Viele Grüße

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Alessandra
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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon Alessandra » Donnerstag 24. September 2009, 21:34

Hi Laser

danke, und sorry, wollt dich nicht an diese Zeit erinnern, war keine schöne Zeit. Aber weisst du was, es war wie ne Art Befreiung, sich diese Sch..(zensiert).....öne Erfahrung von der Seele zu schreiben. ;)

LG Alessandra
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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon eve » Freitag 25. September 2009, 12:00

Hallo Alessandra

Ahhhh....Erinnerungen....Bei meiner 1. Pleurodese gingen gleich mehrere Sachen schief.
Die Lunge platzte ein paar cm unter der Tackermaschine wieder auf; stellte sich als Produktfehler raus; die Maschine machte zu enge Säume, gekräuselt anstelle von grade, die dann natürlich aufplatzten, da eine Lunge ja kein elastisches Band ist. Alles musste erweitert werden und anstelle von "nur" den blebs musste schlussendlich etwas über 10% der Lunge weggeschnitten werden.

Dann hatte ich an dem Tag meine Mens bekommen und hatte dementsprechend tiefen Blutdruck, was ich den Aerzten auch mitteilte und von denen mit diesem Blick "was weiss denn die schon?" quittiert wurde. Nach der Ops lag ich also im Aufwachraum und drückte munter die patientengesteuerte Schmerzabgabe, wann immer ich diesen blöden Knopf im Bett finden konnte. Bei jedem Drücken verringerte sich mein Blutdruck (die meisten dieser Mittel verringern den Blutdruck, was an und für sich ja gut ist, da die meisten Leute einen eher hohen Blutdruck haben). Da neben mir gerade noch jemand gestorben und ich ja ruhig war, hatten die Pfleger ein Weilchen auch keine Zeit, um bei mir zu schauen und als sie endlich merkten, dass da was nicht stimmen konnte, war der Blutdruck schon so tief, dass mein Körper angefangen zu zentralisieren (das Blut nur noch auf die Organe zu konzentrieren, die es unbedingt brauchen, wie Hirn und so). Als ich wieder aufwachte, war eine Heerschar an Aerzten und Pfleger um mein Bett, alle rannten rum und waren nervös. Die hatten über 1 Std gebraucht (min. wurde mir das später gesagt), um meinen Blutdruck von so ca. 50/30 oder noch tiefer wieder auf einen normaleren Wert zu bringen. Da sie das mit Flüssigkeitszufuhr machen, hatte ich in dieser 1 Std. ca 10kg zugenommen...ich sah aus wie ein aufgeblasener Ballon :D ....und das Schlimmste an der ganzen Sache war, dass sie mir die Schmerzmittelabgabe weggenommen hatten und ich nur noch Schmerzmittel bekam, wenn mein Blutdruck auf min. 100 war.

Da waren wir dann im Zimmer, ich im Bett, die Schwester daneben...."Frau F., ich weiss, sie haben Schmerzen, aber ich darf ihnen nichts geben; ihr Blutdruck ist erst 80/50"...grrrrr....und das alles nur, weil so ein @$%# Arzt mich nicht ernst nehmen wollte.
lg
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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon Eckus » Freitag 25. September 2009, 18:36

Das ist ja unglaublich! Was sind das denn bitte alle für Ärzte und ich dachte schon die hätten bei mir rumgefuscht...
Als ich entlassen wurde, konnte ich auch über zwei Wochen gar nichts allein. Zum einen weil ich nur noch 49kg wog und zum anderen weil ich nach jeder Bewegung erstmal nach Luft schnappen musste.
Ich glaube ich bin nach 6 Wochen dann wieder arbeiten gegangen, aber über Wiedereingliederung. Kann ich jedem nur empfehlen.

Ich drücke Dir jedenfalls die Daumen, dass das Murmeltier nie wieder auftaucht!

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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon Alessandra » Samstag 26. September 2009, 01:24

eve, Produktfehler bei der Tackermaschine :shock: :?: wollten die Möbel Polstern? Unglaublich deine Geschichte! Aber nachdem ich hier einige Berichte gelesen habe. wundert mich nichts mehr.

eckus, danke, ich habe dieses "Fich" in der Zwischenzeit ins Nirvana geschickt, da kann es in Ruhe weiterbuddeln. :lol:
CARPE DIEM!

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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon eve » Samstag 26. September 2009, 02:29

Wir vergessen oft,dass auch Aerzte Produkte wie alle anderen brauchen und ich denke, jede/r von uns hatte schon mal eine schlecht funktionierende Maschine zuhause....ich hatte da einfach Pech, aber auch Glück im Unglück, dass der Chirurg sofort richtig reagierte...alles in allem wurde aus dieser 1-2 stündigen Routineoperation eine ca. 4 stündige Angelegenheit.

Was mir viel schlimmer vokam und im Nachhinein immer noch vorkommt, war die Vorgeschichte, wo ein Chirurg im lokalen Krankenhaus fand, er könne die Pleurodese auch machen; er habe ja auch schon beim Spezialisten über die Schulter geschaut :cry: :evil: Wäre ich nicht privat versichert gewesen mit freier Arztwahl, hätte er die Chance, es mal selber zu machen, sogar bekommen.
lg
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Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier Teil II

Beitragvon Laser » Samstag 26. September 2009, 09:52

Hi Eve,

Das ist wirklich unglablich. Das man dem Patienten sowas sagen kann. Total unverantwortlich.

Viele Grüße


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