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EB - Und täglich grüsst das Murmeltier!

Verfasst: Freitag 18. September 2009, 22:44
von Alessandra
4. April 2009 / 1. Pneu

Nach einem Messebesuch, wieder Zuhause angekommen, ergriff mich plötzlich ein stechender Schmerz in der Brustgegend. Was war dass den jetzt? :o Der Schmerz wurde immer heftiger und langsam fing er an, in den linken Arm auszustrahlen und das Atmen fiel mir sichtlich schwerer. Ich ging ins Haus und als ich mich bücken wollte, hatte ich das Gefühl, mein Brustkorb explodiert. Etwas später beruhigte sich der Schmerz.

Trotzdem entschied ich mich, so 3 Stunden später, ins Spital zu fahren um der Ursache meines Schmerzes auf den Grund zu gehen. Gesagt getan! Langsam beschlich mich das Gefühl, dass das Ganze nach einem Herzinfarkt oder ähnliches aussah. Bei der Anmeldung habe ich der Dame erklärt, dass ich etwas schwer Luft bekomme und ich einfach Schmerzen im Brustkorb habe.

Nach einiger Wartezeit wurde ich in den Behandlungsraum gebeten und dort wurde mir dann gleich einen Tropf und das EKG angehängt. „Ich habe nicht vor hier zu bleiben“ sagte ich.“ Keine Angst, so schnell geht das nicht“ versicherte mir die Ärztin. Das EKG war anscheinend in Ordnung, phu, dachte ich, Schwein gehabt. Erste Diagnose: „Ist wohl ne Rippenzerrung“. Hä, von was? War doch nur auf der Messe! Vielleicht die Einkaufstaschen? :shock:
Nun stand Röntgen an. Mit einem „Stuhl auf Räder“ wurde ich zum Röntgen gefahren. Reinspazieren, einmal Lächeln, dass war´s. Obwohl, es war schon bedenklich als die Röntgenschwester meinte;“ Wie lange haben sie das schon“? Zurückgeschoben wartete ich auf den Befund.

„Leider müssen Sie hier bleiben, sie haben einen Spontanpneu und Ihre Lunge ist ganz zusammen gefallen, der Arzt wird ihnen gleich einen Bülow legen“. Ich habe was? Einen Bülow legen? Ich verstand nur Bahnhof.

Jetzt hiess es „ab ins Bett“. Zu allem Unglück hat man mir ein „Leichenhemdchen“ gebracht, welches ich doferweise verkehrt angezogen habe, wie ein Kimono. „Schwester, sie hat das Hemd verkehrt an, helfen sie ihr“. Oh Mann, dass war ja vielleicht peinlich, :oops: aber ich hatte schliesslich noch nie so ein Ding an. Mein behandelnder Arzt erklärte mir kurz, dass er die Haut betäubt und dann einen Schlauch links durch meine Rippen in den Brustkorb legt, damit die Luft im inneren entweichen kann und die Lunge sich wieder ausdehnt. OK, dachte ich, wird schon nicht so schlimm sein.

Der Arzt entschied sich dafür, dass ich ein „Schläferchen“ bekommen sollte. Das war mein Glück, wie sich später noch herausstellen sollte. Vom Eingriff habe ich nichts mitbekommen und danach wurde ich ins Röntgen geschoben um sicher zu gehen, dass der Schlauch richtig sass.

Nun lag ich im Zimmer und traute mich kaum zu Bewegen, dieses Ding in meiner Brust tat einfach nur weh, samt Schmerzmittel. So ein Mist, ich konnte mich weder nach rechts und schon gar nicht nach links drehen, da dort der Schlauch in meinem Körper verschwand. Am Ende dieses Schlauches befand sich eine art Plastikbehälter, der wohl die Luft aus der Lunge entweichen lies, aber verhinderte, dass Luft wieder in meine Lunge eintreten konnte.

Nun trug ich diesen Koffer, den ich liebevoll „mein durchsichtiges Handtäschchen nannte“ fast eine Woche mit mir.

Am fünften Tag wurde mir dann die Drainage mit einer Klemme abgeklemmt um zu testen, ob meine Lunge, welche sich in der Zwischenzeit wieder entfaltet hat, Stand hielt. Glücklicherweise war am sechsten Tag die Lunge stabil und die Ärzte entschlossen sich, meinen Schlauch zu ziehen.

Dass war die Hölle :evil: . Es braucht 2 Personen um den Schlauch zu ziehen. Einer zieht, der andere schnürt. Jetzt hatte ich so richtig Schiss, anbetracht dessen, dass ich keine örtliche Betäubung bekam. Ich musste 2 Mal ein und Ausatmen und beim 2. Ausatmen die Luft anhalten. Verunsichert fing ich an zu Atmen und schliesslich hielt ich die Luft an, jeder Teil meines Körpers war angespannt. Die Schwester zog am Schlauch und ich hatte das Gefühl, die ganzen Innereien wurden mit einem Mal aus meinem Körper gezogen. Der Arzt zog das Loch zu und ich hatte höllische Schmerzen. Jetzt wollte ich nur noch raus hier.
Endlich sagte man mir, dass ich am Freitag noch vor dem Mittag entlassen werde. Ich war echt froh, die letzte Nacht im LHK verbringen zu müssen.

Zuhause angekommen war ich geschafft, aber sichtlich froh das ganze überstanden zu haben. Die kommende Woche sollte ich noch zur Erholung Zuhause bleiben. Das Wetter war super und ich war jeden Tag im Garten :) . Mir ging es immer besser obwohl ich in einer Nacht komische, laut klopfende Geräusche in meinem Brustkorb wahrnahm. Ich dachte mir aber nichts dabei.

Sonntag 18. April 2009 / 2. Pneu
Wie aus heiterem Himmel ergriff mich schleichend ein Schmerz beim Einatmen, wieder auf der linken Seite. Diesmal begann er am Rücken unter dem Schulterblatt. Nein, dass kann jetzt nicht sein, dachte ich. Der Schmerz wurde immer stärker und konzentrierte sich Richtung Brustbein. Ich ging langsam ins Haus um mir irgendwie helfen zu lassen. „Jetzt nur keine Panik“, denn ich wusste, wenn ich in Panik gerate, würde alles nur noch schlimmer. Die Atmung wurde dann noch flacher und mir würde schwarz vor Augen werden. Ich setzte mich auf den Stuhl und vor lauter Frust und Angst erneut einen Spontanpneu zu erleiden, brach ich in Tränen aus :cry: . Das war wohl keine gute Idee, denn so hatte ich noch weniger Luft und mehr Schmerzen. Ich wollte keinen Krankenwagen und lies mich mit dem Auto ins LKH fahren. Zugegeben, unterwegs habe ich bereits meine Entscheidung bereut.

Im Krankenhaus – Notaufnahme - angekommen, war ich kaum noch in der Lage aus dem Auto auszusteigen und ich musste mich regelrecht daran festklammern. Jetzt kam der Moment, wo ich meine Panik kaum noch unterdrücken konnte. Lustigerweise waren einige Samariter und sonstige Personen in der Umgebung, aber keiner half. Erst auf bitte, kam jemand mit einem Stuhl und so wurde ich dann in die Ambulanz gebracht. Ich hatte Pech, es waren einige Notfälle reingekommen und so musste ich warten. Dann, ab zum Röntgen :geek: und wieder warten.

Es kam mir vor wie eine Ewigkeit und mein Gefühl verhiess nichts Gutes. Dann endlich, ein Arzt teilte mir mit, dass meine Lunge einen Drittel zusammengefallen war und wir jetzt die nächsten 3 Stunden abwarten sollten, ob sie weiter zusammenfällt oder ob sie in dieser Lage stabil bleibt. Wenn sie so bleibt, würden sie mir einen kleinen Schlauch beim Schlüsselbein in den Brustraum einführen um so die angesammelte Luft ableiten zu können. Im zweiten Fall bleibe nichts anderes übrig als erneut eine Drainage zu legen. Ich war am Boden zerstört versuchte aber trotzdem den Mut nicht zu verlieren.
Nun lag ich im Bett und wartete die nächsten 3 Stunden ab. Hallo!!! :!: 3 Stunden bewusst mit einem Pneu warten??? Grausam!! Erneut wurde ich zum Röntgen geschoben und wartete nun auf das Resultat. Mein Gefühl täuschte mich nicht, meine Lunge war wieder vollständig kollabiert.

Also ab in den OP Raum. Zum Glück hatte ich bei der ersten Drainage ein Schläferchen und wusste nicht was mich da erwartete. „Wir können nicht in die gleiche Wunde vom letzten Mal, wegen der Infektionsgefahr“ OK, hab ja genug Platz bei meiner Grösse, dann noch eine Narbe. Ich wurde örtlich betäubt und dann ging es los. Den Schnitt habe ich nicht gespürt, doch als das Rippfell durchstochen wurde und man mir den Schlauch in den Brustkorb legte, hätte ich am liebsten alle „gehauen“ :twisted: , die mir dass angetan haben. Ich Schrie vor Schmerzen, klar, es konnte ja auch nur die Haut zum Schnitt betäubt werden, mehr nicht. Ich litt wie ein Hund und die Ärzte konnten dass nicht verstehen. Normalerweise sei es den Pneumopatienten leichter mit der Drainage, da sie wieder genügend Luft zum Atmen hatten. Super, dachte ich, genau das brauche ich jetzt. Ob jener Arzt, welcher mir die Drainage gelegt hat auch schon eine bekommen hat, nach seinen schlauen Aussagen vermutlich nicht.

Erneut wurde ich zum Röntgen geschoben um sicherzustellen, dass der Schlauch auch richtig sass. Ich konnte mich im Bett nicht einen Millimeter bewegen und die Röntgenschwester musste mich, um die Platte unter meinem Oberkörper zu platzieren, anheben. Erneute Schreie vor Schmerzen. Auch die Dame vom Röntgen stand ratlos da und verstand nicht, warum ich so leiden musste. Dass wäre ihr erster Fall, normalerweise seien die Patienten erleichtert. Dass verstand ich nicht, erleichtert? Nicht im Geringsten. Ich würde fast behaupten, dass es mir vorher besser ging, obwohl ich wirklich nicht mehr zu gebrauchen war.

Anscheinend war schon jetzt klar, dass ich."ansonsten ein harter Knochen", definitiv eine Schmerzpatientin war. Röntgen gut, Schlauch sass, angeblich! Ich war zu diesem Zeitpunkt noch ahnungslos was mich erwarten sollte.


FORTSETZUNG FOLGT! ;)

LG Alessandra

P.S. Sorry, habs nicht kürzer geschafft :mrgreen:

Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier!

Verfasst: Samstag 19. September 2009, 09:18
von Laser
Hallo Alessandra,

Eine ziemlich mitreißende Geschichte. Bei den Schmerzen kann ich dich total verstehen, wo mir beim 2ten Pneu die Drainage gelegt wurde, konnte ich kaum noch reden vor Schmerzen.

Viele Grüße und Alles Gute

Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier!

Verfasst: Samstag 19. September 2009, 09:53
von eve
Ahh ja, die Schmerzen...bis zum Zeitpunkt der 1. Drainage wusste ich gar nicht, dass ein Körper vor Schmerzen aufhören kann zu atmen....ich hör immer noch den Arzt "Hallo, Frau ...., haben Sie Schmerzen?" und ich dachte "nein, du <zensuriert>, ich hör immer auf zu atmen, wenn es mir gut geht"....

Ich hatte einige Dainagen, aber bis auf eine taten die alle so weh, wie von dir beschrieben.

Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier!

Verfasst: Sonntag 20. September 2009, 19:07
von Bert
Hallo Alessandra,

tolle, lesenswerte (sofern man unter diesen Umständen davon reden kann) Geschichte.
Ja die schmerzen sind schon eine Sache für sich. Ist schon erstaunlich was der menschliche Körper so alles aushalten kann.

Super Forum weiter so
und allen ein gesundes und hoffentlich Pneufreies Leben :mrgreen:

Re: EB - Und täglich grüsst das Murmeltier!

Verfasst: Montag 21. September 2009, 20:28
von Alessandra
Danke für eure Antwort, also sind die Schmerzen doch so quasi "normal". Dachte schon, ich wäre mega überempfindlich und fühlte mich in manchen Situationen schon fast als Simulant abgestempelt :roll:!

LG
Alessandra