Seite 1 von 1

EB- Zweimal Spontanpneumothorax

Verfasst: Mittwoch 19. August 2009, 22:44
von simon
Hallo zusammen,

meinen ersten Pneu habe ich am 07.02.09 bekommen.
Ich bin am abend nach der Arbeit (Bürojob) nach Hause gekommen und habe etwas gegessen.
Beim Essen ist es mir plötzlich rechts in den Rücken geschossen.
Ich dachte ich hätte wieder einen eingeklemmten Nerv und habe erstmal versucht weiter zu essen und legte mir eine Wärmflasche in die Micro.
Innerhalb von fünf Minuten wurden die Schmerzen unerträglich, ich konnte weder sitzen, noch stehen, noch liegen-> der Schmerz breitete sich vom Rücken in den rechten Arm und über den gesammten Brustkorb aus.
Ich dachte schon ich bekomme einen Herzinfarkt, aber das Herz sitzt ja links..
Nun bekamm ich auch noch starke Luftnot und rief mir einen Krankenwagen.
Als dieser nach zwanzig Minuten eintarf bekamm ich Sauerstoffversorgung und auf gings zum Krankenhaus (Clemenshospital Münster), immer noch mit Verdacht auf starke Rückenprobleme.
Dort stellte man dann nach dem Röntgen fest das mein rechter Lungenflügel komplett zusammengefallen war.
Ich bekam nun mit örtlicher Beteubung eine Drainage in die seite gelegt an die eine mobile (TOP!!) Saugpumpe angeschlossen wurde. Auserdem wurde ich sofort mit starken Schmerzmitteln versorgt um mich absolut Schmerzfrei zu bekommen. Zur Kontrolle der Entfaltung der Lunge wurde nun eine weitere Röntgenaufnahme gemacht.
Am nächsten Tag wurde ich von einem sehr netten kompetenten Arzt über die weiteren möglichen Behandlunsmethoden aufgeklärt, die da waren:
1. Abwarten bis sich das Loch selbst verschließt-> Rückfallquote im ersten Jahr von 90%
2. minimal invasive Op mit Entfernung der Lungenspitze und Entfernung der Pleura (des Rippenfells) um ein verwachsen der Lunge mit dem Rippenfell zu erreichen und somit keinen PLeuraspalt mehr im gefährdeten Bereich zu haben-> Rückfallquote von 10%

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit.
Nach drei Tagen, Wochenende war dazwischen, war mein OP Termin.
Mir wurde die Lungenspitze entfernt, das Rippenfell teils "abgezogen" und das Lungenfell aufgeraut.
Zusätzlich stellte man fest das ich über alle Lungenflügel verteilt Empysemblasen habe.
Das ganze hat ca. eine Stunde gedauert. Dann kam ich für einen Tag auf die Überwachungsstation, dort durfte ich sofort wieder Essen und Trinken.
Am nächsten Tag kam ich wieder auf die Station und durfte sofort aufstehen und laufen.
Nach zwei Tagen wurde mir die Drainage gezogen und nach vier weiteren Tagen konnte ich nach Hause.
Während der ganzen Zeit wurde ich täglich geröngt, bekamm eine hervoragende Schmerzbehandlung und Physiotherapie. Die Behandlung, das Personal, das Essen, alles war Top.
Das Krankenhaus sorgte auch dafür das ich zwei Wochen später zur Reha nach Norderney konnte.
Die Reha war auch sehr gut-> siehe AHB Norderney.

Meinen zweiten Pneu habe ich vor drei Wochen bekommen. (also nach drei Monaten)
Leider wieder rechts, ich habe also die Restchance von 10% mitgenommen.
Diesen Pneu bekamm ich beim zu Bett gehen.
Da ich diesmal nur leicht schmerzen hatte und diese wieder auf der rechten Seite waren, dacht ich erst es könnte kein Pneu sein und ich hätte nur Rückenschmerzen. Ich legte mich also erstmal schlafen und fuhr erst am nächsten Morgen zur Klinik, wieder Clemenshospital. Dort stellte man nach dem Röntgen fest das ich einen Teilzusammenbruch der rechten Lunge hatte. Also wieder legen des Schlauches und ab an den mobilen Sog. Am selben Tag hatte ich noch ein Arztgespräch und man teilte mir mit das man mich diesmal offen operieren würde.
Nach vier Tagen war dann mein OP Termin und man machte mehrere Keilspitzenresktionen um möglichst alle überblähten Blasen des rechten Lungenflügels zu entfernen. Dazu wurde zwischen meinen Rippen ei ca. 20 Zentimeter grosser Schnitt gemacht, so das eien Hand gut durchging.
Das Rippenfell wurde mir diesmal komplett abgezogen so das eine vollständige Verwachsung der Lunge mit dem Rippenfehl ereicht werden sollte. Zusätzlich bekam ich zwei Drainagen gelegt. Dann kam ich einen Tag auf die Intensivstation und dann zurück auf die normale Station.
Die erste Drainage konnte nach zwei Tagen wieder entfernt werden. Die zweite behielt ich ca. 1 Woche da ich nicht dicht wurde. Man vermutete das der Schlauch genau vor einem Loch in der Lunge entlang lief und somit keine Möglichkeit des zuwachsens gegeben war. Also musste der Schlauch nochmal umgelegt werden. Falls das nicht erfolgreich sein sollte würde man mir Talkum spritzen um die Verklebung zu unterstützen.
Zum Glück war das Umlegen erfolgreich (verkleben mit Talku soll sehr schmerzhaft sein) so das mir nach drei Tagen die letzte Drainage gezogen werden konnte und nun bin ich seit letzten Mittwoch wieder zu Hause. Während der ganzen Zeit wurde wieder täglich geröngt und Physiotherapie gemacht.
Leider habe ich eine Resthöhle behalten, da mir schon zuviel Lunge fehlt. Doch auch die wird sich mit Flüssigkeit füllen und schliesslich mit Gewebe vernarben.
Nun geht es nächste Woche wieder zur Reha nach Norderney, wieder durch die Klinik angestossen.. :)

Keine Angst vor den OP´s, ich bin ein Sonderfall wegen des Empysem´s, normalerweise sind die Blasen nur in der Lungenspitze überbläht und somit führt eigentlich die minimal-inversive OP die ich beim ersten Mal hatte zum Erfolg, d.h. kein Lungenzusammenbruch mehr auf der operierten Seite ein Leben lang.

Ansonsten, wenn Ihr aus der nähe von Münster kommt fahrt ins Clemenshospital, dort seit Ihr gut, kompetent, hilfsbereit, menschlich, was soll man sagen einfach perfekt aufgehoben.

Gruss,
Simon

Re: EB- Zweimal Spontanpneumothorax

Verfasst: Donnerstag 20. August 2009, 12:01
von Nighwitch
willkommen im club der emphysem patienten :) ich hatte bisher glück und kein rezidiv obwohl laut ärzte eine rezidiv bei mir bei ca. 80% liegt, da meine blasen relativ grioß sind :)

Re: EB- Zweimal Spontanpneumothorax

Verfasst: Freitag 21. August 2009, 18:04
von carsten.heuer
Hallo,
habe ebenfalls die Erfahrung gemacht,daß die offene OP effektiver ist.Mir9 wurde die1996 die rechte Lunge
nach Totalkollaps offen operiert(hat sage und schreibe 3 Stunden gedauert),und ein Jahr später die linke Seite
mittels Schlüsselloch-OP.Rechts hat zwar die Wundheilung länger gedauert und das scheiß Taubheitsgefühl hatte ich bestimmt 7-8 Jahre,aber nie wieder einen Pneu.Auf der linken Seite habe ich seitdem schon wieder 4
Mantelpneus.Sollte das jetzt nochmal passieren,lass ich mich dort auch nochmal operieren.

Re: EB- Zweimal Spontanpneumothorax

Verfasst: Montag 24. August 2009, 22:03
von Tino_B
huhu... :)
ich hatte auf der linken seite bisher 3 pneus(rechts 2)....nach dem ersten wurde nur eine pleurodese gemacht...nach dem zweiten eine offene op mit spitzenresektion... :(
und dannach hatte ich noch einen kleinen pneu...ist aber zum glück von allein wieder zurückgegangen!!

aber mit dem krankenhaus hattest echt glück :)

lg
tino

Re: EB- Zweimal Spontanpneumothorax

Verfasst: Freitag 4. September 2009, 14:16
von Laser
Hi Leute,

Habe auch öfters gelesen das offene OPs effektiver sein sollten. Wieso eigentlich? Weißt jemand die Antwort dazu?

Gruß

Re: EB- Zweimal Spontanpneumothorax

Verfasst: Samstag 5. September 2009, 13:45
von simon
Laser hat geschrieben:Hi Leute,

Habe auch öfters gelesen das offene OPs effektiver sein sollten. Wieso eigentlich? Weißt jemand die Antwort dazu?

Gruß

Hallo zusammen,
schöne Grüsse aus der Reha von Norderney.
Offene Op´s sind effektiver weil die Ärzte die grossen Blasen besser erkennen und entfernen können. Desweiteren ist es nur bei einer offenen OP möglich wirklich das komplette Rippenfell abzuziehen (aufzurauhen) um eine wirklich vollständige Verwachsung der Lunge mit dem Rippenfell zu erreichen und somit den Pleura-Spalt komplett zu "verschwinden" zu lassen.
Bei einer Vats bleiben immer kleine nicht verwachsene Reste über. Trotzdem ist der erste Weg immer eine Vats wenn möglich, da eine offene Op immer ein grösseres Risiko darstellt.
Hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen.

Gruss,
simon