Odyssee nach Spontanpneu

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kerrhawe
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Odyssee nach Spontanpneu

Beitragvon kerrhawe » Samstag 25. Oktober 2003, 00:20

Hallo, ich bin neu im Forum also schreib ich Euch erstmal meine Erlebnisse der letzten Wochen

Vorweg etwas zu meiner Person 34 Jahre alt, Zahnarzt, 195 cm groß bei 83 kg Körpergewicht, mittleres Fitnessniveau.

Mitte September nach ganz leichtem Husten plötzliche Atemnot auf der rechten Seite. Habe mir erst gar nichts dabei gedacht, tippte auf ein leichtes Asthma, obwohl ich damit eigentlich keine Probleme bisher hatte. Bin dann noch zu einer Städtetour nach Köln aufgebrochen, bemerkte aber eine rapide Verschlechterung meiner Kondition beim Stadtbummeln.
Nach der Rückkehr am Montag gleich zum Röntgen. Diagnose Spontanpneu rechts mit nur noch 50% Lungenentfaltung aber ohne Spannungszeichen. Dann gleich ab ins Krankenhaus. Bühlau-Drainage bei örtlicher Betäubung gelegt --- nicht zur Nachahmung empfohlen, da sehr schmerzhaft! Noch beim Legen deutliches Luftentweichen aus dem Brustkorb. Kontrollröntgen mit guter Lage der Drainage. Nach acht Stunden an der Saugung schon fast vollständige Lungenentfaltung. Das wurde wieder durch Röntgen kontrolliert, da ich starke Schmerzen hatte.
Dann 4 Tage Saugung auf einer Internistischen Station mit nicht gerade vertrauenserweckendem Wissenstand der behandelnden Ärzte und Schwestern. Am 4 Tag (!) Abklemmen der Saugung mit neuem Röntgenbild OHNE vorgeschriebene Wartezeit von ca 2 Stunden (Ärtzefehler). Lunge voll entfaltet mit ganz minimalem Spitzenpneu. Am Sonnabend morgen dann Drainage gezogen und 2 Stunden später wieder erneut kompletter Pneu der rechten Seite. Am selben Abend noch neue Drainage bekommen, wieder in lokaler Betäubung, wieder Kontrollröntgen und nicht ganz so schmerzhaft. In der Nacht dann starke Atemnot mit erneutem Röntgenbild Drainage saugt nicht, ab in die Ambulanz, Drainage verschoben ------die schmerzhafteste Erfahrung meines ganzen Lebens----- das war kaum auszuhalten, fast Kreislaufkollaps erlitten und erneute Röntgenkontrolle. Trotzdem weiterhin Atemnot, schlafen nicht möglich, nur Dösen im Schneidersitz vorne übergebeugt. Ich habe dann um Verlegung auf die chirurgische Station gebeten, weil ich langsam auch vor Misstrauen gegenüber den Internisten nicht mehr schlafen konnte. Am Sonntag dann Not-CT mit Kontrastmittel ohne Befund, keine Blasen, kein gar nichts. Am Montag Gespräch mit dem Chefarzt der Chirurgie, er möchte Thorakoskopieren und die Pleura anrauen (Pleurodese) wegen der Befunde und dem geringeren Rezidivrisiko. OP am folgenden Tag gut verlaufen, einen Tag Intensivstation, dann ab auf die normale Station. Schmerzen hielten sich in Grenzen. Nach 7 Tagen Saugung neue Röntgenkontrolle (nur in einer Ebene!!!) nach Abklemmen. Es zeigte sich nur noch am unteren Lappen ein kleiner Flüssigkeitsspiegel. Der Chefarzt meinte, er könnte mich damit nach hause lassen und zog mir die Drainage. Nach 12 Stunden Röntgenkontrolle, diesmal in 2 Ebenen mit deutlichem Flüssigkeitsspiegel basal und komplett fehlender Anheftung der dorsalen (dem Rücken zugewandten) Pleura. Das hieß erneutes CT, erneute Drainage. Diesmal verlangte ich dafür aber eine Vollnarkose. Chefarzt war tierisch angefasst und enttäuscht angesichts seines Misserfolgs und erfüllte mir ab da jeden Wunsch. Also auf Intensivstation ZWEI neue Drainagen in Vollnarkose bekommen, mit spontaner Entleerung von fast 400 ml Flüssigkeit (!!!) und wieder eine Woche an die Saugung. Durfte die Intensivstation nicht mehr verlassen, er wollte kein Risiko mehr eingehen. Nach einer Woche erneut Kontrolle, dann Abstellen der Saugung. Dann drei Tage später Ziehen des ersten Drains und wieder drei Tage später ziehen des zweiten Drains, jeweils nach Röntgenkontrolle. Nach 24 Stunden erneute Röntgenkontrolle Lunge noch voll entfaltet, einen Tag später Entlassung aus dem Krankenhaus. Nach viereinhalb Wochen liegen schlechte Kondition, noch ziemliche Schmerzen an den Narben und Schnitten, besorgtes Beobachten sämtlicher Lungefunktionen, aber ansonsten recht guter Allgemeinzustand.


Also nach vier Wochen, 2 CTs, 25 Thoraxaufnahmen, z. T. höllischen Schmerzen, Todesangst erzeugender Atemnot, 5 Drainagen, 1 Lungenspiegelung, 3 Vollnarkosen und ca 100 Injektionen bin ich jetzt wieder auf dem Wege der Besserung. Habe im Netz nach einem Forum gesucht und bin froh, Euch gefunden zu haben.
Mein erster Bericht ist noch recht kurz ausgefallen, ich könnte noch Massen mehr schreiben über inkompetente, anmaßende und arrogante Ärzte und unwissenden Pflegekräften. Aber auch über hervorragende Betreuung auf der Intensivstation und sehr netten und äußerst bemühten Ärzten und Pflegekräften. Was ich in den vier Wochen erlebt habe, reicht für drei Bücher. Hauptsache nur, es hat jetzt erstmal ein Ende.

PS Wenn ihr mal ne neue Drainage wegen eines Rezidivs braucht, lasst sie Euch in einem leichten Schlaf legen, dass entspannt die ganze Sache ungemein.
Liebe Grüße an alle hier, bleibt gesund!!!

Fire
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Odyssee nach Spontanpneu

Beitragvon Fire » Samstag 25. Oktober 2003, 15:33

In welchem KKh warst du denn?

Jenny
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Odyssee nach Spontanpneu

Beitragvon Jenny » Samstag 15. November 2003, 20:06

Deine Geschichte hat mich echt geschockt. Besonders interessant finde ich auch, dass du als Arzt, also gewissermaßen als Insider, deine wirklich erschreckenden Erfahrungen schilderst. Danke für deinen lesenswerten Bericht.

Auf die drei Bücher bin ich wirklich gespannt . D Mir hat es zumindest gut getan mir das Erlebte mal ansatzweise von der Seele zu schreiben.

Lieber Gruß
Jenny


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