Anfrage als nicht selbst Betroffener

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betta
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Anfrage als nicht selbst Betroffener

Beitragvon betta » Dienstag 24. Juli 2007, 19:11

Hallo @all,

ich habe hier keine Rubrik für Angehörige gefunden, hoffe aber, dass mir trotzdem jemand eine kurze Frage beantworten kann.

kurze Zusammenfassung "meines" Problems:

- mein Mann (47, normalgewichtig) hatte im März 07 einen Spontanpneu auf der rechten Seite
--> Drainage gelegt; einige Tage im KH - alles wieder i. O.

- letzte Woche (Donnerstag) nach unterschwelligen Beschwerden zum Hausarzt --> Röntgenbild --> Einweisung ins KH --> keine Drainage, weil nicht genügend Luft zum Absaugen, trotzdem im KH verblieben, um OP durchführen zu können, wenn Chefarzt aus Urlaub zurück

- Sonntag dann doch Drainage, weil "plötzlich" doch zuviel Luft --> die auf gestern angesetzte OP heute durchgeführt (Chefarzt inzwischen aus Urlaub zurück)

Meine Frage wäre: Ich hab hier irgendwo gelesen, dass die videoassistierte Thorakoskopie 20-30 Minuten dauert, bei ihm war eine Stunde eingeplant. Daraus wurden dann zwei Stunden und jetzt liegt er auf der Intensivstation (wahrscheinlich für zwei bis drei Tage).

Ausser, dass alles gut gelaufen sei, habe ich keine Informationen darüber, was in der Zeit bzw. überhaupt gemacht wurde.

Von wem könnte man denn diese Infos erhalten oder wer hat eine Ahnung, warum das so lange gedauert hat und muss ich mir Sorgen machen?

Wenn jemand eine Idee hätte oder einen Link über die konkrete Durchführung solcher Operationen, würde mir das sehr weiterhelfen - sitze hier irgendwie ratlos rum ...

Vielen Dank schonmal und Grüße

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eve
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Re: Anfrage als nicht selbst Betroffener

Beitragvon eve » Dienstag 24. Juli 2007, 22:07

Hallo betta

Ich wünsch dir viel Kraft; ich habe manchmal das Gefühl, es sei schwieriger, Freund/in oder Angehörige zu sein als Patient/in.

die VATS dauert so ca. 50 Min reine Operationszeit. Mit Vorbereitung und Aufwachen ist ein Patient gut 2 -3 Std "weg"...das könnte also ein Grund gewesen sein. Oder man fand während der Ops, dass es aufwändiger werde als vorher geplant oder es passierte etwas (z.B. bei mir riss bei der 1. Pleurodese die Lunge unterhalb der Narbe wieder auf, so dass die 1. Pleurodese ca. 2-3mal so lange wie original geplant ging). Wenn der Patient nach der Ops aufwacht, ist alles mehr oder weniger gut gelaufen.

Dass jemand nach der Ops auf die Intensivstation kommt, ist noch öfters der Fall. Die IPS erlaubt eine bessere Ueberwachung als die normale Bettenstation.

Obwohl das nicht sehr nett von den Aerzten ist, werden Bekannte und auch Angehörige oft mit "es ist alles gut verlaufen" abgespeist. Frag deinen Mann, er solle den Operationsbericht verlangen, da ihr nur dann wisst, was wirklich gelaufen ist.

Wenn du selber suchen möchtest, such nach VATS. Meine Links sind hauptsächlich in englisch Mayo Klinik Kurzbeschreibung (englisch) ist einer, den ich auf die Schnelle gefunden habe, evtl. haben andere noch bessere Links.

Alles in allem geht eine Operation so vor sich, dass der Patient ca. 3/4 Std vorher eine Pille nehmen muss, um entspannt zu werden. Je nach Land heisst diese Pille anders, hier z.B. Dormicum. Ca. 1/2 Std bis 20 Min vor der Ops kommt man in die Vorbereitung, wo alle Kanülen gesteckt werden und die Anästhesie eingeleitet wied. Das Spezielle bei einer Lungenoperation ist, dass ein Arterienkatheter gelegt wird. Da kann es zu Verzögerungen kommen, da das legen eines Arterienkatheter u.U. Probleme bereitet (bei der letzten Pleurodese kam brachte man den an meinem Arm nicht rein, so dass man auf die Arterie in der Lende auswich; als ich einschlief, war er immer noch beim Arm am Ueben). Nach so ca. 20 Min - 3/4 Std+ wird man dann, schlafend, in den Operationsaal gerollt und dort an alle Geräte angeschlossen. Ich hatte 1 Rückenoperation, da lag ich 3 Std in Vollnarkose in der Vorbereitung, da ein Notfall dazwischen kam und man mich nicht nochmals wecken wollte. Da meine Operation auch einige Std ging, fand man, es sei einfacher, ich liege dann halt 9 anstelle von 5-6 Std in Vollnarkose, als dass man mich nochmals wecke. Den Angehörigen wurde diese Verzögerung erst erzählt, als ich eigentlich schon auf der IPS hätte liegen sollen... :o
Die Operation selber dauert, abhängig von verschiedenen Faktoren (abgenommene Menge, Operateurgeschwindigkeit und -erfahrung mit den Kameras und den speziellen Instrumenten) so ca. 3/4 Std (von ca. 40 Min - 1 1/2 Std). Danach wird der Patient, je nach Operationsverlauf, extubiert und geweckt und entweder in den Aufwachraum oder direkt in die Intensivstation verlegt. Im Aufwachraum bleibt man, bis alles stabil ist, auf der IPS, bis die Dauerüberwachung nicht mehr notwendig ist (bei Pneupatienten hängt es meistens von der KH Erfahrung ab, ob jemand noch auf die IPS muss). Danach wird man auf die Bettenstation verlegt. Auf der IPS bekommt man übrigens auch die besseren (=stärkeren) Schmerzmedikamente.

Alle Klarheiten beseitigt? ;D
liebe grüsse
eve

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Re: Anfrage als nicht selbst Betroffener

Beitragvon betta » Dienstag 24. Juli 2007, 22:53

Hallo eve,

vielen, vielen Dank für die Rückantwort, konnte sie leider erst jetzt lesen und lässt mich heute Nacht wahrscheinlich etwas beruhigter ruhen, denn so richtig einschlafen werd ich wohl nicht.

Ich werde mir jetzt gleich den Link nochmal "zu Gemüte führen", obwohl du sehr gut beschrieben hast, wie so etwas abläuft.

Was ich in deinem Fall wirklich extrem fand, ist das mit den 9 Stunden Vollnarkose - wie kann denn das der Körper verkraften  - ich kann´s mir kaum vorstellen  :o.

Also, vielen Dank nochmal und Grüße aus Berlin  :)

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eve
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Re: Anfrage als nicht selbst Betroffener

Beitragvon eve » Dienstag 24. Juli 2007, 23:30

Wie gesagt, das Warten war für die Angehörigen schlimmer als es für mich war, ich schlief ja  ;)

Was das Verkraften anging, war ich damals sowieso in einem eher schlechten Zustand, da dies 1. die 3. schwere Operation innerhalb 1 Jahres war und 2. ich dem Chirurgen eine "Carte Blanche" ausstellen musste, da niemand wusste, was er vorfinden würde und welche Operation ich haben würde. Der Möglichkeiten waren viele, von einfach Schrauben raus von der 1. Operation = 1/2 - 1 Std Ops, bis hin zur 360 Grad Versteifung (da wird ein Teil der Wirbelsäule von hinten versteift, dann wird man umgedreht und das Ganze wird von vorne her nochmals gemacht). Da kam es auf ein paar Std mehr oder weniger Narkose auch nicht mehr an.

Die Zeiten (Vorbereitung und so) habe ich übrigens aus einer Datenbankapplikation für eine Intensivstation. Da wird jeder Operationsteil separiert aufgeführt, also Ueberführung zur Anästhesie, Anästhesieeinleitung, Operationsbeginn, -ende, Weckphase und Ueberführung auf die IPS. Die Unterschiede können, je nach Operationstyp, ziemlich gross sein, wobei ich nur Daten über Operationen habe, wo der Patient nachher in der IPS ist.

liebe grüsse
eve

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Re: Anfrage als nicht selbst Betroffener

Beitragvon betta » Dienstag 24. Juli 2007, 23:59

Hab doch noch mal kurz hier vorbei geschaut ...

War inzwischen auf der informativen Seite - natürlich würde mich auch noch die Datenbankapplikation interessieren, aber ich glaub, für mich "fällt doch heute der Hammer" - bin seit 4 Uhr auf den Beinen und ziemlich ausgelaugt und "leer im Kopf".

Also, ich würde mich dann morgen noch mal melden.

Zu deinen OP-Erfahrungen kann ich nur sagen, Hut hab, dass du so etwas alles hinter dich gebracht hast bzw. bringen musstest.

Ich hoffe, dass dir solche Sachen in Zukunft erspart bleiben.

Danke für die feedbacks und liebe Grüße


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