Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

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mimi
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Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

Beitragvon mimi » Montag 24. Juli 2017, 19:18

Hallo,

hat jemand von euch Erfahrung mit Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft?

Zu meinem Fall:
Ich bin Anfang 30, seit jeher Nicht-Raucher und habe keinerlei Vorerkrankungen der Lunge. Das ist meine erste Schwangerschaft und mein erster Spontanpneumothorax hat sich in der 9. SSW eingestellt. Trotz massiver Atemnot und starker Schmerzen hat mich ein Allgemeinarzt zuerst mit der Diagnose "eingeklemmter Nerv" nach Hause geschickt. Knapp zwei Wochen später wollte ich den eingeklemmten Nerv von einem Chiropraktiker behandeln lassen. Dieser hat mich nach dem Abhören mit Verdacht auf Spontanpneumothorax ins Krankenhaus geschickt. Eine Ultraschalluntersuchung hat ergeben, dass sich noch ein wenig Luft oder Flüssigkeit im rechten Pleuralspalt befunden hat, aber da die Beschwerden sich innerhalb von zwei Wochen von selbst gebessert haben, bestand kein Handlungsbedarf mehr. Ich wurde mit dem Vermerk heimgeschickt, dass ich bei ähnlichen Beschwerden das nächste Mal sofort ins Krankenhaus kommen solle. Gute drei Monate später in der 23. SSW haben sich dann abermals die Symptome auf der rechten Seite eingestellt. Ich habe mich sogleich auf den Weg ins Krankenhaus gemacht und dort ist mein Zustand kurzfristig kritisch geworden. Ich bin kollabiert und wurde umgehend im Schockraum behandelt. Über eine Woche habe ich eine Thoraxsaugdrainage bekommen und wurde dann nach 10 Tagen ohne Beschwerden entlassen. Im Kontrollröntgen zeigen sich angedeutete Bullae im rechten Oberlappen. Daher wurde mir zu einer späteren VATS geraten.

Es haben mir zwar alle Ärzte bestätigt, dass ein Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft ein sehr seltener Fall ist. Gleichzeitig wird vermutet, dass diese nicht zufällig in der Schwangerschaft aufgetreten sind, da die Schwangerschaft der Lunge einiges abverlangt. Da die Presswehen eine Belastung für die Lunge darstellen, stellt sich auch die Frage, wie die Geburt vonstatten gehen soll. Die Fachabteilungen Gynäkologie und Thoraxchirurgie haben die Frage hin- und hergespielt ohne zu einer eindeutigen Antwort zu kommen. Sectio steht im Raum. Ich habe ein paar englischsprachige, wissenschaftliche Papers dazu gefunden, die bspw. zu einer "natürlichen" Geburt mit PDA raten:

The mode of delivery after a pneumothorax is also a matter of worry. According to Tanase et al., allowing a spontaneous vaginal delivery after appropriate treatement of pneumothorax during pregnancy seems safe. If pneumothorax is diagnosed in a term pregnancy, cesarean section under general anesthesia should be avoided because the positive pressure ventilation can lead to tension pneumothorax. The mode of delivery should be selected only for obstetric indications. According to previous literature results, the safest approach for termination is elective assisted deliveries; such as forceps assisted delivery to shorten the second stage of delivery. Even if emergent cesarean section is indicated due to obstetric considerations, it should be performed under spinal anesthesia rather than general anesthesia. (Spontaneous pneumothorax and pneumomediastinum in pregnancy: A case report)


Allowing spontaneous vaginal delivery after operative treatment of pneumothorax during pregnany also seems safe. For patients who have not received definite surgical therapy, epidural anesthesia and forceps assistance are recommended to prevent increased intrathoracic pressure due to the expulsive efforts during the second stage of labor and possible worsening or recurrence of pneumothorax. (A Case of Spontaneous Pneumothorax During Pregnancy and Review of the Literature)


Letzten Endes werde ich mich auf die Entscheidung der Ärzte verlassen, aber freue mich natürlich über Erfahrungen, Meinungen und Wissensstände zu dem Thema.

Natsu
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Re: Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

Beitragvon Natsu » Dienstag 25. Juli 2017, 18:48

Herzlich willkommen, mimi.. wenn auch aus unerfreulichen Gründen.

Das ist ein spannendes Thema, sagen kann ich dazu leider aber nichts hilfreiches, hoffentlich findet sich jemand, der dir irgendwas berichten kann.

Ich weiß nur, dass ich und viele andere hier, die halt schon ein oder mehrere Pneus hatten sich Sorgen machen bzw. sich fragen ob nach so einer Vorgeschichte eine Schwangerschaft gefahrlos möglich ist. Wirkliche Antworten darauf haben wir hier bisher nicht.

Es ist jedenfalls schön, dass es dir soweit gut geht und ich drück dir alle Daumen.
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Re: Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

Beitragvon mimi » Mittwoch 26. Juli 2017, 14:53

Danke für die netten Worte! Mir ist auch klar, dass das ein sehr spezieller Fall ist und zum Glück nicht viele betrifft.

Die Ärzte meinten, dass nach einer VATS das Rückfallrisiko sehr gering ist. Diese versucht man jedoch während meiner vorliegenden Schwangerschaft zu vermeiden und erst danach durchzuführen. Demnach wäre eine weitere Schwangerschaft nach der OP relativ gefahrlos möglich. Jetzt heißt es aber einmal die aktuelle Schwangerschaft und anstehende Geburt gut über die Runden zu bringen.

Natsu
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Re: Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

Beitragvon Natsu » Mittwoch 26. Juli 2017, 18:44

Ja ist klar, dass die die VATS während der Schwangerschaft vermeiden möchten. Und ja das stimmt, nach der VATS ist das Rückfallrisiko sehr gering.
Ich gehör halt leider zu den blöden Fällen, die trotz VATS nochmal ein Rezidiv hatten.. daher ist die Frage leider irgendwie noch offen. Aber bitte fühl dich dadurch nicht entmutigt, hier im Forum sind ja hauptsächlich die selteneren Fälle unterwegs. Die Anderen schließen damit schnell ab und das ist auch gut so! <:

Aber du klingst recht positiv, das find ich toll! Weiter so und halt uns auf dem Laufenden.
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mimi
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Re: Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

Beitragvon mimi » Montag 31. Juli 2017, 21:38

Ok, verstehe. Ich kann gerne berichten, wenn bei mir alles gut überstanden ist bzw. wie die Ärzte dann in puncto Geburt entscheiden. Nachdem das Baby im Bauch nicht nur von meinem physischen, sondern auch von meinem psychischen Wohlbefinden beeinflusst wird, bin ich tatsächlich sehr bemüht darum mich in keinen negativen Gedankenspiralen zu verlieren, sondern möglichst positiv zu denken. Sorgenvolle Momente gab es natürlich genug, aber ich übe mich jetzt in Zuversicht.

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Re: Spontanpneumothorax in der Schwangerschaft

Beitragvon Zyko » Montag 11. September 2017, 18:00

Liebe MiMi, ich drücke ganz fest die Daumen, dass weiterhin alles gut läuft :) auch für die Geburt wünsche ich viel Kraft!! Freue mich sehr auf Deinen Erfahrungsbericht :)


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