Entlassung mit Drainageschlauch üblich ?

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doeser
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Entlassung mit Drainageschlauch üblich ?

Beitragvon doeser » Sonntag 13. Juli 2014, 13:01

Erstmal Hallo zusammen !

Ich hatte vor 12 Tagen einen starken verspannungsartigen Schmerz auf der rechten Brustseite, zu dem sich innerhalb von 6 Stunden mittlere Schmerzen beim Atmen und deutliche Atemnot gesellt haben.
Nachdem ich mich gegen 23.00 in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses geschleppt habe wurde dort ein Pneumathorax des rechten Lungenflügels diagnostiziert (komplett zusammengefallen) und mir kurz darauf ein Drainageschlach mit 2-Kammernsystem gelegt. Am nächsten Tag wurde eine Lungenspitzenresektion durchgeführt und das Rippenfell aufgerauht ,wobei auch ein neuer Drainageeingang gelegt wurde und der alte zugenäht.

Direkt nach der OP hat meine Drainage auch nicht mehr "geblubbert", nach meinen Verständniss war die Lunge also "dicht". Danach wurde in einem für mich etwas unverständlichen Hin und Her der Sog an (laut Display -0.10 bar) und ab gestellt (Von verschiedenen Ärzten mit der Erklärung die Lunge solle durch stärkeren Sog geweitet, bzw. im Gegenteil vermieden werden dass durch stärkeren Sog eventuelle Löcher weiter aufreissen).
Das Resultat ist jedenfalls, dass jetzt 10 Tage nach der OP meine Drainage auch bei normaler Atmung fröhlich vor sich hin blubbert. In den letzten beiden Tagen gab es auch 2 Eregnisse, bei denen mir schwarz vor den Augen wurde und eine grössere Menge Wundflüssigkeit auf einmal aus dem Drainageschlauch sprudelte (schlauch voll), was mich zusätzlich verunsichert hat. Ärtze und Schwestern waren davon nicht sonderlich beeindruckt, also scheint das nicht weiter ungewöhnlich zu sein (?). Seitdem wird mir immer mal wieder beim spazieren auf dem Krankenhausgang schwarz vor den Augen, die Ärtze sind allerdings der Meinung dies hätte wahrscheinlich psychische Ursachen.(Hatte ich bisher in meinen 37 Jahren noch nie).

Erst wurde mir gesagt ich müsste länger (nochmals 2 Wochen) im Krankenhaus bleiben, bis sich die Lunge geschlossen hat, jetzt wurde mir aber gestern mitgeteilt dass ich in 2 Tagen entlassen werden soll. (13 Tage nach einlieferung).
Der Drainageschlauch soll liegenbleiben, allerdings werden die Sogkammern durch einen "Beutel" ersetzt, und ich soll alle paar Tage zu Röntgen und Verbandwechsel das Krankenhaus bzw. meinen Hausarzt aufsuchen. Meine Lunge ist nach wie vor perforiert, nach meinem Verständniss sollte sich das spätestens nach 2 Tagen bei mir als Atemnot und einer Fahrt ins Krankenhaus äussern.

Ist dies ein übliches Prozedere oder sollte ich dagegen argumentieren ? Abgesehen davon dass ich nach einhundert Metern dazu neige umzukippen, wäre es mir deutlich lieber, mit entfernter Drainage und geschlossener Lunge entlassen zu werden. Da dies mein 2ter Pneu ist verwundert und verunsichert mich dieses Vorgehen schon sehr stark, zumal wenn ich die Ärzte darauf anspreche stets ausweichend darauf geantwortet wird "dies hätte alles schon seine Richtigkeit".
Es wäre ja auch denkbar dass es sich um einen Versicherungstechnischen Kniff handelt oder ähnliches.

Ich würde mich freuen, Eure Meinung dazu zu hören, eventuell hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann etwas dazu sagen.

Vielen Dank für euere Antworten !

P.S.:
Für statistisch interressierte noch ein paar Infos zu meiner Person: Ich bin 37 Jahre, 1.85 m , 67Kg , Raucher (10 -20 Selbstgedrehte am Tag) und habe lange Jahre auch täglich Joints geraucht (bis 15 Stück am Tag)
Ich hatte bereits vor 13 jahren einen Pneu auf der linken Seite, bei dem auch eine Lungenspitzenresektion durchgeführt wurde, die ich relativ beschwerdefrei verkraftet habe.

ela65
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Re: Entlassung mit Drainageschlauch üblich ?

Beitragvon ela65 » Montag 14. Juli 2014, 21:00

Hallo,
es tut mir leid, dass du auch unter dieser Krankheit leiden musst. Unser Sohn war zwar wesentlich jünger als du, als er davon betroffen war. Aber auch wir wurden einmal mit einer Drainage nach Hause geschickt. Wir waren damals auch so fertig, da er schon lange Zeit mit Pneus zu tun und im KH verbracht hatte, dass wir auch nach Hause gefahren sind. Ich kann nur sagen: Nie wieder. Auch uns bzw. meinem Sohn wurde erklärt, wenn der (Urin)Beutel sich aufblasen würde, dann solle er einfach ein Loch oben in den Beutel stechen !? Schon die Fahrt nach Hause war für mich ein Drama, er war allerdings froh nach Hause zu kommen. Nach einer unruhigen Nacht sind wir dann am nächsten Tag direkt zum Hausarzt gefahren, und hat uns sofort wieder ins KH Düsseldorf (vorher waren wir in der Lungenlinik Köln Merheim) eingewiesen. Dort sind wir auch sofort hingefahren, die Ärzte dort haben allerdings nur mit dem Kopf geschüttelt, dass wir mit liegender Drainage nach Hause geschickt worden sind. So musste unser Sohn dort bleiben. Die Ärzte in Köln waren einfach überfordert, weil seine Lunge immer wieder kollabiert ist und sie einfach nicht weiterwussten. In Düsseldorf haben sie ihn letztlich so behandelt, dass seine Lunge bis heute hält (Talkum).
Fazit: das Risiko sich das Ding evt. rauszuziehen o. ähnliches würde ich nie wieder auf mich nehmen. Zumal wenn du immer noch Probleme hast wie Schwarzwerden, Umkippen usw. Ich kann dir nur raten darauf zu bestehen bis zur Genesung im KH behandelt zu werden. War das ein ganz normales KH oder eine Spezialklinik für Lungen/Thorax? Sonst würde ich an deiner STelle wirklich eine Lungenfachklinik aufsuchen.
Gute Besserung und schreib vielleicht mal, wie es ausgegangen ist. ;)

doeser
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Re: Entlassung mit Drainageschlauch üblich ?

Beitragvon doeser » Freitag 18. Juli 2014, 19:51

Hier der Rest der Geschichte: (hoffentlich)

Ich wurde wie gehabt vor 4 Tagen mit Drainageschlauch aus dem Krankenhaus entlassen, wobei mir empfohlen wurde zwei mal die Woche im Krankenhaus zur Kontrolle vorstellig zu werden sowie den Verband täglich vom Hausarzt begutachten zu lassen.
Zur Entlassung wurden dann wie geplant die Sogkammern durch einen "Beutel" ersetzt, in meinem Fall der "Thoraxdrainage - Sekretauffangbeutel" von Dahlhausen mit 1 Liter Fassungsvermögen und Heimlich-Ventil, welches verhindern soll, dass überschüssige Luft im Brustkorb verbleibt. Das Vorhandensein des Ventils hat mich einigermassen beruhigt ( Vor allem wenn man hier von Urin-Beuteln liest ). Man ist auch anfangs merklich mobiler, da man nicht den ganzen Kasten mit sich herumschleppen muss.
Allerdings hatte der Beutel bei mir auch ein paar Kinderkrankheiten, so sammelte sich ablaufende Flüssigkeit ab dem 2. Tag im Schlauch, floss dort hin und her und war auch mit mechanischer Nachhilfe nicht dazu zu bewegen in den Beutel abzufliessen. Ausserdem stehen 2 Entlüftungsventile nach oben ab, die sich, wenn man nicht aufpasst, gerne auch mal verfangen und wie Widerhaken wirken.
Falls der Beutel waagrecht liegt fliesst durch besagte Ventile gerne auch mal die Flüssigkeit aus (Wenn sie es denn in den Beutel geschafft hat). Lecker.
Das merkt man dann natürlich alles erst zuhause und macht die ganze Angelegenheit bisweilen durchaus spannend. Vor allem Nachts habe ich immer unruhig mit einem Auge auf den Beutel geschlafen.
Zum Glück musste ich mich jetzt nur 2 Nächte damit herumärgern. Gestern zur Kontrolluntersuchung im Krankenhaus wurde zum Testen der Beutel durch ein Wasserschloss ersetzt, und es hat nicht mehr "geblubbert". Auch ist mir die 2 Tage davor aufgefallen, dass beim Atmen bzw. Husten keine Auswirkungen im Beutel zu sehen waren (Anfangs beschlug der Kunststoff leicht und man konnte beim Husten beobachten, wie sich die Flüssigkeit im Schlauch bewegt).
So wurde mit gestern der Schlauch gezogen, insgesamt 17 Tage nach Einlieferung und 3 Tagen zuhause.
Heute morgen war nochmals zum Kontrollröntgen, Fäden wurden teilweise gezogen : es scheint soweit alles in Ordnung zu sein. Wirklich ein gutes Gefühl den Schlauch los zu sein. Klopf auf Holz dass es so bleibt !

Mein Fazit : Das mit dem Beutel hat bei mir funktioniert, aber hätte es länger gedauert z.B. 1 Woche+ kann ich mir gut vorstellen, dass die vielen Dinge die mit dem Ding (eingebildet oder tatsächlich) hätten schiefgehen können zu einer grösseren nervlichen Belastung werden. (Vor allem wenn keine Unterstützung zur Stelle hat) Dazu kommen fast tägliche Fahrtkosten zum Arzt. Ich weiss nicht, ob man darauf bestehen kann, weiterhin stationär behandelt zu werden aber ich hätte es auf jeden Fall vorgezogen.

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Re: Entlassung mit Drainageschlauch üblich ?

Beitragvon ela65 » Samstag 19. Juli 2014, 09:21

Hallöchen,
hast du denn keine andere Möglichkeit sprich anderes KH in der Nähe, um auch mal eine Zweitmeinung einzuholen. Ich habe hier im Forum eine Umfrage zu dem Thema gemacht und bin gespannt, wer noch so nach Hause geschickt worden ist.

Ich hoffe du hast es jetzt auf jeden Fall geschafft und hast nie wieder damit zu tun. Gute Besserung.
Ela ;)

doeser
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Re: Entlassung mit Drainageschlauch üblich ?

Beitragvon doeser » Samstag 19. Juli 2014, 17:06

Hallo Ela,

Im Moment bin ich erst mal froh, wenn ich etwas Abstand dazu gewinne, aber eine Zweitmeinung einzuholen wäre auf jeden Fall eine sinnvolle Massnahme.
Das nächste Krankenhaus ist leider relativ weit weg und ich bin selber nicht mobil. Mein Hausarzt meinte dazu dass chronische Überbelegung des KH sicherlich als Grund mit in die Entlassungsentscheidung miteingeflossen sei. (Versicherungstechnisch gab es hier keine Fallpauschale sondern es wurde die Liegezeit angerechnet habe ich mich erkundigt).
Es handelte sich um ein "Akademisches Lehrkrankenhaus" eines Universitätsklinikums aber nicht explizit um eine Lungenfachklinik. (Der Stationsarzt war aber wohl Lungenspezialist).


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